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Kirche

International, integral, mit Potenzial

Komm rüber! Der Aufruf wurde gehört. Viele kamen rüber – entweder nach Kreuzlingen oder nach Konstanz. Die Grenze von Ländern und Denominationen wurde überwunden.

Kommentar von Roman Salzmann

Der 17. Internationale Bodensee Kirchentag machte seinem Namen alle Ehre: Der grenzüberschreitende Austragungsort eröffnete neue, im wahrsten Sinne des Wortes internationale Möglichkeiten. Das wurde beispielsweise auf dem Markt der Möglichkeiten in Konstanz deutlich, der mitten im geschäftigen Samstagsverkauf auf den Glauben oder auf kirchliche Angebote im weitetesten Sinn aufmerksam machte. Er war eine gute Gelegenheit, die Kirche und die frohe Botschaft des Glaubens vielfältig in den Alltag hinauszutragen.

Und doch: Schlenderte man durch Konstanz und Kreuzlingen, wusste man dann doch nicht so genau, was mehr Gewicht bekam in den Köpfen der Menschen: Der Fussball oder der Glaube? Selbst wenn der Kirchentag selber ein Public Viewing anbot, wurde einmal mehr deutlich, dass sich christliche Verantwortungsträger enorm engagieren müssen, damit sie im Kampf um Aufmerksamkeit nicht verloren gehen. König Fussball hatte Konstanz und Kreuzlingen angesichts der Viertelfinalspiele der Fussball-Europameisterschaft rein äusserlich viel mehr im Griff als die Christen.

Doch der Kirchentag, hauptsächlich von Laien organisiert, hat seine Wirkung nicht verfehlt: Er setzte ein Zeichen in der Kirchenlandschaft. Man muss zusammenspannen und in der Öffentlichkeit, ja in allen Gesellschaftsbereichen, etwas bewirken wollen. Die rund 150 Angebote zeugten davon, dass der christliche Glaube lebt und dass unterschiedlichste Bewegungen bereit sind, miteinander in der Vielfalt die Einheit zu suchen. Der Kirchentag wirkt damit integrierend, ist ein integraler Bestandteil in der Kirchenlandschaft.

Indes: Der Kirchentag zeugte ebenso von der schwierigen Verständigung unter den Kirchen, Glaubensgemeinschaften und christlichen Organisationen: Der ökumenische Anlass war selbst in vielen Institutionen der eigenen Reihen komplett unbekannt. Der Dialog muss weiter gestärkt werden. Und man muss sich klar werden, was im Zentrum der Botschaft steht: Vielfalt ja, aber Profilierung auch!

Die Profilierung von Kirchen oder christlichen Anlässen wird denn auch in Zukunft immer wichtiger werden. Der Bodensee Kirchentag war Ausdruck der grossen Vielfalt – und dass man gemeinsam in der Gesellschaft, in Wirtschaft und Politik etwas bewegen will. Das ist gut, zeigt auf der anderen Seite aber auch, dass Christen Gefahr laufen sich zu verzetteln. Die Folge: Die Wirkung verpufft. Symptomatisch dafür war der internationale Aspekt des Kirchentags. Denn wer von einem Anlass zum anderen – also etwa von Konstanz nach Kreuzlingen gelangen wollte – war ganz schön gefordert, einerseits wegen der Distanz, andererseits auch wegen mangelnder Ortskenntnisse.

Deshalb könnte man sich vielleicht für einen nächsten Kirchentag auch überlegen, ob weniger nicht mehr wäre: Dann wären möglicherweise die tollen Workshops oder ergänzenden Jugend- und Kinderprogramme besser besucht – weil sie einfacher zu bewerben, einfacher einzuordnen und einfacher zu finden sind. Zum Teil war es für die Verantwortlichen einzelner Veranstaltungen schlicht und ergreifend ernüchternd, wie wenig sie beachtet wurden. Vielleicht wäre es ein Ansatz, das nächste Mal einen Kirchentag räumlich eng begrenzt und mit einigen Akzenten gegen aussen konzentriert sichtbar zu machen – für engagierte Christen und interessierte Passanten genauso wie für die Medien.

Fazit: Der Kirchentag war international und motivierte einen Teil der Christen aller Bodenseeländer. Er wirkte integrierend und integral, wird aber von vielen noch viel zu wenig als stärkendes Element wahrgenommen – sowohl innerhalb der christlichen Denominationen, als auch in der Öffentlichkeit. Damit wird deutlich: Der Bodensee Kirchentag und damit auch die Kirchen haben noch viel Potenzial.