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Ein Ort, wo Büezer und Patrons Gehör finden

01.01.2016
Aus dem unteren Kleinbasel zog das Pfarramt für Industrie und Wirtschaft hinauf zum Petersplatz. Die Aufgabe ist geblieben: Ein offenes Ohr für Arbeitende und Arbeitgebende anzubieten.

Am Peterskirchplatz 8, zwischen Marktplatz, Universität, Peterskirche und dem die Kultur vertretenden Johann Peter Hebel hat das Pfarramt für Industrie und Wirtschaft beider Basel (PiWi) eine neue Heimat gefunden. Alex Wyss, Präsident der Leitenden Kommission des PiWi, und Andreas Burckhardt, Verwaltungsratspräsident der Baloise, haben den Standort ins Zentrum ihrer Grussworte gestellt. «Mitten im Leben» befinde sich das Pfarramt, stellte Burckhardt fest. Und Alex Wyss bemerkte, dass das PiWi, wäre es allein der Idee des «Arbeiterpriesters in Überhosen» verschrieben, nun keinen neuen Standort einweihen könnte, sondern hätte schliessen müssen.

Beidseitiges Vertrauen
Die Ausrichtung des PiWi auf Arbeitgebende und Arbeitnehmende als Erfolgsmodell wird an einem Beispiel erkennbar, das Martin Dürr, Co-Leiter des PiWi, erzählte. «Ich war gerade in einem Gespräch mit Vertretern der Arbeitgeberseite, als mein Telefon läutete. Am andern Ende meldete sich ein Arbeiter ebendieser Firma, der meinen Rat suchte.» Dass das PiWi das Vertrauen beider Seiten geniesse, sei ein gutes Zeichen.
Apropos «beide Seiten vertreten»: Elli von Planta, Präsidentin des Exekutivrats der Sozialkonferenz Basel, widmete sich dem Thema aus Sicht einer Frau, die einen Haushalt führt (oikos = Haus, oikonomia = Haushaltsführung, Ökonomie = Wirtschaft). «Wer vermittelt die Werte, die für eine «gesunde» Wirtschaft nötig sind?», fragte sie. Die Antwort lautet: die Familie. Ohne Powerpoint und Zielvorgaben würden dort Werte vermittelt. Gradmesser sei dabei das Gefühl, das Emotionale, denn: «Werte fühlt man». Von Planta plädierte dafür, die Gefühle, «die Softfaktoren» zu nutzen und ein Emotionsmanagement zu betreiben. Diese Werte in die Herzen zu tragen, sei eine der Aufgaben des PiWi, schloss von Planta.
Heimat und Orientierung
Stephan Feldhaus, Leiter Group Communications Roche und Theologe, machte drei Trends aus, die ein Pfarramt für Industrie und Wirtschaft so nötig macht wie nie zuvor. Die Globalisierung, so Feldhaus, fordere unbegrenzte Mobilität. Die Folge davon sei das Gefühl der Heimatlosigkeit. Zusammen mit der zunehmenden Individualisierung und dem Wegfall der sozialen Netzwerke als Folge dessen, würden die Menschen orientierungslos. Dazu komme der Wettbewerbs-stress, der heute schon bei den Kindern festzustellen sei. Burn-out sei deshalb kein Unwort, sondern eine Tatsache, so Feldhaus.
Ein offenes Ohr für die Anliegen der Personalverantwortlichen wünschte sich Regina Regenass, Vizepräsidentin der Basler Gesellschaft für Personal-Management. Ihre Stellung zwischen Personal und dem Management, von dessen Entscheiden sie zum Teil selbst betroffen seien, stelle hohe Anforderungen. Das PiWi biete bei Problemen einen Ort, an dem offen gesprochen werden könne. Ein offenes Ohr gebe es auch bei der BLKB, sagte Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung der BLKB. Die Anlaufstelle der BLKB werde von rund 10 Prozent der Mitarbeitenden besucht. Oberlin sprach sich als Vertreter einer Institution, in der Zahlen dominieren, für eine Wirtschaft aus, in der menschliche Werte das Klima bestimmten. Das PiWi steht für Beat Oberlin als Garant dieses nötigen Werteerhalts.

Kleines, aber feines Team
Das Pfarramt für Industrie und Wirtschaft nimmt sich dieser Aufgaben mit einem kleinen Team an: Den Co-Leitenden Béatrice Bowald und Martin Dürr sowie der für die Administration verantwortlichen Dagmar Vergeat. Den neuen Standort teilt das PiWi mit dem Pfarramt St. Peter und der Diakoniestelle der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt.

Franz Osswald


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