Logo

Unterricht beugt Fundamentalismus vor (2)

01.01.2016
Der Luzerner Regierungsrat will das Fach «Religionen und Ethik» im Kurzzeitgymnasium streichen. Gerade weil es im Unterricht nicht nur um die eigene Religion geht, fordern die Kirchen die Fortführung.

Religiöser Fanatismus ist heute für jeden Computernutzer nur einen Mausklick weit entfernt. So wirbt die Terrorgruppe Islamischer Staat auch in der Schweiz über das Internet um jugendliche Sympathisanten. Um sich vor der Propaganda zu schützen, hilft vor allem eines: Aufklärung.
Ein Schulfach, in dem aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie religiöse Radikalisierung zum Lehrplan gehören, ist «Religionskunde und Ethik». Doch ausgerechnet hier will die Luzerner Regierung jetzt den Sparhebel ansetzen. «Wenn der Plan durchkommt, weiss künftig ein Sek-Schüler mehr über Religion und Ethik als ein Langzeit-Gymnasiast», erklärt Yvonne Lehmann, reformierte Synodalrätin mit Ressort «Unterricht».

Sparen am falschen Ort
Das konfessionsneutrale Fach wird von Sparmassnahmen nicht zum ersten Mal getroffen. Von ehemals zehn Jahreslektionen bis zur Matura blieben seit 1990 nur fünf übrig. Davon sollen nun die zwei Jahreslektionen für die 3. bis 5. Gymiklassen ebenfalls gestrichen werden. Die Streichung würde den Staatshaushalt jährlich um 0,5 Millionen Franken entlasten. «Wir sind erschrocken, dass man ausgerechnet an diesem Fach sparen will. In Zeiten von wachsendem religiösen Fundamentalismus ist es doch wichtig, dass die Jugendlichen gut informiert sind», so Lehmann.
Im gleichen Aufgaben- und Finanzplan, in dem die Sparmassnahme angekündigt wird, konstatiert der Kanton die «fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft», die sich in der «Pluralität von Mentalitäten, Werten und Religionen» zeige. Genau hier könne der Unterricht den Schülern Kompetenzen vermitteln, wie man unterschiedliche Weltanschauungen zu einem konstruktiven Miteinander führt, argumentiert Marie-Luise Blum, reformierte Synodalrätin und Religionslehrerin an der Kantonsschule Beromünster. Gemeinsam haben die drei Landeskirchen darum einen Protestbrief an den Kantonsrat geschickt. Zudem verabschiedeten die Synoden entsprechende Resolutionen.
Neben den Kirchen setzen sich auch die meisten Parteien sowie Lehrer und Schüler für das Fach ein. Über 10 000 Unterschriften wurden gegen die geplante Streichung gesammelt. Der Kantonsrat wird das Sparpaket Anfang Dezember beraten.



Zum Bild: Einblick in andere Glaubenswelten: Kantonsschülerinnen informieren sich im Rahmen des Fachs «Religionen und Ethik» auch über den Islam. | zvg

Annette Meyer zu Bargholz


ÄHNLICHE ARTIKEL