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Spiritualität

Peter Roths Requiem als symbolischer Abschluss des St. Galler Reformationsjubiläums

«Wisst ihr denn nicht?»

22.10.2018
So dicht und bildhaft wie er spricht, so vielschichtig und differenziert ist auch seine Musik: Der Toggenburger Komponist Peter Roth hat eine Totenmesse geschaffen, die für das Leben im Diesseits plädiert.

In Auftrag gegeben hat das Werk die St. Galler Kantonalkirche. Es solle die Reformationsfeierlichkeiten abschliessen. Weitere Prämissen gab es nicht. Roth zog sich einen Monat auf den Monte Verità zurück, schuf die Grundlagen, komponierte und textete zu Ende und lieferte «Wisst ihr denn nicht?» ab. «Mir wurde – ein sehr reformierter Zug – grosses Vertrauen entgegengebracht und viel Freiheit eingeräumt», so der 74-Jährige. 

Das Werk bewegt sich auf drei Ebenen: Dem Dies- und Jenseits, dem Deutschen und Lateinischen sowie der Komposition und Improvisation.»

Nicht warten bis nach dem Tod
Erzählt ist die anderthalbstündige Messe schon im ersten Satz, als der Tod an die Tür klopft. «Was wollt ihr warten bis nach eurem leiblichen Tod?» Den Aufruf, im Diesseits das göttliche Licht zu leben, verknüpft Roth mit alten Texten, in denen «eine unglaubliche Weisheit steckt», aber auch mit zeitgenössischen. Abrahams Sohn als Opfergabe, die Hinrichtung des Täufers Peter Manz und die «Hexenverbrennungen» sind Sinnbild für die monotheistischen Religionen und ihre Gewalt und die Frauenopfer. Texte von Häuptling Seattle, Dorothee Sölle, Rudolf Hilty und Marianne Williamson rufen auf, der Erde und damit der Schöpfung mehr Respekt entgegenzubringen, geben zu bedenken, dass Kanonen und Kasernen nicht von Gott gemacht sind, und fordern auf, Mut zu haben, zu verzeihen und sich nicht klein zu machen, zumal dies der Welt nichts nütze. 

«Ein Requiem schreibt man nur einmal im Leben, es ist wie ein Vermächtnis.»

Dicht verwobenes Werk
Eingeflochten und dicht verwoben sind die Texte mit der Musik. Wohl gibt die Komposition Passagen vor, es singen der Chor «Chorprojekt St. Gallen» und ein Solistenquintett die liturgischen Worte der Totenmesse. Doch da gibt es auch Improvisationen des Jazzquintetts, welche je nach Raumakustik des Aufführungsorts und Stimmung die grossen Zeitfragen musikalisch umsetzen. Denn im Kirchenmusiker und Allrounder Peter Roth steckt ebenso der Jazzer, der selbst in die Klaviertasten greift, sich auf die Aufführungen freut und auch im Chor ein enormes Engagement spürt. Dies erstaunt nicht: Die philosophischen, spirituellen und religiösen Aussagen treffen den Nerv der Zeit, sind existenziell, berühren. – Das Plädoyer fürs Diesseits kommt an.

Uraufführungen:
Samstag, 3. November: 20 Uhr, Klosterkirche, Alt St. Johann  
Sonntag, 4. November: 17 Uhr, Kirche St. Laurenzen, St. Gallen

 

Text: | Foto: Katharina Meier  – Kirchenbote SG, November 2018

 

«Hend kei Angscht und läbet s’Licht»

Im achten Satz des Requiems, «In Paradisum» plädiert der Komponist und Musiker Peter Roth dafür, das Licht in uns zu zeigen, es zu leben und sich im Hier und Jetzt für Gerechtigkeit, ein Leben in Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. 

«Wisst ihr denn nicht, dass das göttliche Licht in den achtzig Billionen Zellen eures Körpers leuchtet und strahlt!», singt ein Quintett, worauf die Solostimmen und der Chor einsetzen: «Drum hend kai Angscht und läbed s’ Liecht, denn s’ unglebt Liecht beschert dä Welt diä Höll vo Macht, Konsum und Geld! … Hend kai Angscht und läbed s’Liecht vor em Tod i däre Welt! Amen.» 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Elisabeth Kradolfer erfasst am 18.11 2020 09:52

Religion etwas differenzierter sehen, Respekt für die christlich biblischen Grundsätze

Etwas irritiert habe ich oben genannten Beitrag gelesen. Was wohl das Ziel ist dieses Artikels? Religion ist meines Erachtens „nur“ ein Gefäss, das gefüllt ist von einem Geist, von Ordnungen, Grundsätzen und dem Glauben daran. Somit hat jede Religion ihren eigenen Geist ihre eigene Kultur, ihre eigene Weltanschauung eben ihren eigenen Inhalt. Menschen glauben an den Inhalt ihrer Religion und verhalten sich dementsprechend, die einen mehr, die anderen weniger je nach Verständnis und Prägung. So sind Christentum, (Christentum ist aus dem Judentum herausgewachsen), Islam, Buddhismus, und auch Humanismus mit eigenen Inhalten gefüllt, die eine eigene Weltanschauung vertreten, welche das Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bahaibewegung, welche zur Begegnung angeboten wird im oben erwähnten Beitrag, ist knapp 160 Jahre alt, aus dem Islam erwachsen und u.a. dem humanistischen Gedankengut nahe stehend. Der moderne Humanismus nimmt im Westen als Religion immer mehr Raum ein und verdrängt das christlich biblische Denken. Humanismus stellt das Individuum in die Mitte und ist sozusagen vom Zeitgeist u.a. erfüllt. Die Menschenrechte stehen an oberster Stelle und haben die Bibel abgelöst. Das Wort Gottes, daran (noch) Menschen glauben hat kaum Platz im Humanismus, ebenso werden die Aussagen der Bibel als nichtig erklärt, da sie von Menschen geschrieben seien. (Menschen welche die Bibel ernst nehmen glauben, dass der Geist Gottes mitbeteiligt war beim Schreiben der Bibel.) Ja, wer hat denn die Menschenrechte geschrieben und, wenn ich das so sagen darf, die Pflichten dabei vergessen? Rechte ohne Pflichten führt zu Egoismus, Rechte und Autorität für jedes Individuum führt zu Chaos. Es braucht eine verlässliche, liebende jedoch auch konsequente Autorität. Das ist für glaubende Christen Gott, der Vater im Himmel. Für Menschen die an Gott, Jesus und den Heiligen Geist glauben und ihn auch ganz persönlich erleben, ist es sehr schmerzhaft, dass die lebensspendenden –und erhaltenden Ordnungen der Bibel ausser Kraft gesetzt werden. Gott kann nicht einfach abgeschafft werden, es wäre weise, dies zur Kenntnis zu nehmen. Noch dürfen wir in unserer evangelischen Kirche das Glaubensbekenntnis sprechen, wofür wir sehr dankbar sind: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn….aufgefahren in den Himmel….von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ (Zitat) Es ist tatsächlich so, dass Menschen welche an Gott und die Bibel glauben in unserem Land kaum mehr Raum und Gehör finden mit ihrer Glaubensüberzeugung, ja, dass ein subtiler Druck auf sie ausgeübt wird, vom sogenannt konservativen Glauben abzulassen. Jene Katholiken, Evangelisch-Reformierte und Mitglieder der Freikirchen welche in der Studie in Prozenten aufgeführt werden, meinen wohl eher, dass sie an Gott den Allmächtigen glauben, so wie es in unserer Präambel welche über unserer Verfassung steht, gemeint ist. Aus diesem Blick gesehen unterstellen sich diese Menschen sehr wohl unserer Verfassung! Viel eher sollten wir uns Sorgen machen, dass diese kostbaren Grundwerte bewusst ausgeschlossen oder eigenwillig verändert werden. Dass islamisch geprägte Menschen dies kaum nachvollziehen können ist verständlich, da sich ihre Grundsätze von unseren unterscheiden. Da der interreligiöse Dialog sich eher dem humanistischen Gedankengut verpflichtet, ist es für bibelgläubige Menschen sehr schwierig sich dem anzuschliessen. Mein Wunsch ist, dass respektiert wird, wenn Menschen dem Gott der Bibel und seinen Ordnungen treu bleiben wollen.

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