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Heimwehbündner entdeckt das Mittelland

01.01.2016
Mitte August hat Synodalrat Ulrich Wilhelm Andy Jecklin in der Friedenskirche Olten ordiniert. Für den 38-Jährigen endete damit sein einjähriges Vikariat in Olten. Der Bündner bleibt im Kanton und übernimmt eine Pfarrstelle in Erlinsbach SO.

«Eine Ordination ist in einer kleinen Kantonalkirche wie der unsrigen etwas Besonderes», erklärte Verena Enzler, Synodalratspräsidentin der Reformierten Kirche Kanton Solothurn. Entsprechend gross war das Interesse am Gottesdienst, in dem Andy Jecklin ordiniert wurde. Mit dem Ordinationsversprechen beendet er seine Ausbildung zum Pfarrer. Jecklin absovierte sein Vikariatsjahr bei Pfarrer Uwe Kaiser in Olten.

Priesterweihe und Ordination
Die Ordination habe eine lange Tradition, erklärte Synodalrat Ulrich Wilhelm. Sie bedeute die Berufung in den kirchlichen Dienst. Die Ordination gehe zurück auf die alttestamentliche Stelle, in der Moses Aaron als Priester einsetzte.
Später wurden die Rabbiner und in der Katholischen Kirche die Priester so in ihr Amt berufen. Während bei den Katholiken die Weihe die Laien von den Klerikern trenne, seien in der Reformierten Kirche alle Gläubigen zum Priesteramt berufen.
«Trotzdem war es den Reformatoren bewusst, dass es auch in ihrer Kirche Menschen braucht, die über die entsprechende Pfarrerausbildung und Berufung verfügen.» Pfarrer oder Pfarrerin zu sein, sei eine grossartige Aufgabe, meinte Ulrich Wilhelm, auch wenn heute die Kirche im gesellschaftlichen Gegenwind stehe. «Die Ziele in der Gesellschaft lauten: Leistung und Geld. Eine Kirche, welche die Armen und Schwachen selig preist, steht dazu im Gegensatz.» Doch das sei schon immer so gewesen, so Ulrich Wilhelm.

Von Davos ins Unterland
Andy Jecklin-Lauper bringt einen grossen Rucksack an Lebenserfahrung und Ausbildung mit. Der 38-Jährige ist verheiratet und Vater von vier Kindern im Alter zwischen 9 und 14 Jahren. Seit fünf Jahren lebt die Familie in Schönenwerd. Doch sein warmer urchiger Dialekt verrät seine Bündner Herkunft. Bevor die Familie Jecklin ins Mittelland zog, lebte sie in Davos. Gerade wenn die Nebeldecke im Unterland besonders grau ist, vermisst der Heimwehbündner die Berge und den Wintersport. Andererseits schätzt er es, dass es hier vier Jahreszeiten gebe. In den Bergen erlebe man oftmals nur zwei Jahreszeiten: einen kurzen Sommer und den langen Winter, lacht Andy Jecklin.
Vor dem Theologiestudium hat Andy Jecklin als Sozialdiakon in der Kirchgemeinde Davos Platz gearbeitet. Die soziale Dimension der Kirche liegt ihm auch heute noch am Herzen. Für Jecklin ist es wichtig, dass die Kirche bei sozialen Problemen in der Gesellschaft aktiv werde.
Der Anstoss für Jecklins Theologiestudium war jedoch ein anderer: Andy Jecklin wollte sich vertieft mit dem Glauben auseinandersetzen und studierte Theologie in Basel und Fribourg. Jecklin fiel dieses Studium neben der sechsköpfigen Familie nicht immer leicht. Umso dankbarer ist er seiner Frau, die als Lehrerin arbeitet und ihn in diesem Vorhaben unterstützte.

Pfarrvertretung in Erlinsbach
Das Vikariatsjahr in Olten bei Pfarrer Uwe Kaiser war für Andy Jecklin eine grosse Bereicherung. Er erlebte die Kirchgemeinde als aufgeschlossen, offen und lebendig. Gerne erinnert er sich an die Seelsorge im Altersheim, die «ermutigende Gemeinschaft im Gemeindewochenende an Auffahrt und die aktive Konfirmandenklasse, welche die Gemeinschaft über die regulären Konfstunden hinaus suchte. So zum Beispiel entstand spontan «als erweiterte Familie» ein Ski-Weekend auf den Davoser Pisten, wohin zehn Jugendliche aus Olten ihn und seine Familie begleiteten», erzählt Andy Jecklin.
Nach seiner Ordination wird Andy Jecklin eine Pfarramts-Stellvertretung in Erlinsbach SO übernehmen, zunächst für ein Jahr. Er wird in Schönenwerd wohnhaft bleiben. Ihm und seiner Familie ist dies ein gros-ses Anliegen. Neben dieser 75-Prozent-Stelle wird er noch 20 Prozent als Betreuer im Jugendhaus Christhof/WG Treffpunkt in Trimbach arbeiten. Er könne so sein sozialdiakonisches Denken praktisch einbringen, erklärt er.
Verbunden bleiben wird Andy Jecklin mit dem Theologisch-Diakonischen Seminar in Aarau, das er selbst vor 16 Jahren als prägende Ausbildungsstätte erlebt hat. Neu wird er dort Religionskunde im Kleinstpensum unterrichten.


Zum Bild: Synodalrat Ulrich Wilhelm (links) gratuliert Andy Jecklin zur Ordination in der Friedenskirche Olten.|zuber

Tilmann Zuber


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