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Kirche

«Man muss die Menschen gernhaben»

25.05.2021
Die Schaffhauser Kirchenrätin Sabine Dubach tritt nach 24 Amtsjahren aus dem Kirchenrat zurück und hinterlässt die Spuren einer vielfältig engagierten Frau.

«Von guten Mächten wunderbar geborgen »: Das bekannte Kirchenlied nach dem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer geht Sabine Dubach unter die Haut: «Durch Bonhoeffer fand ich als Seminaristin erstmals einen Bezug zur Kirche, als ich im Fach Religion eine Arbeit über ihn schrieb.»

Heute blickt Sabine Dubach auf ihre 24-jährige Amtszeit als Kirchenrätin zurück, die diesen Juni mit ihrem Rücktritt endet. «Die Kirche bietet grossen Gestaltungsspielraum. Wer sich einbringt, kann etwas bewegen», resümiert sie und betont: «Man muss dazu offen bleiben und die Menschen gern haben. In der Kirche läuft fast alles über Beziehungen.» Während 24 Jahren betreute Sabine Dubach die Kirchgemeinden Lohn-Stetten-Büttenhardt, Burg, Stein am Rhein-Hemishofen, Schaffhausen-Zwingli und die Pastorationsgemeinschaft Buch- Ramsen: «Mir war es sehr wichtig, dass die Gemeinden wussten, wer für sie zuständig war. Sie konnten jederzeit mit Anliegen zu mir kommen.»

Herausforderung Corona Sabine
Dubach ist eine überzeugte Teamplayerin: «Ich habe nie im Alleingang gearbeitet, sondern mich um Vernetzung bemüht.» Als Mitglied der Verfassungskommission arbeitete sie an der neuen Kirchenverfassung mit und unterstützte den Kirchenrat als Vizepräsidentin bei der Umsetzung der Strukturreform. Als der Regierungsrat im Dezember 2016 das «Palliative- Care-Konzept für den Kanton Schaffhausen» verabschiedete, lag das Konzept für «Seelsorge in Palliative Care» der Landeskirchen bereits vor, an dem Dubach massgeblich beteiligt war: «Ich darf mit Stolz sagen, dass wir eine wichtige Vorreiterrolle übernommen hatten», so Sabine Dubach.

Als Synodale der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) hatte sie auch Einblick in die Schweizer Kirchenpolitik: «Mein letztes Amtsjahr war durch die ‹Causa Locher› schwierig. Ich denke aber, dass die EKS durch neue Amtsträgerinnen aus der Krise kommt.»

Als «grösste persönliche Herausforderung » nennt sie die Corona-Pandemie: «Als Mitglied der Corona- Task-Force der Kantonalkirche habe ich jede einzelne Medienkonferenz des Bundesrats am TV mitverfolgt.» Manchmal war die Umsetzung der Verordnungen und Regeln eine Gratwanderung. «Ganz wichtig war uns auch der seelische Schutz in der Corona-Krise. Wir haben die Leute nicht eingesperrt, sondern immer Alternativen gesucht, um die Kontakte zu gestalten.» Sozialdiakonische Projekte wie Not- und Nachbarschaftshilfe, Telefongespräche und Grussbotschaften seien besonders wichtig geworden. Die Sozialdiakonie ist ein Arbeitsfeld, das durch das Engagement von Sabine Dubach an Profil gewonnen hat: «Wir müssen weiter daran arbeiten, die Sozialdiakonie zu professionalisieren, denn die gesellschaftliche Relevanz der Kirche liegt in ihrem sozialen Engagement.» Bereits vor 20 Jahren haben Studien gezeigt, dass die breite Bevölkerung nicht die Verkündigung oder den Unterricht, sondern das soziale Engagement der Kirche anerkennt. «Niemand zweifelt die Hilfe für die Armen und die Schwachen an oder die Seelsorge in Spitälern und im Gefängnis», so die Kirchenrätin und nimmt Bezug auf die demografische Entwicklung in der Schweiz: «Es gibt immer weniger Reformierte. Eine kleinere Kirche darf aber nicht schwächer werden, sondern muss ihre Stärke behalten, indem sie weiterhin christliche Werte vertritt und umsetzt.»

Kämpferin für Frauenrechte
Sabine Dubach engagiert sich persönlich seit jungen Jahren für die Gleichstellung und die Rechte der Frauen. So hat sie vor zwei Jahren die Ausstellung «Willkommen zu Hause – eine Ausstellung gegen Gewalt in Familien und Partnerschaft» im Berufsbildungszentrum mitorganisiert und setzt sich für die «Orange days – 10 Tage gegen Gewalt an Frauen» ein. Letztes Jahr erstrahlte der Munot während dieser Tage in orangem Licht.

Der aktuelle Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention, welche die Staaten verpflichtet, Gewalt an Frauen zu ahnden, beschäftigt sie: «Das ist katastrophal, zumal diese Konvention gegen Gewalt an Frauen in der Türkei aufgestellt wurde. Das erweckt den Eindruck, dass das Thema in der Türkei nicht ernst genommen wird.» Doch auch bei uns sei Sensibilisierung wichtig: «Es braucht noch viel Öffentlichkeitsarbeit, gerade weil in der Schweiz so viele internationale Gremien beheimatet sind.»

Kraft schöpft die Schaffhauserin vor allem aus ihrer Familie: «Ich habe das Glück, seit 38 Jahren eine gute Ehe zu führen.» Ihr Erfolgsgeheimnis: «Ich habe mich nie über meinen Mann definiert, wir hatten beide unsere eigenen Betätigungsfelder.» Zusammen mit ihrem Mann widmet sie sich den Enkelkindern. «Das ermöglicht unseren Kindern und unseren Schwiegerkindern, dass beide Elternteile berufstätig sein können.» Inspiration findet Sabine Dubach auch in der Natur: «Im Tessin sehe ich jeweils in den wildwachsenden Christrosen die vollendete Schönheit unserer Schöpfung.»

Adriana Di Cesare


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