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Gesellschaft

«Bringen Sie Neues ins Leben»

Karin Schrag ist professionelle Aufräumerin. Sie hilft Menschen, Ordnung zu schaffen – in der Wohnung, aber auch im Leben.

Wenn Karin Schrag in der Wohnung eines Klienten steht, dann liegt das Leben plötzlich da, aus dem Schrank ausgeräumt und auf dem Boden ausgebreitet. Dann wird plötzlich sichtbar, wie man lebt. Und es kommt die Frage hoch: Wie möchte ich denn wirklich leben?

Als Aufräum-Coach hilft Karin Schrag ihren Kunden, Ordnung zu schaffen. «Ich räume nicht selbst auf, ich helfe beim Prozess», sagt Schrag. Das heisst zuerst einmal, auszumisten. «80 Prozent der Arbeit ist aussortieren, 20 Prozent, die verbleibenden Dinge richtig zu ordnen», sagt Schrag. Ihre Kunden sind keine Messies, es sind ganz -normale Leute. Einen zehnjährigen Jungen hat sie ebenso schon unterstützt wie eine 80-jährige Frau. «Meine Kunden spüren meist, dass sie in ihrem Leben etwas verändern wollen Denn sie ist überzeugt:
Die eigene Wohnung ist ein Spiegel der Seele. Ist im Aussen Unordnung, ist meist auch im Innen nicht alles geklärt. So umgeben sich viele Menschen mit Gegenständen, die ihnen eigentlich gar nicht gut tun. In der täglichen Arbeit arbeitet Schrag deshalb nach dem Prinzip: Was liebe ich? Und was benutze ich regelmässig? Jeder Gegenstand wird in die Hand genommen. Und dann wird entschieden: Was bleibt, was kommt weg
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Nach der Bestandesaufnahme vor Ort zeigt sie den Kunden, wie man das Verbleibende so ordnet, dass es nachhaltig versorgt ist. «Gleiches zu Gleichem», lautet die Devise. Und: Jedem Gegenstand seinen Platz. «Wenn ich gar keinen Platz für meine Dinge habe, wie soll ich dann Ordnung halten können?» Für sie ist klar: «Wenn Sie etwas Neues in Ihr Leben bringen möchten, räumen Sie am besten erst einmal auf!» Das sei pragmatisch, einfach umzusetzen und würde schon viele Prozesse in Gang setzen. «Ich erlebe bei meinen Kunden immer eine grosse Befreiung. Sie können sich so ein Stück weit von ihrer Vergangenheit lösen und klären: Wer bin ich heute? Was ist mir wichtig

Auch für Schrag begann alles mit einer Bestandesaufnahme. Sie war lange Zeit in der Kommunikation tätig, aber nicht so sinnstiftend, wie sie sich das gewünscht hätte. «Ich habe mich also gefragt: Was kann ich gut? Was mache ich gerne? Und was bringt auch anderen etwas?» Seit 2014 ist die 44-Jährige erfolgreich als Aufräum-Coach tätig. Die meisten Anrufe erhält sie, wenn die Neujahrsvorsätze greifen oder Menschen an persönlichen Wendepunkten stehen. «Wer bei mir anruft, verspürt schon einen ziemlichen Druck», sagt Schrag. Auch, weil das Thema Unordnung in der Schweiz ein Tabu ist. «Die Schweizer denken, Ordnung halten sei jedem in die Wiege gelegt worden. Das stimmt so nicht

Anna Miller, Kirchenbote, 30.13.2017

 

 

 


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