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Friedensarbeit in Nigeria: Oftmals Angst, immer Hoffnung

01.01.2016
«Wir erleben eine harte Zeit in Nigeria. Es ist sehr schwer für uns als Kirche, aber auch für unsere muslimischen Geschwister und für das ganze Land», sagt Markus Gamache bei einem Besuch in Basel im Mai. Der 46-jährige Betriebswirt arbeitet in der Friedensarbeit der Kirche der Geschwister, Partnerkirche von Mission 21.

«Wenn ich ehrlich bin», so der Nigerianer, «habe ich oft Angst. Durch meine Arbeit bin ich auf Strassen unterwegs, die nicht sehr sicher sind.»
Am Tag nach unserem Gespräch fliegen zwei Autobomben in die Luft, in Jos, seiner Stadt. Es ist eine Spirale der Gewalt, die weit über die Terrorgruppe Boko Haram hinausgeht. «Es geht nicht wirklich um Religion», ist Gamache überzeugt. «Die jungen Menschen leben in Armut, sie haben keine Perspektiven. Deshalb sind sie anfällig dafür, bei den Kämpfen mitzumachen.» Manche werden bezahlt, damit sie andere töten, berichtet er. Aus Mangel an Alternativen würden sie zu Dingen verführt, die ihnen unter anderen Umständen nie in den Sinn kämen.

Als Christ in einer muslimischen Familie
Seit einigen Jahren ist Jos eine geteilte Stadt. Für Christen ist es gefährlich, in muslimische Viertel zu gehen und umgekehrt. Markus Gamaches Lebensthema ist der Friede zwischen Angehörigen verschiedener Religionen. Als Kind wurde er Christ, als ein Lehrer ihm von der Jesus-Nachfolge erzählte. Wenige Jahre später konvertierten seine Eltern von ihrer lokalen Religion zum Islam. Sein Vater verstiess ihn aufgrund seines Glaubens. Er musste ausziehen, seine Mutter begleitete ihn. Groll hegt er gegenüber dem inzwischen verstorbenen Vater keinen. Seine Mutter lebt bei ihm, seiner Frau und den fünf Kindern. «Ich bin meiner Mutter so dankbar für alles, was sie für mich getan hat», sagt der freundliche Mann ruhig. «Ich weiss immer: Würde ich einen Moslem schlagen, würde ich meine eigene Mutter schlagen.»

Neue Perspektiven
2011 hat Markus Gamache mit der Muslima Binta Bakari ein interreligiöses Friedensprojekt in Jos gegründet, das heute unter dem Namen «Lifeline Compassionate Global Initiatives» eine eigenständige, von Mission 21 unterstützte Nichtregierungsorganisation ist. Es eröffnet Jugendlichen, Witwen, Waisen und anderen benachteiligen Kindern neue Perspektiven.
Das Projekt bietet Lehrgänge für angehende Tischler, Schneider und Schweisser an, unterstützt Menschen darin, einen kleinen Laden zu gründen, bietet Kurse in betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen an und gibt zinslose Kleinkredite für den Start des eigenen kleinen Unternehmens. Zudem unterstützt es derzeit 27 Kinder, die sonst nicht zur Schule gehen könnten. «Wenn die jungen Menschen ihr eigenes kleines Business und somit eine sinnvolle Aufgabe haben, sind sie für die Radikalen keine leichten Opfer mehr», berichtet der Friedensaktivist. Die Begünstigten des Friedensprojekts kommen sowohl aus muslimischen als auch aus christlichen Stadtteilen und tauschen sich regelmässig aus. Unter den ehrenamtlichen Mitarbeitenden sind tiefe Freundschaften entstanden. Die Muslima nennt den Christen «Bruder», er nennt sie «Schwester».

­Dorothee Adrian, mission 21

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