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Flüchtlingsdrama Kirchen ergreifen die Initiative

01.01.2016
Die Bilder des Flüchtlingstrecks, der sich durch Europa wälzt, bewegen. Mehr und mehr Kantonalkirchen rufen ihre Kirchgemeinden auf, geeignete Räumlichkeiten zu suchen und sich in die Flüchtlingsdebatte einzuschalten.

Das Flüchtlingsdrama, das sich in Ost- und Südeuropa abspielt, erschüttert die Menschen. Auch die reformierten Kirchen zeigen sich betroffen. Kirchgemeinden und Kantonalkirchen spenden Geld und rufen dazu auf, Unterkünfte für die Flüchtlinge bereit zu machen .
In Schaffhausen hat die Zahl der Asylsuchenden stark zugenommen. Das kantonale Sozialamt sei deshalb an die Kirchen mit der Anfrage nach privaten Unterkunftsmöglichkeiten gelangt, erklärt Kirchenrätin Marcelina Zürcher. Der Kirchenrat ruft nun die Gemeinden auf, freie Räume für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Der Kanton organisiere und begleite dann die Unterbringung, erklärt Andi Kunz vom Kantonalen Sozialamt. Der Kirchenrat übernimmt mit 10 000 Franken die Überstunden, die dieses Jahr bei der Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht zusätzlich angefallen sind.
Auch in Basel stehe man mit dem Kanton in Kontakt wegen kirchlicher Liegenschaften, die allenfalls als Notunterkünfte von Flüchtlingen dienen könnten, erklärt Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der Reformierten Kirche Basel-Stadt. Von der Entwicklung sei man nicht überrascht, meint Lukas Kundert. Seit Jahrzehnten engagiere sich die Kirche im Asylbereich und wolle diese Arbeit in dieser Situation weiterführen. Kundert verweist auf Institutionen wie den Ökumenischen Seelsorgedienst für Asylsuchende an der Grenze zu Deutschland. Weiter unterstützten die Kirchen die Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende sowie die Integrationshilfe des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen und biete im Ausschaffungsgefängnis Seelsorge an.

«Wir müssen sie aufnehmen, eine Alternative gibt es nicht»
Das Flüchtlingsdrama war auch Thema an der Synode in Oensingen. Mit einer Resolution greift die Synode der Reformierten Kirche Kanton Solothurn in die Flüchtlingsdebatte ein. Sie ist überzeugt: «Das Boot ist längst nicht voll.» Konkret bittet die Synode «die Kirchgemeinden und die einzelnen Kirchenmitglieder, sich aktiv zu engagieren und für eine grosszügige Aufnahme einzustehen».
Der Trimbacher Synodale Johannes Steiger, der die Resolution mitverfasste, erklärt, dass man in einem vom Krieg zerrissenen und verwüsteten Land wie Syrien mit Geld nichts mehr ausrichten könne. Es sei logisch, dass die Menschen nach Europa und in die Schweiz flüchteten. «Wir müssen sie aufnehmen, eine Alternative gibt es nicht», betont Steiger.
Mittlerweile wehrten sich nicht nur Parteien gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, sondern auch Regierungsräte, meint Johannes Steiger. Dieser Entwicklung tritt die Synode entgegen. «Die Kirche ist Teil der öffentlichen Meinung. Wenn diese eine problematische Richtung einschlägt, ist es unser Auftrag, dagegen Stellung zu beziehen», so Steiger.

Zum Bild: Erste Betreuung: Flüchtlinge beim Ökumenischen Seelsorgedienst an der Grenze zu Deutschland.

Müller, Zuber, Schneider

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