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«Der Funke sprang über»

01.01.2016
Evangelische Zuwanderer aus der ganzen Welt leben ihren Glauben auch in der Region Basel. Der Austausch der Migrationsgemeinden mit den landeskirchlichen entwickelt sich zögerlich. Doch zwischen Lausen und den «Forward In Faith Ministries» funkte es.

In der «praise and worship»-Feier der Migrationsgemeinde «Forward In Faith Ministries» geht es temperamentvoll zu und her, leidenschaftlich und lebhaft ganz anders als im klassischen reformierten Gottesdienst. Das inspirierte vor zwei Jahren die reformierte Kirchgemeinde Lausen. Sie lud die englischsprachige «Faith In Forward»-Gemeinde ein, viermal pro Jahr in ihrer Kirche einen Gottesdienst abzuhalten. Seither finden auch viele Einheimische den Weg zum «African Worship» im Oberbaselbieter Dorf. Sie geniessen die besondere Stimmung oder finden gar eine spirituelle Heimat.

Landeskirchlich trifft charismatisch
Die ungewöhnliche Partnerschaft fädelte Christoph Ramstein ein, damals Pfarrer in Lausen. Anstatt am Missionssonntag wie gewöhnlich Vertreter von Migrationskirchen zu einem Vortrag einzuladen, organisierte er auf den 1. Dezember 2013 einen Gottesdienst, den seine Gemeinde und «Forward In Faith» gemeinsam bestritten, mit einem landeskirchlich modernen und einem charismatischen Teil. «Wir waren neugierig, wie andere ihre Beziehung zu Gott ausdrücken. Alle Teilnehmenden waren begeistert von der Vielfalt, die sie erlebten, und den persönlichen Begegnungen. Der Funke sprang über», erinnert sich Pfarrer Hardy Meyer. Daraus entstand die Idee, regelmässig in der Region einen englischsprachigen charismatischen Gottesdienst anzubieten.
Die Zusammenarbeit begeistert Pastor Daniel Gwandiwa von den «Forward In Faith Ministries». In Lausen gehe man offen aufeinander zu. Es sei wundervoll, das Erlebnis im Gottesdienst mit der Lausner Gemeinde zu teilen. Es erfülle ihn mit «joy and satisfaction», Freude und Zufriedenheit.
Daniel Frei, der das Pfarramt für weltweite Kirche leitet, betreut die Migrationsgemeinden in der Region Basel, so auch die kleine «Forward In Faith»-Gemeinde. Zurzeit gehören ihr 17 bis 20 Personen an, Expats und ihre Familien aus verschiedenen Nationen wie Zimbabwe, Südafrika und Bangladesch. «Forward In Faith» existiert seit über 50 Jahren und ist in mehr als hundert Ländern präsent. Der Basler Ableger der internationalen Bewegung besteht seit knapp fünf Jahren.
Im Gegensatz zu den traditionellen Migrationskirchen wie der Eglise française réformée oder der Chiesa evangelica italiana seien die jungen Migrationsgemeinden aus Afrika und Asien bei uns oft wenig integriert, sagt Daniel Frei. Die Mehrheit gehöre «dem evangelikalen oder pfingstlich-charismatischen Umfeld» an.

Wachsende Glaubensfamilie
In der Region Basel haben sich rund 50 Migrationsgemeinden niedergelassen. Doch die Öffentlichkeit nehme die evangelischen Migrationsgemeinden kaum wahr, meint Daniel Frei: «Die katholische Kirche ist gewachsen durch Mitglieder, die aus Südeuropa zugezogen sind. Dass wir Reformierte eine ähnliche Entwicklung erleben könnten, ist uns bislang entgangen.» Dabei zählten sich viele Zuwanderer aus Ländern ausserhalb Europas «zur grossen und ständig wachsenden evangelischen Glaubensfamilie». Sie pflegten aber ganz andere Frömmigkeitsstile. Die charismatisch geprägten Gemeinschaften wie zum Beispiel «Forward In Faith» wachsen am schnellsten, erklärt Frei: «Sie legen im Gottesdienst grossen Wert auf den Ausdruck von Gefühlen. Sie glauben daran, dass Gott unmittelbar wirken, heilen und helfen kann.» Den heutigen Reformierten sei das eher fremd.
Das war nicht immer so, weiss der Pfarrer. «In unserer eigenen reformierten Tradition findet sich dieses Glaubensverständnis im Pietismus des 18. Jahrhunderts und weiteren Erweckungsbewegungen.»



Gottesdienst: «Forward In Faith Ministries», Sonntag, 10. Mai, 1416 Uhr, reformierte Kirche Lausen, der englische Gottesdienst wird übersetzt, anschliessend Austausch beim Apéro, Infos: Pfarramt für weltweite Kirche, Tel. 061 260 22 47, weltweite.kirche@refbl.ch


Zum Bild: Die Kirchgemeinde Lausen (vorne: Pfarrer Christoph Ramstein) und die afrikanische Migrationsgemeinde «Forward In Faith» feiern 2013 gemeinsam Gottesdienst der Anfang einer fruchtbaren Partnerschaft.

Karin Müller


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