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Auffahrtswanderung der Bibelgesellschaft Flüchtlinge brachten neue Impulse für die Wirtschaft

01.01.2016
Die Auffahrtswanderung der Bibelgesellschaft wandelt auf historischen Spuren. Sie folgt in diesem Jahr den Spuren der Hugenotten, die im 16. und 17. Jahrhundert in die Eidgenossenschaft flüchteten.

Nachdem der französische König Ludwig XIV im Jahr 1685 den Katholizismus zur Staatsreligion und alle Reformierten zu Ketzern erklärt, kommt es landesweit zu Zwangsbekehrungen und Schikanen gegen die Reformierten. Der Protestantismus soll ausgerottet werden. Jetzt gibt es für Jacques Friquet, Sattler und Maultiertreiber aus dem Städtchen St. Hyppolyte-du-fort in den südfranzösischen Cevennen, und seine Familie nur eines. Sie wollen weg. Ihr Ziel ist Genf, die Stadt ihres Reformators Johannes Calvin. Tausende tun es ihnen gleich. Die Flucht ist gefährlich. Jederzeit können die Flüchtlinge verraten werden; dann droht ihnen der Kerker oder ein Leben in Ketten als Ruderer auf den Galeeren. Rund 300 000 Hugenotten verlassen in dieser Zeit der Verfolgung Frankreich.
An Auffahrt lädt die Bibelgesellschaft AG-SO die Schwester-Bibelgesellschaften aus Basel-Stadt und dem Baselbiet zur Wanderung auf dem Hugenottenweg im Aargau ein. Das Motto lautet «Selig sind die Armen im Geist ihnen gehört das Himmelreich». Nach dem Gottesdienst in Staufberg startet die Gruppe. Auf den Halts wird ein zur Geschichte der Hugenotten und Gegend passender Bibelvers vorgelesen. Regine Langarde von der Eglise française, die den Aufbau des Hugenottenweges begleitet hat, wird über die Hugenotten im Aargau informieren und den Weg vorstellen.
Die Auffahrtswanderung der Bibelgesellschaft findet bereits zum neunten Mal im Rahmen der Zusammenarbeit in der Bibelgesellschaft der Nordwestschweiz statt. Das Besondere an diesem Angebot ist, dass man «in ungewohnter Umgebung Bibeltexte anhört und erfährt, wie Ort und Text sich interpretieren», erklärt Jürg Hochuli, Bereichsleiter Bildung und Gesellschaft der Aargauer Kirche. In diesem Jahr kommt hinzu, dass man sich auf historische Spuren begibt.
Grosser Bogen um Solothurn
und Olten
Von Genf aus reisen die Glaubensflüchtlinge über Bern weiter in den Osten. Um die katholischen Städte Solothurn und Olten machen die Protestanten einen grossen Bogen. 1687 kommt es zur Katastrophe, als betrunkene Schiffsleute eine Barke mit 137 Flüchtlinge auf der Aare zwischen Aarberg und Lyss auf eine Kiesbank steuern. Das Schiff kentert und 111 Menschen ertrinken.
Die reformierten Kantone sehen sich in der Pflicht, ihre Glaubensbrüder zu unterstützen. Angesichts des grossen Flüchtlingsstromes legen die Kantone Aufnahmequoten fest. Die Stadt Bern beherbergte Ende 1685 bei rund 8000 Einwohnern 1614 Flüchtlinge. In Schaffhausen sorgten die 5000 Einwohner gar für 9000 Flüchtlinge. Die Solidarität kennt jedoch auch Grenzen. Der Staat sträubt sich teils gegen eine dauerhafte Ansiedelung, denn viele Einheimische leben am Rande des Existenzminimums.
Die Flüchtlingswelle ist für die Schweizer Wirtschaft und Kultur ein Segen. Die Hugenotten sind geübte Handwerker und hinterfragen mit kritischem Geist Althergebrachtes. Sie helfen mit, das wirtschaftliche Fundament für die moderne Schweiz zu legen. Arbeitsbewilligungen sind an die Bedingung geknüpft, einheimische Arbeiter «zuschauwen lassen sollen».
So kommt es zur Gründung von Seidenmanufakturen und dem Anbau von Maulbeerbäumen. In Genf blüht unter dem Einfluss der hugenottischen Flüchtlinge die Uhrmacherkunst auf. Die Bieler Uhrenmarke Huguenot ist heute eine Reminiszenz an die Uhrmacherkunst der Flüchtlinge.


Auffahrts-Bibelwanderung, Donnerstag, 14. Mai, Gottesdienst auf dem Staufberg, 10 Uhr, Lenzburgerstrasse 9, 5503 Schafisheim, Start der Bibelwanderung, 11.30 Uhr, die Kirche auf dem Staufenberg ist nur zu Fuss in 45 Minuten erreichbar. Autos können beim Bahnhof Lenzburg parkiert werden, Mitnahme: gutes Schuhwerk und Verpflegung im Rucksack

Zum Bild: Am Hugenottenweg: Museum Burghalde in Lenzburg.

Philippe Welti

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Weitere Informationen: Bibelgesellschaft


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