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Pfarrer-Quereinstieg verzögert sich

01.01.2016
Ab 2017 ist in der Schweiz ein akuter Pfarrermangel prognostiziert. Bei der Erarbeitung eines Quereinstiegs in den Pfarrberuf stellt sich die Universität Zürich quer. Jetzt werden neue Partner gesucht.

Obwohl der geplante Quereinstieg in den Pfarrberuf positiv gestartet ist und in der Vernehmlassung bei den Kirchen einhellige Zustimmung erfuhr, geht es vorerst nicht weiter. Der geplante Studienbeginn von Herbst 2015 verzögere sich, sagt Thomas Schaufelberger, Leiter der federführenden Stelle Aus- und Weiterbildung für Pfarrpersonen (A+W).
Die Universität Zürich stellte sich quer obwohl deren Theologische Fakultät an der Ausarbeitung beteiligt war. Zu viele Fragen seien offen für eine Umsetzung, heisst es. Die Theologiestudierenden der Universität hatten den Entwurf vehement als «Schmalspurstudium» angegriffen.

Pensionierungswelle
Dabei rollt in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle auf die Reformierte Kirche zu. Bis 2035, so die Prognose, sei der Nachwuchsbedarf stark erhöht. Umgekehrt sinkt die Zahl der Studierenden: 2013 ist sie erneut eingebrochen.
Ein Quereinstieg, wie man ihn beim Lehrerberuf kennt, soll Abhilfe schaffen: Berufsleute sollen die Möglichkeit erhalten, «biografieverträglich und berufsbegleitend» den Pfarrberuf zu ergreifen.
Der Kirchenrat Baselland befürwortet den Quereinstieg. Wichtig ist ihm jedoch, dass der «Pfarrberuf als solcher einheitlich» bleibt «trotz individueller Lösungen für die Ausbildung».
Steht das Projekt vor einem Scherbenhaufen? Davon will Thomas Schaufelberger, der Leiter von A+W, nichts wissen. Die Konkordatskirchen (alle Deutschschweizer Reformierten Kantonalkirchen ohne Bern) verfolgten einen Quereinstieg nun auf zwei Wegen weiter, sagt Schaufelberger. «Der Theologischen Fakultät Zürich, die ja an der Ausarbeitung massgeblich beteiligt war, geben wir den Ball zurück.» Sie solle mit der Basler Theologischen Fakultät einen Vorschlag machen, der auf Universitätsseite Unterstützung finde.
Andererseits wolle man auch eigene Wege verfolgen. «Das Konkordat kann sich vorstellen, einen Quereinstieg ganz von Kirchenseite aus anzubieten in Kooperation mit einem anderen universitären Partner», so Schaufelberger. Einen Sonderzug beim Quereinstieg fährt die Berner Kantonalkirche. Dort soll bereits im Herbst 2015 ein dreijähriger Sonderkurs für Quereinsteigende starten.



Zum Bild:
Stellt sich quer: Die Theologische Fakultät der Universität Zürich will das Projekt «Pfarrer-Quereinstieg» nicht umsetzen. | zuber

Barbara Helg/kim


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