«Liebe? Das geht vorbei!»: Filmtipps für Romantiker und Realisten zum Valentinstag
Die frostigen Temperaturen laden am Valentinstag dazu ein, das Frühlingserwachen herbeizusehnen. Im Kino legt aktuell Emerald Fenell mit «Wuthering Heights – Sturmhöhe» Emily Brontës tragischen Liebesroman neu auf: mit Jacob Elordi und Margot Robbie als einander obsessiv zugewandten Adoptivgeschwistern.
Wer ein Happy End bevorzugt, bei der klassischen romantischen Komödie auch mal schmunzeln will oder mit einem Anti-Liebesfilm den Gegenpol zu Kommerz, Kitsch und dem Konzept romantischer Liebe sucht, erhält hier einige Empfehlungen für den Filmabend auf der heimischen Couch.
Die Klassiker: Zeitlose Liebesgeschichten
Ein gut gealterter Klassiker mit Herz und Hirn ist «Harry und Sally» von 1989. Können Männer und Frauen einfach nur befreundet sein? Meg Ryan und Billy Crystal fragen sich das eine Dekade lang, bevor sie sich kriegen. Der Chemie der beiden Hauptfiguren, vor allem aber der empathischen Regie von Rob Reiner ist zu verdanken, dass am Ende die Hoffnung bleibt, dass manche Liebesgeschichten ziemlich holprige und verschlungene Wege nehmen, bevor sie am Ende doch glücklich enden.
Frankreich-Fans sollten sich «Die fabelhafte Welt der Amélie» (2001) nicht entgehen lassen. Audrey Tautou spielt die schüchterne Kellnerin Amélie, die in Paris lebt und anderen Menschen heimlich Gutes tut, sich aber nicht traut, ihr eigenes Glück zu suchen. Als sie Nino (Mathieu Kassovitz) kennenlernt, beginnt ein bezauberndes Versteckspiel. Jean-Pierre Jeunets Film ist ein visuelles Fest in Grün- und Rottönen, eine Liebeserklärung an Paris und an all die kleinen Wunder des Alltags. Manchmal braucht es eben ein bisschen Mut – und ein paar Gartenzwerge.
Liebe kennt keine Grenzen: Queere Meilensteine
Ab der Jahrtausendwende wurden Liebesgeschichten dem Zeitgeist entsprechend diverser, Filme über gleichgeschlechtliche Paare kamen im Mainstream an. Ang Lees «Brokeback Mountain» (2005) rüttelt mit den schwulen Cowboys Ennis del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake Gyllenhaal) an einem uramerikanischen Mythos. Wenn Ennis nach Jacks gewaltsamen Tod erkennt, dass dieser fast 20 Jahre lang die Hemden aufbewahrt hatte, die beide bei ihrer ersten Begegnung trugen, ist das einer der berührendsten Momente der Kinogeschichte.
Im 18. Jahrhundert spielt Céline Sciammas «Porträt einer jungen Frau in Flammen» (2019). Malerin Marianne (Noémie Merlant) kommt auf eine Insel in der Bretagne, um ein Porträt von Héloïse (Adèle Haenel) für deren künftigen Ehemann anzufertigen. Héloïse hat weder Lust auf Heirat noch darauf, Modell zu sitzen. Die beiden verlieben sich, verbringen einige unbeschwerte Tage auf der Insel, müssen sich aber schliesslich trennen. Jahre später sieht Marianne ein anderes Gemälde von Héloïse, auf dem ihr eine kleine Geste verrät, dass diese nie aufgehört hat, Marianne zu lieben. Sciamma inszeniert die fantastischen Schauspielerinnen in rauen Landschaftspanoramen und reichert ihre Liebesgeschichte mit viel feministischer Widerständigkeit an.
Der clevere Liebesfilm: Wenn Vergessen keine Lösung ist
Wer weder Lust auf Tragödie noch das märchenhafte «Dann lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage» hat, schaut mit Michel Gondrys «Vergiss mein nicht» (2004) einen klugen Liebesfilm, dessen Handlung am Valentinstag am Strand von Montauk einsetzt. Joel (Jim Carrey) erfährt, dass seine Ex Clementine (Kate Winslet) sich die gemeinsame Beziehung mittels eines neuartigen High-Tech-Verfahrens aus dem Gedächtnis hat radieren lassen. Impulsiv will er es ihr gleichtun. Erst zu spät merkt er, wie wertvoll diese Erinnerungen sind und liefert sich eine irrwitzige Verfolgungsjagd durch sein Unterbewusstsein in dem Versuch, diese zu bewahren. Ob er es schafft, wird nicht verraten, aber «Vergiss mein nicht» ist ein Plädoyer dafür, der Liebe immer eine Chance zu geben, auch wenn sie schrecklich schiefgehen kann.
Anti-Liebesfilme: Romantische Liebe? Bringt nur Probleme
Singles – ob selbstbestimmt oder unfreiwillig – dürften von dem ganzen Trubel um den Valentinstag genervt sein. Ein gutes Gegengift ist Noah Baumbachs «Marriage Story» (2019), in dem sich Scarlett Johansson und Adam Driver einen erbitterten Scheidungskrieg liefern. Wer es humoristischer mag, schaut Danny DeVitos «Der Rosenkrieg» (1988) oder das Remake «Die Rosenschlacht» (2025) mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch.
Kaputter in romantischen Belangen ist nur noch «Fleabag». In der Serie von Phoebe Waller-Bridge (Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin in einem) birgt romantische Liebe nur Probleme, die enge Bindung zur besten Freundin oder Schwester ist viel entscheidender. Und Fleabags Schwarm, Andrew Scott als Priester, findet tröstende Worte für alle, deren Herz aktuell gebrochen ist: Als sie sagt «Aber ich liebe Dich!» erwidert er schlicht «Das geht vorbei».
«Liebe? Das geht vorbei!»: Filmtipps für Romantiker und Realisten zum Valentinstag