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«Wir dürfen die Universalität der Menschenrechte nicht aufgeben»

01.01.2016
Der Menschenrechtstag mit dem Autor Pedro Lenz hat besonders viele Teilnehmende angezogen. Mehr als 150 Leute zogen in Olten in einem Fackelzug von der Stadt- zur Pauluskirche.

Selten war der Menschenrechtstag aktueller als in diesem Jahr. Brutale Massenhinrichtungen in Syrien, die Veröffentlichung des CIA-Folterberichts, der die Öffentlichkeit schockiert. Und in der Schweiz bereitet man eine Initiative gegen die Menschenrechtskonvention vor. Mit einem Fackelumzug durch Olten und einer Lesung von Pedro Lenz gedachten rund 150 Teilnehmende der Opfer von Folter, Verfolgung und Inhaftierung.
Dazu aufgerufen hatten Amnesty International, die Aktion Christen gegen Folter Acat und die Offene Kirche Region Olten. Diana Rüegg, Vorstandsmitglied von Amnesty Schweiz, erinnerte daran, dass weltweit zurzeit 50 Millionen Menschen auf der Flucht seien. Neunzig Prozent dieser Flüchtlinge lebten in einem Entwicklungsland. Diana Rüegg forderte, Europa dürfe sich deshalb nicht länger abschotten. Sie prangerte auch die ständige Verschärfung im Schweizer Asylbereich an. Das sei der falsche Weg. Statt die Grenzen zu schliessen und auf Härte zu setzen, sei es nötig, die Situation in den Heimatländern der Flüchtlinge zu verbessern.
Angesicht des Minarett-Verbots, der Ausschaffungsinitiative und den Angriffen auf die Menschenrechtskonvention stünden die Menschenrechte auch in der Schweiz unter Druck, meint Diana Rüegg. Wir dürften jedoch den Glauben an die Universalität der Menschenrechte nicht verlieren.
Nach den Ansprachen vor der Stadtkirche zog die Kundgebung quer durch Olten zur Pauluskirche. Die Stadtpolizei sorgte dafür, dass die Teilnehmenden heil durch den Feierabendverkehr kamen.

«Wir sind nicht besser als andere Länder»
Für Pedro Lenz hat die Lesung am Menschenrechtstag eine besondere Bedeutung. Gerade wenn man die Forderung höre, dass die Schweiz die Menschenrechtskonvention nicht länger mittragen sollte. Und die Volksmeinung wichtiger sei als internationalen Konventionen, erklärt der Erfolgsautor. «Wir sind nicht besser als andere Länder. Auch wir verletzen in unserem Land manchmal die Menschenrechte.» Für Pedro Lenz ist es «verrückt» zu glauben, die ganze Welt sollte sich an die Menschenrechte halten und nur die Schweiz brauchte dies nicht.
Lenz Mundart-Romane und Geschichten finden grossen Anklang. Vor kurzem wurde sein Roman «Der Goalie bin ig», bei dem der Oltner das Drehbuch mitschrieb, verfilmt. Das Buch und der gleichnamige Film wurden mehrfach ausgezeichnet.
An der Lesung in der Pauluskirche begeisterte Pedro Lenz die Besucherinnen und Besucher mit seinen Kurzgeschichten, die er in breitem Berndeutsch vortrug. Gerade als Autor ist ihm das Recht auf freie Meinungsäusserung wichtig. Bei uns sei diese mehr oder weniger gewährleistet. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es nicht weit weg von hier Presse- und Bücherzensur gebe.
Pedro Lenz ist die Menschenwürde und das Zusammenleben ein Anliegen. Ihn beunruhigt es, dass die Schere zwischen Arm und Reich ständig weiter auseinandergeht und Sozialhilfeempfänger systematisch verunglimpft werden. «Zeitweise glich dies einer unsäglichen Kampagne», erklärt Lenz. Man prangert den Missbrauch der Sozialhilfe an, während man die Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt akzeptiert. «Nachsichtig werden diese millionenschweren Vergehen als Steueroptimierung hingenommen, während die Verachtung der Armen permanent zunimmt und man sie als Sozialschmarotzer beschimpft.»


Zum Bild: Mit Fackeln und Banner durch Olten: Menschenrechtstag vom 10. Dezember. |zuber

Tilmann Zuber


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