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«Kirchen sind Oasen der Stille» (2)

01.01.2016
Die Luzerner Künstlerin Irena Meier hat in drei reformierten Kirchen der Stadt Luzern Taufbäume gestaltet. Und dabei die Kirchenräume neu erfahren.

Frau Meier, Sie haben für drei reformierte Kirchen in der Stadt Luzern Kunstinstallationen geschaffen. Worum geht es dabei thematisch?
Irena Meier: Die Kirche ist an mich herangetreten, um das Thema des Taufbaumes neu zu denken. Ziel ist, in den drei Kirchen Taufbäume zu realisieren, die benutzt werden können. Wird ein Kind getauft, bekommt es ein Symbol, das in der Kirche in meine Installation eingefügt wird wodurch sich diese fortlaufend erweitert.

Welche Herausforderungen hat dieser Auftrag mit sich gebracht?
Am Anfang stand die Konzeptarbeit. Ich musste mir überlegen, wie ich das Ganze thematisch und visuell umsetze. Man kennt ja dieses Grundkonzept der Taufbäume, diese Varianten mit den ausgeschnittenen Holzbäumen. Es war schwierig, etwas Einfaches neu zu denken. Herausgebildet hat sich das Achteck als Grundform und verbindendes Element der drei Arbeiten. Im Christentum ist die Acht das Symbol des Neubeginns. Daraus habe ich eine abstrakte Form abgeleitet, in der sich das Symbol des Blatts und der Taube begegnen. Der Ort der Installationen selbst, also der Kirchenraum, war eine Herausforderung.

Warum?
Die drei Kirchen, die Lukaskirche, die Matthäuskirche und die Kirche Weinbergli sind als Bauten sehr unterschiedlich. Ich wollte individuelle Installationen finden, die zum Raum passen. Die Architektur der Kirchen hat mich zu drei eigenständigen Arbeiten inspiriert. Jedoch war es mir wichtig auch etwas Verbindendes zu schaffen, das zwischen den drei Bauten eine Brücke schlägt. Zudem sollen die Installationen eine gewisse Beständigkeit haben, aber irgendwann wieder demontiert werden können. Und natürlich musste ich damit umgehen lernen, dass ich in einer Kirche arbeite.

Was war daran anders als in einem anderen Raum?
Ich habe Respekt vor diesen Räumen, sie sind für mich architektonisch vollendet. Es war schwierig für mich, etwas hineinzustellen, das nicht
stört. Wenn man in einem Kirchenraum ein Loch in die Wand bohrt, ist das ganz anders als in einem temporären Ausstellungsraum. Anfangs traute ich mich kaum, in den Chorraum zu treten, weil ich dachte, in etwas Heiliges einzudringen. Mit der Zeit begann ich, mich freier zu bewegen, den Raum als Arbeitsort wahrzunehmen.

Nehmen Sie die Kirche nun anders wahr?
Ich habe keinen grossen Bezug zur reformierten Kirche. Doch
mit der Arbeit hat sich mir eine neue Dimension in Bezug auf die Räumlichkeiten ergeben. Kirchen sind in meinem Verständnis Oasen in der heutigen Zeit. Ein Ort der Ruhe, wo es rundherum sehr hektisch zu und her geht. Man wird auf sich zurückgeworfen. Wo finden Sie das heute noch? Ich glaube, die Kirche ist einer der wenigen Orte, wo so eine Erfahrung noch möglich ist, ohne Ablenkung von aussen.



Einweihung
«Künstlerische Intervention» der Luzerner Künstlerin Irena Meier. Tauf-Installationen in den Kirchen Lukaskirche, Matthäuskirche und
Kirche Wein­bergli. Einweihung mit Gottesdienst am Sonntag, 28. Januar, 10 Uhr in allen drei Kirchen. Die Künst­lerin ist in der Matthäus­kirche anwesend.


Zum Bild: Die Künstlerin Irena Meier bei ihrer Arbeit direkt vor Ort in der Kirche.

Anna Miller


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