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Rühren, rühren und nochmals rühren

01.01.2016
Bierbrauen in der Kirchgemeinde? In Breitenbach bietet­ der Pfarrer Kurse an, die in die Kunst des Bier-brauens einführen. Für Stéphane Barth ist das Schroten und Kochen von Malz und Hopfen ein Stück Seelsorge.

Ein süsslicher Geruch liegt in der Luft des kleinen Jugendraums der Kirchgemeinde von Breitenbach. Fünf Männer stehen um die grossen Läuterbottiche, Töpfe und Säcke mit Malz, Weizen und Hopfen. Noch etwas unsicher, die Hände tief in der Hosentasche vergraben.
Ziel des Abends ist es, die Männer in die Braukunst des Hopfensaftes einzuweisen. Pfarrer Stéphane Barth hält zunächst einen kurzen historischen Rückblick in die Geschichte des Biers: Angefangen bei den Ägyptern, die Brot in Wasser vergären liessen, über die Römer zu den Kelten und Germanen.
Im Mittelalter brauten die Klöster das Getränk, das gesünder und nahrhafter war als das meist mit Keimen verdorbene Wasser. Deshalb gab man den Kindern oftmals Bier zu kosten. Im letzten Jahrhundert übernahmen Grossbrauereien weltweit die Herstellung. Doch in den letzten Jahren entstanden da und dort kleine private Brauereien, die sich auf Spezialitäten konzentrieren. Bier gibt es heute in unzähligen Variationen. Und wer es mag und daran glaubt, braut es bei Vollmond.
Nach der grauen Theorie kümmern sich die Männer um die Rohstoffe. Sie schroten das Malz mit der Mühle, vermischen es mit Wasser und erhitzen das Ganze. Immer wieder taucht das Thermometer in die Brühe und kontrolliert die Hitze. Zur gleichen Zeit wird die Hefe angesetzt. Bier zu brauen, brauche Zeit und Geduld, erklärt Stéphane Barth. «Was lange gärt, wird endlich gut», witzelt der Pfarrer. «Ansonsten ist Hopfen und Malz verloren.»

Gott und die Welt und der FC Basel
Die Hobbybrauer nutzen die Zeit des Wartens und Rührens und diskutieren über das beste Bier, die Braukunst, Gott und die Welt und über den FC Basel, der am nächsten Abend gegen
Real Madrid antritt. Dazu stossen sie mit einem portugiesischen Bier an. Im warmen Jugendkeller tut der kühle Schluck gut.
Die Idee zu diesem Kurs ist Pfarrer Stéphane Barth in einer Weiterbildung gekommen. «Männerseelsor­ge geschehe beiläufig», lehrte man dort die Kursteilnehmenden. Das starke Geschlecht sei durchaus bereit, sich zu öffnen und sich auszutauschen, meint Barth. Nur brauchten die Männer einen Anlass und eine Beschäftigung, die sie interessiert und herausfordert.
Vor kurzem veranstaltete der Pfarrer deshalb einen Kurs, in dem er mit den Teilnehmenden Met herstellte. Stolz zeigt Stéphane Barth die abgefüllten Flaschen mit den Etiketten, welche die Schwedenschanze zeigen. Die Schweden, die im 30-jährigen Krieg durch das Lüsseltal zogen, seien ja mit den Germanen verwandt, so der Pfarrer. Dann wird es plötzlich hektisch: Der Geruch in der Luft verrät, das etwas anbrennt. Stéphane Bart fährt auf, greift zum grossen Löffel und rührt energisch im Topf. Das Bier kann gerettet werden. Allgemeines Aufatmen. «Rühren ist Pflicht», grinst der Pfarrer.
Nach der mehrwöchigen Gärung kann jeder 2 Liter des Weizensafts mitnehmen. Selbst gebraut schmeckt er sicher am besten, sind die Kursteilnehmer überzeugt.


Zum Bild: Pfarrer Stéphane Barth (links) in der fröhlichen Männerrunde: «Was lange gärt, wird endlich gut.» | zuber

Tilmann Zuber


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