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Kirche

Back to the Roots

Zum Reformationsjubiläum 2017 gab die Evangelische Kirche Deutschland eine neue Fassung der Lutherbibel in Auftrag. Am Donnerstag begann im schwäbischen Nördlingen der Andruck, ab Oktober soll die neue Bibel erhältlich sein. Statt auf Modernisierung setzt sie wieder auf Luthers Worte.

Zurück zu den Wurzeln: Nach fünfjähriger Arbeit haben Theologen und Sprachwissenschaftler eine neue Fassung der Lutherbibel vorgelegt. Bei der jüngsten Überarbeitung überprüften 70 Fachleute die Lutherbibel auf Treue zum biblischen Text. Änderungen sollten nur dort vorgenommen werden, wo sie zwingend geboten sind, «wobei jede Veränderung des den Gemeinden vertrauten Klangs der Lutherbibel möglichst vermieden werden soll», lautete die Vorgabe. Trotzdem weist die neue Lutherbibel mindestens 12 000 veränderte Bibelverse auf.

Sprachgewaltig
Die Evangelische Kirche Deutschland trug bei der Überarbeitung wieder stärker der Tradition der lutherischen Sprache Rechnung. Als 1534 die erste Gesamt-Lutherbibel erschien, prägte sie durch ihre Volksnähe und Sprachgewalt die deutsche Sprache wie kein zweites Buch. Luthers Bibel war der Wegbereiter des Neuhochdeutschen. Durch seine Bibel wurde die deutsche Sprache einheitlicher. Im Fleckenteppich des Deutschen Reiches entstand ein «Wir-Gefühl». Bei seiner Übersetzung schuf der Reformator zahlreiche sprachliche Neuschöpfungen, wie den «Denckzedel» mit dem er den jüdischen Gebetsriemen wiedergab.

Manche Irrtümer wurden nun beseitigt: So stand Gott in Amos Vision auf der Mauer und hielt ein Senkblei in der Hand wie ein Handwerker. Neue Forschungen hingegen zeigen, dass es sich da nicht um Blei, sondern um Zinn handelte, aus dem Waffen hergestellt wurden. Gott schmiedet jetzt in der Lutherbibel auf den Mauern Waffen für das Gericht über Israel.

Verständlich
Alttestamentler Albert de Pury findet es verständlich, dass sich die Lutherbibel wieder stärker an den Worten des Reformators orientiert. Über Jahrhunderte habe diese Sprache die Liturgie und die Kirchensprache geprägt. Die verschiedenen Bibelübersetzungen hätten durchaus ihre Berechtigung. Für de Pury setzt jedoch die neue Zürcher Bibelübersetzung aus dem Jahr 2007 Massstäbe in Sachen Genauigkeit und Verständlichkeit. Der Alttestamentler arbeitete am Kommentar zur Zürcher Bibel über Genesis 1 bis 26 und fand kaum Stellen, die falsch übersetzt wurden.

Eine erste Revision der Lutherbibel geschah in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die zweite Überarbeitung stammt von 1912. Die noch aktuelle dritte Revision fand zwischen 1964 und 1984 statt. Jetzt geht die vierte Revision in den Druck

Tilmann Zuber / Kirchenbote / 17. Juni 2016