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Back To The Roots

01.01.2016
Anlässlich des kommenden Reformationsjubiläums stellte die Evangelische Kirche Deutschland die neue Lutherübersetzung vor. Statt auf Modernisierung setzt sie wieder auf Luthers Worte.

Zurück zu den Wurzeln: Nach fünfjähriger Arbeit haben Theologen und Sprachwissenschafter Mitte September eine neue Fassung der Lutherbibel vorgelegt. Symbolträchtig geschah dieser Akt auf der Wartburg. Dem Ort, wo der Reformator seine Bibel übersetzte. Bei der jüngsten Überarbeitung überprüften 70 Fachleute die Lutherbibel auf Treue zum biblischen Text. Änderungen sollten nur dort vorgenommen werden, wo sie zwingend geboten sind, «wobei jede Veränderung des den Gemeinden vertrauten Klangs der Lutherbibel möglichst vermieden werden soll», lautete die Vorgabe. Trotzdem weist die neue Lutherbibel mindestens 12 000 veränderte Bibelverse auf.

Luthers Vermächtnis stärker gewichtet
Die Evangelische Kirche Deutschland trug bei der Überarbeitung wieder stärker der Tradition der lutherischen Sprache Rechnung. Als 1534 die erste Gesamt-Lutherbibel erschien, prägte sie durch ihre Volksnähe und Sprachgewalt die deutsche Sprache wie kein zweites Buch. Luthers Bibel war der Wegbereiter des Neuhochdeutschen. Durch seine Bibel wurde die deutsche Sprache einheitlicher. Im Fleckenteppich des Deutschen Reiches entstand ein «Wir-Gefühl». Bei seiner Übersetzung schuf der Reformator zahlreiche sprachliche Neuschöpfungen, wie den «Denckzedel» mit dem er den jüdischen Gebetsriemen wiedergab.
Manche Irrtümer wurden nun beseitigt: So stand Gott in Amos Vision auf der Mauer und hielt ein Senkblei in der Hand wie ein Handwerker. Neue Forschungen hingegen zeigen, dass es sich da nicht um Blei, sondern um Zinn handelte, aus dem Waffen hergestellt wurden. Gott schmiedet jetzt in der Lutherbibel auf den Mauern Waffen für das Gericht über Israel.
Für Altbischof Christoph Kähler stellt die Lutherbibel ein «kostbares theologisches und kulturelles Erbe» dar. «Mit diesem Erbe müssen wir behutsam und sorgfältig umgehen.» Der emeritierte Alttestamentler Albert de Pury findet es verständlich, dass sich die Lutherbibel wieder stärker an den Worten des Reformators orientiert. Über Jahrhunderte habe diese Sprache die Liturgie und die Kirchensprache geprägt. Die verschiedenen Bibelübersetzungen hätten durchaus ihre Berechtigung. Für de Pury setzt jedoch die neue Zürcher Bibelübersetzung aus dem Jahr 2007 Massstäbe in Sachen Genauigkeit und Verständlichkeit. Der Alttestamentler arbeitete am Kommentar zur Zürcher Bibel über Genesis 1 bis 26 und fand kaum Stellen, die falsch übersetzt wurden.



Amos 7,7
Luther 1545:
Vnd sihe / der HERR stund auff einer Maure mit einer Bleischnur gemessen / vnd er hatte die Bleischnur in seiner Hand

Übersetzung EKD 1984:
Und siehe, der Herr stand auf der Mauer, die mit einem Bleilot gerichtet war, und er hatte ein Bleilot in seiner Hand

Übersetzung EKD 2017:
Und siehe, der Herr stand auf einer Mauer von Zinn, und er hatte Zinn in seiner Hand (Anmerkung: Zinn diente zur Herstellung von Waffen)


Johannes 11, 25
Luther 1545:
Wer an Mich gleubet / der wird leben / ob er gleich stürbe

Übersetzung EKD 1984:
Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt

Übersetzung EKD 2017:
Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe


Zum Bild: Auf der Wartburg: Nach fünfjähriger Arbeit haben Theologen die neue Fassung der Lutherbibel dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands Heinrich Bedford-Strohm (rechts) übergeben. | Epd-Bild

Tilmann Zuber


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