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Der Fluch der Sojabohne

01.01.2016
Mit dem Film «Vom Fluch der Soja» der Schenkoner Dokumentarfilmer Josef und Lotti Stöckli wird die Ökumenische Kampagne 2015 in Luzern eröffnet. Sie zeigt auf, was der Fleischkonsum in der Schweiz mit Klimawandel und Armut in Entwicklungsländern zu tun hat.

Soja, Soja so weit das Auge reicht: Aber kein Baum, keine Blume, kein Vogel, kein Bach. Der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso, 50-mal grösser als die Schweiz, gehört zu einem der artenreichsten Savannengebiete weltweit. Doch heute sind 70 Prozent der Fläche abgeholzt für den Anbau von Soja und Mais.
Es sind deprimierende Bilder, die der Dokumentarfilm «Der Fluch der Soja» zeigt, mit dem die Ökumenische Kampagne am 27. Februar in Luzern eröffnet wird. Er thematisiert den schwierigen Alltag der Bäuerinnen und Bauern und die ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen der Soja-Monokulturen.
Das Dokumentarfilmer-Ehepaar Lotti und Josef Stöckli aus dem luzernischen Schenkon filmt seit über 40 Jahren in Südamerika. Für ihren aktuellen Film begleiteten sie eine Gruppe von Bio-Kleinbauern, die inmitten von riesigen Soja-Plantagen zu überleben versuchen. «Ihr Alltag ist denkbar schwierig, denn die dort verwendeten Pflanzenschutzmittel machen ihnen den Anbau von Gemüse und Salat zunichte», so Josef Stöckli. Der grossflächige Einsatz von Pflanzengift habe auch Folgen für die Gesundheit: So seien Krebs, Nervenkrankheiten, Missbildungen und Lähmungen in den Soja-Anbaugebieten viel verbreiteter als in Regionen, wo keine Pestizide versprüht werden.

Konsumenten tragen Mitschuld
«Auch wenn Brasilien fern ist, die Problematik betrifft uns hier unmittelbar», erklärt der Dokumentarfilmer, der lange Jahre als Lehrer in Südamerika tätig war. Hühner und andere Masttiere in der Schweiz werden häufig mit Kraftfutter wie Soja gefüttert. «Unsere Tiere fressen den Kleinbauernfamilien in den Entwicklungsländern buchstäblich die Lebensgrundlagen weg.» Die Fleischproduktion, einschliesslich Futtermittelanbau, beanspruche heute drei Viertel der weltweiten Agrarflächen. Soja wachse in Brasilien und anderen Ländern des Südens in Monokulturen. Für diese wurden Wälder und Savannen gerodet und Kleinbauernfamilien verlieren ihre Felder.
Arbeitsplätze gehen verloren
Der Soja-Anbau ist für die brasilianischen Kleinbauern auch keine Arbeitsplatz-Alternative, betont der Dokumentarfilmer. Die Produktion sei vollmechanisiert. 500 Hektar werden von einem Arbeiter bewirtschaftet. Neue Arbeitsplätze gebe es nur dann, wenn eine neue Plantage entstehe, für die wiederum Kleinbauern, die seit Generationen in diesem Gebiet leben, ihren Hof aufgeben müssen.
«Für einen einzigen neuen Arbeitsplatz im Soja-Anbau müssen etwa zehn Familien ihre Existenz aufgeben», so der Dokumentarfilmer. «Der Soja-Anbau schafft nicht nur keine Arbeitsplätze, im Gegenteil, er führt zu Arbeitslosigkeit und Armut», betont Stöckli.
Doch was können Herr und Frau Schweizer dagegen tun? «Weil 95 Prozent vom importierten Soja in die Fütterung unserer Nutztiere gehen, wäre es von Vorteil, wenn wir Konsumenten weniger Fleisch essen würden», so Stöckli. Auch gebe es als Alternative Fleisch von Nutztieren, die kein Soja gefressen haben, zum Beispiel Natura-Beef.

In christlicher Tradition
Mit verschiedensten Aktionen und Petitionen will auch die Ökumenische Kampagne 2015 auf den direkten Zusammenhang zwischen unserem Einkaufs- und Essverhalten in der Schweiz und der Lage in den Entwicklungsländern aufmerksam machen. «Brot für alle», «Fastenopfer» und «Partner sein» rufen zu einem nachhaltigen Umgang mit der Nahrung auf und wollen die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeit sensibilisieren, dass weltweit rund eine Milliarde Menschen an Hunger leidet. «Die Schweiz importiert jedes Jahr rund 250'000 Tonnen Soja aus Brasilien. Das macht uns alle zu Mitverantwortlichen, wenn Hunger und Armut dort zunehmen», erklärt Stöckli.


Zum Bild: Sojapflanzen bis zum Horizont: Manche Plantagen in Brasilien sind zwischen 50'000 und 100'000 Hektar gross. Arbeitsplätze gibt es dort dennoch nur sehr wenige. | zvg

Annette Meyer zu Bargholz

Links:
www.sehen-und-handeln.ch


«Weniger für uns. Genug für alle»Eröffnung Ökumenische Kampagne in Luzern. «Weniger für uns. Genug für alle» Film-Mahl-Zeit am Freitag, 27. Februar, 1822 Uhr, Zentrum Der MaiHof, Luzern. Filmpremiere «Vom Fluch der Soja», anschliessend klimaverträgliches Fünf-Gänge-Menü, das zwischen den Gängen mit Inputs, unter anderem von Josef und Lotti Stöckli und musikalischen Darbietungen bereichert wird. Vorverkauf unter: www.ticketino.ch, 0900 441 441 und bei allen Poststellen und dem NLZ-Vorverkauf, Pilatusstr. 12, Luzern.


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