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Der Schleier: Symbol oder Kleidungsstück?

01.01.2016
Der Schleier ist der westlichen Gesellschaft fremd geworden. Die Ausstellung «Schleier & Entschleierung» greift vielfältige Aspekte auf und möchte damit zum Nachdenken und zur Diskussion über die Ursprünge der Identität gebenden Symbole anregen.

Seit die Stimmberechtigten im Tessin Ja gesagt haben zu einem Burka-Verbot, steht das Thema in der ganzen Schweiz ganz weit oben auf der politischen Agenda. Soll muslimischen Frauen verboten werden, eine Burka, einen Niqab oder einfach ein Kopftuch zu tragen?
Die Ausstellung «Schleier & Entschleierung» liefert viele Fakten zum Beispiel, dass es ausgerechnet der christliche Apostel Paulus war, der den Frauen zum ersten Mal in der Geschichte aus religiösen Gründen einen Schleier aufzwang.

Differenziertes Hinsehen
Die Ausstellung erzählt Geschichten, zum Beispiel jene der Genfer Lehrerin, die das Kopftuch nach ihrer Konvertierung als Befreiung erlebte, als Befreiung vom Zwang, als Frau immer schön, jung und begehrenswert sein zu müssen. Als sich immer mehr Eltern dagegen wehrten, dass ihre Kinder von einer verschleierten Frau unterrichtet werden, verzichtete sie im Unterricht darauf, den Schleier zu tragen.
Kopftuch und Schleier sind längst ein Politikum geworden. Man ist pauschal dafür oder dagegen. Damit wird man aber der Vielfalt der Motive, einen Schleier zu tragen, nicht gerecht. Ein Blick in die Kulturgeschichte des Schleiers trägt zu mehr Gelassenheit bei. Den Schleier hat es von der Antike bis heute in verschiedenen Religionen und Kulturen in unterschiedlichsten Ausprägungen und mit unterschiedlichsten Begründungen immer gegeben.
Die Ausstellung «Schleier & Entschleierung» fördert das differenzierte Hinsehen. Sie erzählt in sieben Kapiteln die faszinierende Geschichte des Schleiers. Bis und mit dem Phänomen der verordneten Entschleierung der Bikini lässt grüssen. Ausstellung und Begleitprogramm laden ein, darüber nachzudenken und zu diskutieren, welchen Platz heute in der multikulturellen Gesellschaft Körper und Kleidung zugestanden werden. Nicht nur privat, sondern auch im öffentlichen Raum.
Antworten liefert die Ausstellung hingegen nicht. Inwiefern der Schleier die Frauen unterdrückt, diese Frage muss jede Besucherin und jeder Besucher für sich selbst beantworten.


Zum Bild:
Höflich: Bettina Wulff (Mitte), die Frau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, besucht auf einer Türkeireise die Blaue Moschee in Istanbul. | zVg

Franz Osswald


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