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Gesellschaft

Aussprachesynode «Flüchtlinge unter uns»: Wunsch und Wirklichkeit

Was kann die reformierte Kirche für Flüchtlinge tun? Die biblische Tradition der Gastfreundschaft pflegen und Brücken bauen, so das Fazit von Flüchtlings-Seelsorger Roland Luzi.

Auf Reisen durch fremde Länder schätzten wir die unkomplizierte, selbstverständliche Gastfreundschaft. Selber täten wir uns jedoch schwer damit, meint Roland Luzi, Seelsorger beim Ökumenischen Seelsorgedienst für Asylsuchende OeSA beider Basel. Für den Pfarrer bildet die Gastfreundschaft einen der «ethischen Grundpfeiler Europas». Diese biblische Tradition gehe tiefer als der Zeitgeist.

Die Gastfreundschaft gegenüber Fremden nimmt Luzi als Ausgangspunkt des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge. In seinem Vortrag «Was kann die Reformierte Kirche Baselland für die Flüchtlinge tun?» an der Baselbieter Aussprachesynode vom 15. September empfahl er den Kirchgemeinden, sich der Flüchtlinge sowohl mit «innerem Feuer» als auch mit «Kompetenz» anzunehmen. Öffentlichkeitsarbeit sei wichtig. Junge Helfer und Praktikantinnen würden dazu beitragen, das Engagement in den Kirchgemeinden zu verbreiten und weiter zu vernetzen.

«In der Diakonie gibt es kein Copyright»
Roland Luzi, der im Empfangs- und Verfahrenszentrum in Basel Asylsuchende betreut, rät zur Zusammenarbeit unter den Kirchgemeinden und mit anderen Institutionen. «In der Diakonie gibt es kein Copyright», betont der Seelsorger. Man solle erfolgreiche Projekte kopieren.

Der Angst vor dem Fremden begegne man am besten im direkten Kontakt. Indem man Flüchtlinge zum Arzt begleite oder zum Elterngespräch in der Schule zum Beispiel. So baue man Brücken, man lerne die Fremden kennen, erfahre viel über ihre Kultur und Religion und «kann sich von diesen Menschen berühren lassen», sagt Roland Luzi.

Der Weg zur Integration führt für Luzi über die Gastfreundschaft. Doch damit die Integration gelingt, brauche es viel Geduld und Unterstützung. Bis ein Flüchtling in der neuen Heimat ein selbstständiges Leben führt, könne es Jahre dauern.

«Integration müssen wir leben»
Rolf Rossi, kantonaler Asylkoordinator Baselland, sprach ebenfalls an der Aussprachesynode. Er zeigte, wie «Wunsch und Wirklichkeit» in der Asylpolitik auseinanderklaffen, sowohl aus Sicht der Asylsuchenden als auch der Einheimischen.

Die Integration anerkannter Flüchtlinge bezeichnet Rossi als grösstes Anliegen und zugleich grösste Herausforderung. «Integration müssen wir leben», so Rossi. Sie sei zum Scheitern verurteilt, wenn sie «über die Köpfe hinweg» verordnet werde. Sie verlange zudem die aktive Mitgestaltung von Einheimischen und Zugezogenen, sei «Fördern und Fordern».

Chancengleichheit sei das Ziel der Integration, so Rossi. Und es gebe einige, denen der Neuanfang gelinge. Für die Mehrheit der Flüchtlinge sehe die Realität jedoch anders aus. Sie bleiben abhängig von der Sozialhilfe. Die Frage, was die Kirche zur Integration der Flüchtlinge beitragen kann, vertieften die Teilnehmenden in den anschliessenden Workshops.

Karin Müller / 30. September 2016