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Gesellschaft

Die Polizei schickt Brückenbauer in die Moscheen

Die Kantonspolizei Zürich hat potentielle dschihadistische Gewalttäter im Visier. Bei der Kantonspolizei pflegen Brückenbauerinnen und Brückenbauer seit zehn Jahren den Dialog mit vorwiegend muslimischen Vereinigungen. Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen und zu verhindern, dass sich Menschen unbemerkt radikalisieren.

Schon mehrmals hat die Kantonspolizistin und Brückenbauerin Susanna Contesse zusammen mit einem Kollegen islamische Vereinigungen im Bezirk Bülach besucht. Sie meldet sich telefonisch an, erscheint in Zivil und führt mit Vereinspräsidenten und Vorsteher präventive Gespräche: «Es geht darum, wie Straftaten gemeinsam verhindert werden können», sagt Contesse. Auch ein Freitagsgebet habe sie sich schon einmal übersetzen lassen. Die Aufgabe der Brückenbauer ist es, einen Draht zu den muslimischen Vertretern zu finden, um zu verhindern, dass sich jemand aus der Moschee unbemerkt radikalisiert.

50 Fälle seit 2014
An der Medienkonferenz vom 24. Mai informierte die Zürcher Sicherheitsdirektion über die Arbeit der 13 Polizisten und drei Polizistinnen, die im Nebenamt Brückenbauerinnen und Brückenbauer sind. Sie gehören zum Gewaltschutz. Dass Susanna Contesse Moscheen besucht, ist kein Zufall. Der Dienst Gewaltschutz bei der Präventionsabteilung begleitet zurzeit ausschliesslich muslimische potentielle Extremisten. Nach Angaben von Reinhard Brunner, Chef der Präventionsabteilung, begleitet die Kapo zurzeit total zehn Personen. Seit dem Auf- und Ausbau der Präventionsabteilung 2014 waren es total 50 Fälle.

Vor ein paar Jahren waren muslimische Extremisten noch kaum im Fokus. Doch durch die Greueltaten des Islamischen Staats und zahlreiche blutige Terroranschläge in Europa wurde die Früherkennung islamistisch motivierter Gewalttäter dringlich.

Erfolg lässt sich schwer messen
Dabei spielen auch die Brückenbauer eine wichtige Rolle. Die Polizei schickt sie in Vereinslokale, Moscheen und Gebetsräume. Seit der Gründung 2008 würden die Brückenbauer auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken, wurde an der Medienkonferenz betont. Allerdings lässt sich ihr Erfolg schwer messen, wie Brunner einräumt. «Unser Ziel ist, dass mit der Zeit zwischen der Polizei und den Vertretern der muslimischen Gemeinschaften eine Vetrauensbasis entsteht. Der Zugang zu den Leuten ist unser Kapital.» Die Polizei könne aufzeigen, wo Brückenbauer in Gesprächen heikle Situationen entschärfen konnten. Aber ob dies letztendlich Radikalisierungen verhindert habe, könne nicht bewiesen werden. 

Ein klares Profil der muslimischen Extremisten gibt es laut Daniele Lenzo von der Interventionsstelle gegen Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus IRE nicht. «Das kann ein dreissigjähriger Familienvater sein oder ein 16-Jähriger, der in der Schule gemobbt wurde.» Laut Burger seien auch unter 18-Jährige betroffen, weshalb die Präventionsbemühungen an Schulen verstärkt worden seien. 

Interventionsstelle: «letztes Puzzleteil» 
Die Interventionsstelle IRE wurde am 1. März 2018 gegründet. Sie dient der Umsetzung des Aktionsplans des Bundes zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus. Für den Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr ist die Inverventionsstelle IRE «das letzte Puzzleteil», das die Präventionsarbeit vervollständige. «Wir tun alles, um die Bevölkerung vor Gewalt und Gefahr zu schützen», betonte Fehr an der Medienkonferenz. Wie schon beim Aufbau der Brückenbauer und der 70-köpfigen Präventionsabteilung bei der Kapo habe der Kanton Zürich auch mit dem Aufbau der Interventionsstelle IRE eine Pionierrolle inne.

Brückenbauerin Susanna Contesse strich hervor, bisher sei sie in den Vereinslokalen und Moscheen stets «herzlich in Empfang genommen» worden. Sie führt auch Informationsveranstaltungen für Migrantinnen und Migranten durch und soll Vorurteile gegenüber der Polizei abbauen. Wobei das Image der Schweizer Polizei gar nicht so schlecht sei bei Menschen anderer Kulturen. «Viele heben positiv hervor, dass wir weder korrupt noch gewalttätig sind.»

Sabine Schüpbach, reformiert.info, 24. Mai 2018


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