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«Diese Kirche ist auch eine Disco»

01.01.2016
Was einst als spektakulär galt, sorgt heute kaum mehr für Aufreger: Die Offene Kirche Elisabethen in Basel feierte Ende April mit einem öffentlichen Apéro ganz bescheiden die 20 Jahre ihres Bestehens. Einzigartig ist sie geblieben.

Sie war 1994 die erste ihrer Art und ist bis heute besonders: Die Offene Kirche Elisabethen. Zwar gibt es auch in anderen Städten wie Zürich, St. Gallen, Bern und Zug Citykirchen, diese sind aber immer Teil einer Kirchgemeinde. In Basel war und ist die Offene Kirche Elisabethen OKE mit ökumenischer Co-Leitung eine Institution für sich, die auch nicht an die geltende Gottesdienstordnung der Evangelisch-reformierten Kirche gebunden ist.
Erster reformierter Seelsorger war Hansruedi Felix, ihm folgte 2003 André Feuz, dessen Nachfolger ab September Frank Lorenz sein wird. Derzeit herrscht an der OKE ein «Interregnum», das von der katholischen Seelsorgerin Monika Hungerbühler wahrgenommen wird. «Am Anfang war die Offene Kirche Elisabethen noch etwas Spezielles. Zu Tiergottesdiensten und Segnungsfeiern kamen oft Radio- und Fernsehen, um zu berichten», erinnert sich Monika Hungerbühler. Heute sei die OKE ein Teil des Basler kirchlichen Lebens, das nicht mehr Aufmerksamkeit erhalte als andere Kirchgemeinden, «wir produzieren keine Aufreger mehr wie in den Anfängen». Niemand stört sich daran, wenn ein Banner über dem Eingang verkündet: «Diese Kirche ist auch eine Disco» oder «Diese Kirche ist auch ein Festzelt». In der OKE finden Basketball-Turniere statt, Walpurgisnacht-Feiern oder buddhistische Reliquien-Ausstellungen. Das wirft die Frage auf, ob denn an diesem Ort alles möglich ist. «Wir gehen bei der Beurteilung einer Anfrage vom Gegenteil aus, nämlich, warum ein Anlass in unserer Kirche nicht stattfinden soll», erklärt Monika Hungerbühler. Grundlage sei immer das Evangelium. Man wolle genau wissen, wer die Veranstaltenden sind und warum sie gerade in der OKE den Anlass durchführen wollen. «Wenn wir keine Gründe dagegen finden, sagen wir zu.»

«Teil der verheissenen Fülle»
Die Offene Kirche sieht sich aber nicht als Ort, an dem Randgruppen «bedient» werden. Dies geht auch aus dem Leitpapier hervor: «Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben», steht da geschrieben. Dazu Monika Hungerbühler: «Die Fülle ergibt sich gerade aus der Vielfalt kleinerer und grösserer Gruppierungen, Interessen, Ausrichtungen. Deshalb sind wir mit unserem Angebot Teil der verheissenen Fülle.»
Die OKE erhält Geld von den Reformierten und Römisch-katholischen Landeskirchen beider Basel, in erster Linie für die Löhne der Co-Leitung. Den übrigen Aufwand muss die Citykirche selber erwirtschaften. Die Reformierte Kirche Baselland budgetierte für dieses Jahr 45 000 Franken f ür die OKE.

Franz Osswald/kim

Links:
www.offenekirche.ch


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