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Gesellschaft

Trost und Zuversicht nach der tödlichen Attacke

Nach dem Angriff in einem Zug bei Salez SG, bei dem zwei Menschen starben und weitere schwer verletzt wurden, nahm Thomas Beerle, Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Sennwald, im Sonntagsgottesdienst die Verunsicherung und die Furcht auf, die so eine Gewalttat auslösen kann.

Herr Beerle, wie haben Sie von dem Ereignis in Ihrer Kirchgemeinde gehört?
Ich war an jenem Samstagnachmittag zuhause und habe mich um meine Enkelin gekümmert. Da ich nah beim Bahnhof Salez wohne, habe ich mitbekommen, wie Autos der Polizei und der Ambulanz herangefahren sind. Erst dachte ich an eine Feuerwehrübung, aber spätestens als Helikopter landeten, war klar: etwas Schlimmes muss passiert sein.

Wie haben Sie reagiert?
Erst habe ich über die Medien versucht, etwas zu erfahren. Dass ich selber zur Unfallstelle gehe, war kein Thema. In unserer Region gibt es im jeweils avisierten Care-Team einen speziell ausgebildeten Seelsorger für solche Fälle. Ausserdem war ich zuständig für mein Enkelkind, da konnte und wollte ich nicht einfach weg.

Was ist in Ihnen vorgegangen?
Ich war natürlich angespannt und nach und nach kamen zusätzliche Informationen. Gleichzeitig musste ich mir bewusst machen, dass ich am nächsten Tag einen Gottesdienst habe und dass es mich gerade jetzt als Pfarrer braucht. Das Ereignis beschäftigt mich und alle hier zunehmend – gerade wenn man erfährt, dass Bekannte unter den Opfern sind. Was bisher nur in anderen Ländern geschah, die unberechenbare Gewalt an zufälligen Bürgerinnen und Bürgern, findet nun auf einmal auch hier in der Schweiz statt. Das verunsichert und kann Angst machen.

Haben Sie das Thema in Ihrem Gottesdienst am Tag danach aufgenommen?
Ja, natürlich, es lag gewissermassen in der Luft. Ich musste es aufgreifen und auf den Boden bringen. Die Tatsache, dass es jeden von uns treffen kann und dass diese Gewalt absolut unverständlich ist, beschäftigt die Menschen sehr. Dennoch musste ich im Gottesdienst am Sonntag eine gute Balance finden. Tauffamilien waren da und ihr frohes Ereignis durfte nicht vollkommen überschattet werden.

Wie sind Sie auf die Not der Gottesdienstbesucher eingegangen?
Ich habe mich auf die Klagelieder im Alten Testament bezogen und auf den Psalm 23. Darin wird deutlich, dass gerade in dunklen und bedrohlichen Zeiten Gott für uns da ist. Dass der Barmherzige uns begleitet, wohin das Leben auch führt. Für mich haben diese Texte eine neue Bedeutung bekommen, eine neue Dimension.

Waren mehr Besucherinnen da als normalerweise?
Diesen Eindruck hatte ich nicht, aber es war ein besonderer Gottesdienst. Die Menschen waren sehr offen und haben die Worte dankbar aufgenommen.

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Katharina Kilchenmann / reformiert. / 16. August 2016