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Kirche macht sich flott für die Zukunft

01.01.2016
Mit einer Visitation bereitet sich die Baselbieter Kirche auf die Zukunft vor. Für Alt-Regierungsrat Peter Schmid bietet das der Kirche die Chance mit den verschiedensten Gruppierungen ins Gespräch zu kommen.

Zukunftsforscher verheissen den Kirchen keine rosigen Aussichten: Verdrängung der christlichen Kirchen aus der Gesellschaft, Konkurrenz durch neue religiöse Bewegungen und Individualisierung. Zusätzlich machen ihnen der Mitgliederrückgang und schwindende finanzielle Mittel zu schaffen.
Mit einer Visitation das Wort stammt vom Lateinischen visitare «besuchen» möchte die Baselbieter Kirche bis Ende 2015 untersuchen, wie sich diese Prognosen auf die Kirchgemeinden, Fachstellen und Spezialpfarrämter auswirken, was sie für das Angebot und die Arbeit der Kirche bedeuten und wie Mitarbeitende, Freiwillige und Kirchenmitglieder damit umgehen. Wie zum Beispiel nimmt man andere Religionen wahr? Ist etwa der Islam sichtbar in einer Gemeinde? Wird er als missionarische Herausforderung verstanden oder als Integrationsaufgabe? Oder ist er gar kein Thema?

Ein Vorstellung der Zukunft erhalten
«Mit der Visitation möchten wir eine möglichst plastische Vorstellung von der Kirche der Zukunft erhalten», sagt Peter Schmid. Der Baselbieter und Vizepräsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes wurde an der letzten Synode zum Präsidenten der Visitationskommission gewählt. Die zwanzig Mitglieder sind zurzeit daran, die Visitation aufzugleisen.
Voraussichtlich ab September werden Visitatorinnen und Visitatoren Kirchgemeinden, Fachstellen und Spezialpfarrämter besuchen und zu den Zukunftsprognosen befragen. Zuvor sollen die Kirchenpflegen ohne thematische Vorgabe eine Selbsteinschätzung abgeben und ihre Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken beurteilen. Ins Auge gefasst wird auch eine elektronische Befragung, an der sich die Kirchenmitglieder direkt beteiligen können. Zudem möchte man mit den Unternehmen, die im Kanton Baselland Kirchensteuern zahlen, das Gespräch suchen.
Doch vor dem eigentlichen Start muss sich die Kommission auf die inhaltlichen Grundsätze und organisatorischen Vorgaben einigen. Dieser Prozess gehe zügig voran, freut sich Peter Schmid. In der Kommission sind die verschiedenen Berufsgruppen und die Kirchgemeinden vertreten. Am 9. April findet die nächste Plenumssitzung statt, danach wird ein fünfköpfiger Ausschuss die organisatorischen Einzelheiten übernehmen.
Die Visitation konzentriert sich auf mögliche Entwicklungen im Zeitraum von 2015 bis 2027. Bei der Untersuchung gehe es nicht um Fragen der kirchlichen Organisation und Optimierung, sondern um das Potenzial, erklärt Peter Schmid. Wie können die Kirchgemeinden den gesellschaftlichen Veränderungen begegnen, welche Möglichkeiten haben sie, auch in Zukunft zu bestehen?
Konkret sucht die Visitation zum Beispiel Antwort auf die Frage, wie gross eine Kirchgemeinde sein muss und wie klein sie sein darf, um gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Daraus könnten Ideen für Kooperationen entstehen. «Wir gehen davon aus, dass sich die Zukunft der Kirche nicht einfach mit einem gleichförmigen Abbau gestalten lässt», betont Peter Schmid. Das Ziel müsse vielmehr ein Umbau und schwerpunktmäs-siger Ausbau sein. Im Abschlussbericht will die Visitationskommission Anregungen und Handlungsempfehlungen formulieren, die es den Kirchgemeinden und der Kantonalkirche möglich machen, ihre Zukunft bewusst zu gestalten.



Zeitplan Visitation 20142015
April. Die Kommission einigt sich grundsätzlich auf Inhalt und Vorgehen und bildet einen Ausschuss
MaiAugust. Ausarbeitung und Verabschiedung der Instrumente zur Befragung
August. Einführung der Visitatorinnen und Visitatoren
SeptemberDezember. Befragungen


Zum Bild: Alt-Regierungsrat Peter Schmid

Karin Müller


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