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Hamlet oder Volk vor Recht

01.01.2016
Kommentar von Frank Osswald.

Unglaubliches hat sich am «Theater Basel» zugetragen. Es läuft die Premiere von «Hamlet», gespielt vom «Jungen Schauspiel».
Prinz Hamlet rächt in der Ur­version den Mord an seinem Vater die Folge sind acht Leichen. Doch an diesem Abend läufts anders. Jede Mordszene wird erneut unter der Fragestellung gespielt, ob ein Handeln ohne Morden möglich wäre. Es wäre. Und Claudius, der Königsmörder, wird verurteilt. Würde! Denn das «Volk» wird befragt, ob es lieber den Hamlet ohne Mord und Totschlag zu Ende sehen möchte oder die Urversion.
34. So viele Hände erheben sich zögerlich, die ein Theaterstück mit Vergebung statt Rache und den Schuldspruch eines (fremden?) Richters bevorzugen. Die grosse Mehrheit fordert Mord und Totschlag die Urversion. Unglaublich! Und weil ja noch alle Protagonisten am Leben sind, geht das Morden auf Geheiss des Volkes vonstatten. Das Publikum hat sich fürs «Nichtsein» entschieden und wohnt den «Hinrichtungen» teilnahmslos bei. Ich bin schockiert! ­
Da ist nicht nur im Staate Dänemark etwas faul.
Hier spricht aus dem zum Volk erkorenen Publikum jener in unserem Lande herrschende Abergeist, der immer dann, wenn etwas geändert werden soll, ruft: Aber! Das haben wir früher anders gemacht mit der Neutralität, der Freiheit, der Einwanderung, den Gold­reserven . . . Dieser Abergeist ist den Kirchen nicht fremd. Auch sie bewegen sich zwischen Tradition und Erneuerung. ABER: Ihr übergeordnetes Prinzip, das Liebes­gebot, kann vom Volk nicht ausser Kraft gesetzt werden. Besuchen Sie Hamlet und stimmen Sie fürs «Sein». Denn: Veränderung beginnt im Kleinen, beim Einzelnen.

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