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Kirchen öffnen Türen für Flüchtlinge (2)

01.01.2016
Die Schweiz erwartet einen heissen Flüchtlings-Herbst. Aufgrund der Kriege im Nahen Osten ist die Zahl der Asylbewerber stark gestiegen. Einzelne Kirchgemeinden bieten ihre Hilfe bei der Unterbringung an.

Die Zahl der Flüchtlinge in der Schweiz steigt derzeit so stark wie seit Ende 2012 nicht mehr. Allein im Juni sind beim Bundesamt für Migration über 2100 Gesuche eingegangen. Kantone und Gemeinden sind aufgefordert, mehr Unterkünfte bereitzustellen. Wo aber sollen diese Menschen untergebracht werden? Einen möglichen Weg zeigt das Pilotprojekt «Private Unterbringung von Flüchtlingen», das die Schweizerische Flüchtlingshilfe lancierte. Bereits 150 Schweizer hätten sich bereit erklärt, Asylbewerber aus Syrien im eigenen Haus aufzunehmen. Die Idee ist nicht neu: Schon 1999 in der Balkankrise hatten Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien Unterkunft bei Privaten gefunden.

Positiv für beide Seiten
In manchen Kirchgemeinden stehen Liegenschaften leer und könnten einer Zwischennutzung durch Asylbewerber dienen. Einzelne Kirchgemeinden sind inzwischen aktiv geworden: Die Katholische Kirche Region Bern stellt seit Februar syrischen Flüchtlingen in der Stadt Bern eine Wohnung zur Verfügung. Eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie wohnt seither in diesem Haus.
Vom Oktober 2013 bis im Juli 2014 lebten auf Vermittlung der Caritas vier Parteien im leer stehenden Pfarrhaus der Reformierten Kirchgemeinde Buchs-Rohr im Aargau. Zusätzlich fand ein eritreischer Kinderhort dort Unterschlupf. Die Zwischennutzung erlebte Pfarrer Andreas Pauli als sehr positiv. «Die Flüchtlinge haben davon profitiert, dass sie uns als Referenz angeben durften. So fanden sie schneller eine Wohnung oder ein Praktikum. Statt eines leeren Hauses und keinen Einnahmen, war das Haus belebt und Miete wurde bezahlt.»
Auch in Luzern würde man eine solche Initiative einer Kirchgemeinde voll unterstützen, so Stefan Sägesser, Sprecher der reformiertem Kantonalkirche. Allerdings seien die Räumlichkeiten der Diasporagemeinden beschränkt, wie man seit einer Umfrage in den Gemeinden anlässlich der Asylbdebatte 2012 wisse.

Muslime im Sigristenhaus
In Basel stellt die Pfarrei Heiliggeist seit kurzem syrischen Flüchtlingen ihr seit zwei Jahren leer stehendes Sigristenhaus zur Verfügung. Statt daraus eine Renditeliegenschaft zu machen, wurden sich die Katholische Kirche Basel-Stadt und die kantonale Sozialhilfe innert kürzester Frist einig: Während der nächsten ein bis zwei Jahre soll das Haus Heimat einer syrischen Grossfamilie werden. «Die Familie ist bereits eingezogen», erklärt Thierry Moosbrugger, Sprecher von «katholisch bl.bs». Es handelt sich um Muslime, da die Mehrzahl der syrischen Flüchtlinge in der Schweiz nicht Christen sind. Aber, so Moosbrugger: «Christliche Solidarität urteilt nicht nach Religion.»


Zum Bild: Refugium für eine achtköpfige Flüchtlingsfamilie aus Syrien: Sigristenhaus der Katholischen Pfarrei Heiliggeist in Basel.|giger

Franz Osswald/mzb


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