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Auf der Suche nach «meinem Olten»

01.01.2016
Olten bietet Zugezogenen ein neues Zuhause. In der «Woche der Begegnung» stellt das Kulturzentrum Cultibo die Frage nach der Heimat. Mit dabei die Kirche.

Es liegt in der Mitte auf dem Weg zwischen der Friedenskirche und dem Bahnhof Olten: Das Cultibo. Grosse Schaufenster laden zum Eintreten ein. Drinnen sitzen die Besucher in der Cafeteria und tauschen sich aus. Kinder wuseln über den Boden. Eine Studentin erkundigt sich nach der interkulturellen Bibliothek. Diese sei neu im Gebäude um die Ecke untergebracht, erklärt Timna Tal, Leiterin des Begegnungszentrums.
Timna Tal hat ihre Stelle vor bald einem Jahr angetreten. Aufgewachsen in Zürich, hat sie dort Psychologie studiert. Nach dem Abschluss zog es sie nach Berlin, wo sie in einem
Kinder-, Jugend- und Kizzentrum arbeitete. In der Spreestadt war es schwieriger, die Leute zu erreichen. Die Jugendlichen und Kinder waren oftmals vernachlässigt, erzählt sie. Nach acht Jahren kehrte sie in die Schweiz zurück und fand die Stelle im Cultibo. «Ein Glücksfall», wie die 34-Jährige erklärt.

Die halbe Welt zu Gast
Das Angebot des Zentrums reicht vom Konversationskurs, Eltern-Kind-Musizieren bis hin zum Nähatelier. Zu den Veranstaltungen können die Mütter und Väter ihre Kinder mitbringen, entsprechend lebhaft geht es zu. Regelmässig findet der «Quartierzmittag» statt und die Besucher treffen sich in der Cafeteria.
Im Cultibo kommt die halbe Welt zusammen: Die Besucher stammten aus Tibet, der Türkei, Sri Lanka, Indien, Japan, Deutschland, Holland, Spanien, Südamerika und der Schweiz, zählt Timna Tal einige der Herkunftsländer auf. Viele kämen aus der Nachbarschaft. Der Kontakt sei herzlich. Eine Mutter bringe bewusst ihre Kinder mit, damit diese lernen, die Vielfalt und Gemeinschaft zu schätzen. Der Kontakt baue Vorurteile ab und verhindere, dass sich Klischees zementieren. Timna Tal kann sich trotz Spardruck der öffentlichen Kassen eine Stadt ohne Kultur- und Begegnungsorte kaum vorstellen.

Woche der Begegnung
Das Zentrum will mehr sein als ein Quartiertreff in Olten. Davon zeugt das ambitionierte Programm der «Woche der Begegnung», die Ende Februar und Anfang März stattfindet. Die Veranstaltungen gehen der Frage der eigenen Identität und der Heimat nach.
Den Auftakt bildet der berührende Film «Neuland» über eine Integrationsklasse in Basel. Zwei Ausstellungen bringen die Aarestadt näher: «Mein Olten» der Psychologiestudentin Christiane Greutzburg porträtiert Menschen aus Olten. Ein Besuch im Kunstmuseum setzt sich mit der Vorstellung der Heimat auseinander und zeigt, wie heimische Kulturschaffende die Dreitannenstadt darstellen. Daneben bietet die Begegnungswoche viel Kulinarisches, Musikalisches und Theater. Die Kirche beteiligt sich an der Woche: In «Zwischentöne» stellt Sandra Rupp Fischer, Leiterin des
St. Marienchors, den interreligiösen Marienchor vor. Und Amit Sharma führt in das Mantrasingen ein.


Zum Bild: Timna Tal vor dem Cultibo: «Eine Stadt braucht Kultur- und Begegnungsorte.» | tz

Tilmann Zuber

Links:
www.cultibo.ch


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