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Integration über den grünen Daumen

01.01.2016
In diesem Frühjahr entsteht auf einem Schaffhauser Familien-gartenareal ein Garten für Flüchtlingsfrauen. Träger sind reformierte Kirchgemeinden und die Kantonalkirche.

Seit bald zehn Jahren spriessen sie in der ganzen Schweiz: interkulturelle Gartenprojekte für Migrantinnen. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz Heks hat 2005 mit dem ersten Garten in Basel begonnen und seither das Erfolgsmodell in vielen Kantonen umgesetzt. Nun erhält auch Schaffhausen den ersten «Familiengarten für Flüchtlingsfrauen».
Die Idee dahinter: Ein Beet in einem gemeinsamen Garten ist für Flüchtlingsfrauen Anlass, sich aus-ser Haus zu begeben, andere Frauen zu treffen und sich wörtlich in der neuen Heimat zu verwurzeln. Gartenarbeit ist vielen vertraut, in den Integrationsgärten erhalten sie ans Klima angepasstes Knowhow. Dabei findet ein Austausch statt: unter den Flüchtlingsfrauen, mit den Nachbarn in den Familiengärten und mit den einheimischen Freiwilligen, die das Projekt mittragen und Hand anlegen.

Bald der erste Spatenstich
Ende April wird der Garten von der Stadtgärtnerei, die ihn verpachtet, vorbereitet. Es sind 200 Quadratmeter in einem Familiengartenareal auf der Breite. Trägerin und Pächterin ist die Kirchgemeinde Steig, die auch Freiwillige zum Mitgärtnern stellt. Initiiert wurde das Projekt von Doris Brodbeck von der Fachstelle Ökumene, Mission und Entwicklung der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche. Sie überträgt das Konzept der Heks-Gärten auf Schaffhauser Verhältnisse. Damit das Projekt Fuss fassen könne, wolle man klein anfangen. Zusammenarbeit mit der Heks-Regionalstelle Zürich-Schaffhausen ermögliche Erfahrungsaustausch unter den leitenden Gärtnerinnen. Mit Jlona Bächler aus Schleitheim hat sie eine Gärtnerin gefunden, deren Traum es früher war, Gartenbau in Afrika zu betreiben. Meaza Gebrhiwet, die seit 7 Jahren in Schaffhausen lebt, ist interkulturelle Übersetzerin und wird die Frauen begleiten.
Die Gärtnerin und die Übersetzerin arbeiten ehrenamtlich. Die Kantonalkirche ermöglicht ihnen Weiterbildungen. Für eine kleine Entschädigung für die beiden, für Pachtzins und Material sammeln verschiedene Kirchgemeinden Geld. «Noch suchen wir Kirchgemeinden, die sich am Projekt beteiligen», sagt Doris Brodbeck.
Anfang März zieht Gärtnerin Jlona Bächler die ersten Setzlinge an: Tomaten, Chili, Auberginen. Sie führt geleitete Gartenhalbtage durch. Kinder sollen eigene Beete erhalten. Für die Begleitung von Frauen und Kinder hat sich eine Anwohnerin freiwillig zur Verfügung gestellt. Die vier ersten Flüchtlingsfrauen, die mindestens eine Gartensaison lang den Garten bebauen wollen, stammen aus Eritrea. Den Anbauplan haben sie bereits gemeinsam festgelegt.


Zum Bild: Wollen mit Flüchtlingsfrauen zusammen einen Garten zum Blühen bringen: Doris Brodbeck, Meaza Gebrhiwet und Jlona Bächler.| Schlatter

Barbara Helg


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