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Viele Sprachen, ein Fest

01.01.2016
Der Kirchentag in Lörrach zeigte, dass es vielen ein Bedürfnis ist, die Landes- und Konfessionsgrenzen zu überwinden.

2003 trafen sich die Kirchen aus dem Dreiländereck das erste Mal in Lörrach zum Tag der Kirchen am Rheinknie. Doch während sie damals im Burghof unter sich blieben, mischten sie sich jetzt mit dem 4. Kirchentag am vergangenen Samstag mitten unter die ­Leute. Der trinationale ökumenische Kirchentag hat sich damit von einer Nischenveranstaltung zum Gross-Event gemausert.
Die Kirchen bauten ihre Bühne auf dem Marktplatz im Zentrum der Stadt auf. Die Strassen waren gesäumt von Ständen, die die Angebote der kirchlichen Einrichtungen und Werke präsentierten. Man hörte die Sprachen der Region, aber auch solche von weiter her. Das entsprach ganz dem Motto des Kirchentags: «In vielen Sprachen von den Wundern Gottes reden».
Der Kirchentag in Lörrach zeigte sich als fröhlich entspanntes Happening. Bands und Chöre brachten die Stadt zum Klingen. Workshops und ein eigenes Jugendprogramm machten den Tag für Jung und Alt zum Erlebnis.
Der Tag war aber nicht nur vollgepackt mit kirchlichen Veranstaltungen. Gleichzeitig standen in Lörrach Kommunalwahlen an, und auch der Wochenmarkt fand wie jeden Samstag statt. Die Besucher konnten also wählen zwischen frisch gebackenem «Brot des Lebens» an der einen Ecke, dem Muffin einer politischen Partei an der nächsten oder einem Häppchen zum Degustieren an der dritten.
Das Konzept war bewusst gewählt. Die Kirchen wollten Gäste und Einheimische, mit der Kirche vertraute und kirchenferne Menschen zur Begegnung einladen. Sie benutzten die Gelegenheit, ein grösseres Publikum anzusprechen. Wer an diesem Tag durch die Stadt flanierte, konnte im Vorübergehen einen Eindruck mitnehmen oder sogar ein bleibendes Erlebnis.

Drei Länder, ein Thema
Einige Veranstaltungen thematisierten die Herausforderungen, die das Elsass, die Nordwestschweiz und Südbaden gleichermassen beschäf­tigen. So die Podiumsdiskussion zur Migra­tion. Das Fazit des Gesprächs: Man sollte ohne Vorurteile den einzelnen Menschen in den Blick nehmen und in jedem das Potenzial sehen, das er mitbringt und zum Nutzen der Gesellschaft entfalten kann.
Gudrun Heute-Bluhm, Oberbürgermeisterin von Lörrach, betonte zudem, wie wichtig Kommunikation sei: «Die Menschen brauchen Vertrauenspersonen, die ihre Sprache sprechen.» Doch das allein reicht nicht: «Sprache ist nur dann etwas wert, wenn sie von der Liebe getränkt ist», sagte Dekan Herbert Rochlitz bei der Eröffnungsandacht.


Zum Bild: Die evangelische Dekanin Bärbel Schäfer und der katholische Dekan Herbert Rochlitz begrüssten die Besucher in mehreren Sprachen zum Gottesdienst.

Karin Müller


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