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Telebasel streicht den «Theologischen Tipp» (1)

01.01.2016
Seit der Gründung von Telebasel gibt es den «Theologischen Tipp». Ab Mitte Februar ist Schluss. Von den Landeskirchen erwartet der Sender ein neues Konzept.

Seit 22 Jahren sendet das Regionalfernsehen Telebasel. Von Anfang an im Programm: der «Theologische Tipp». Jeden Samstag nach den 7-vor 7-Nachrichten und dem Wetter um 19.10 Uhr stehen den Landeskirchen drei Minuten Sendezeit zur Verfügung, um aus christlicher Sicht zu einem aktuellen Thema Stellung zu nehmen. Der «Theologische Tipp» «gehört zu den ältesten und damit unverzichtbaren Formaten von Telebasel», heisst es auf der Website des Senders. Doch am 13. Februar wird Béatrice Bowald vom Pfarramt für Industrie und Wirtschaft den letzten «Tipp» sprechen. Danach streicht Telebasel die Sendung ersatzlos.
Telebasel plane ab Mitte Februar einen komplett überarbeiteten Neuauftritt, sagt CEO Dominik Prétôt. «Wir konzipieren alle Sendegefässe neu. Der Theologische Tipp passt nicht mehr ins Konzept.» Bisher hat der Sender die Produktion des «Tipps» übernommen. Die Kirchen verantworteten den Inhalt und stellten die Sprechenden. Nun zieht sich Telebasel aus der finanziellen Beteiligung zurück und möchte, dass die Kirchen ein neues Konzept erarbeiten, «das dem Zeitgeist eher entspricht», erklärt Prétôt.
Stephanie Krieger, Kommunikationsverantwortliche der Reformierten Kirche Baselland, bestätigt, dass man von Veränderungen bei Telebasel gewusst habe. Von der ersatzlosen Absetzung des Tipps sei jedoch nie die Rede gewesen. Sie bedauert, dass ein konkretes Gespräch mit Telebasel erst Anfang November stattgefunden habe. «Mit dem «Theologischen Tipp» konnten wir die Leute auf eine andere Art ansprechen als etwa im Gottesdienst und sie mit unseren sinnstiftenden Werten in Berührung bringen. Dass wir so kurzfristig über das Ende der Zusammenarbeit informiert werden, enttäuscht uns. So haben wir keine Chance, rechtzeitig ein gutes Nachfolgeformat auf die Beine zu stellen, weder finanziell noch inhaltlich.»

Hohe Glaubwürdigkeit
«Kirchliche und christliche Inhalte haben weiterhin Platz bei Telebasel», versichert Dominik Prétôt, der in der Katholischen Kirche Basel-Stadt als Kirchenrat amtet. «Aber wir wünschen uns von den Kirchen neue Ideen, die stärker mit dem Medium Fernsehen arbeiten.»
Das Format wirke vielleicht etwas altmodisch, meint Sprecher Andreas Stooss, dafür habe es eine hohe Glaubwürdigkeit und einen Wiedererkennungseffekt. Auch der lokale Aspekt sei sehr wichtig, findet der Liestaler Pfarrer. Die Sprecher reden Dialekt und beziehen sich oft auf regionale Themen wie etwa den FC Basel oder die Fasnacht. «Das schätzen viele. Ich werde oft darauf angesprochen», so Stooss.
«Wir werden uns überlegen, welche Schwerpunkte wir setzen wollen», sagt Stephanie Krieger. Das Thema Religion gewinne in der Gesellschaft an Bedeutung. «In den Medien erhalten aber vor allem Fundamentalisten viel Raum», kritisiert sie. «Dabei wäre Aufklärung wichtig.»
Die Tendenz, dass Religion nur noch in den Medien präsent sei, wenn es einen Skandal gebe, dürfe nicht sein, findet auch Dominik Prétôt. Er werde sich persönlich dafür einsetzen, dass die Kirchen weiterhin vertreten seien bei Telebasel. Die Neutralität müsse jedoch gewahrt bleiben. «Es gibt keinen speziellen Deal für die Kirchen.»
Stephanie Krieger betont: «Wir sind überzeugt vom Nutzen und Wert einer ökumenischen Wortsendung, die das Zeitgeschehen aus christlicher Sicht kommentiert». Sie ist zuversichtlich, dass die Kirchen nach einer Pause in einer anderen Form wieder bei Telebasel präsent sein werden. 

kim


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