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Gesellschaft

Heilmittel Wasser

21.06.2021
Die Mitglieder des Kneippvereins Basel treffen sich regelmässig. Sie sind von der erfrischenden Wirkung des Wassertretens angetan.

«Müde ging ich ins Wasser, gestärkt wieder raus», sagt Dorothée Siefert, Co-Präsidentin des Kneippvereins Basel, der heuer sein 126-jähriges Bestehen feiert. «30 bis maximal 60 Sekunden Wassertreten reichen bereits, um das Immunsystem zu stärken.»

Von Mai bis September stapfen Vereinsmitglieder jeden ersten Dienstag im Monat im Storchenschritt konzentriert und rhythmisch durchs halbmondförmige Wasserbecken an der Ecke Mühlenberg/St.-Alban-Rheinweg. Die Szenerie versprüht gleichzeitig etwas von fröhlicher Leichtigkeit und harter Arbeit.

«Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern», lautet eines der Bonmots von Sebastian Kneipp, dem Begründer der Gesundheitsbewegung, bei der Wasser eine zentrale Rolle spielt.

Vor 200 Jahren erblickte der spätere katholische Priester Kneipp in Bayern das Licht der Welt. Die heilende Wirkung von Wasserkuren erkannte er, nachdem ihm zuvor Tauchbäder nach Doktor Hahn halfen, die eigene Lungenkrankheit zu besiegen. «Natürlichkeit und Einfachheit ist die Hauptsache.» So fasste Pfarrer Kneipp seine Naturheillehre zusammen.

Als Vorreiter des ganzheitlichen Naturheilverfahrens «predigte» er schon vor 150 Jahren mit seinen Säulen Wasser, Lebensordnung, Bewegung, Heilkräuter und Ernährung die fünf Punkte eines gesunden Lebensstils. In seiner Kurpraxis in Wörishofen wendete er sie später an und baute die Säulen zu einem umfassenden Behandlungssystem aus. Ab 1890 entwickelte sich Wörishofen zum eigentlichen Hotspot für Heilsuchende. Es kamen so viele Gäste, dass sie teilweise in den umliegenden Dörfern untergebracht werden mussten. Kneipp hielt nun täglich öffentliche Gesundheitsvorträge.

Sebastian Kneipps Abstecher nach Basel

Seine unzähligen Vortragsreisen führten ihn auch nach Basel. Einen Monat nach Gründung des hiesigen Kneippvereins trat er als Gastredner im Kleinbasel auf. Die 1600 Eintrittskarten waren bereits nach drei Stunden ausverkauft. Ende des 19. Jahrhunderts war Kneipp nach seinem Zeitgenossen Otto von Bismarck einer der bekanntesten Deutschen. Dem Wasserdoktor verdanke sie viel, sagt Dorothée Siefert: «Seit ich kneippe, bin ich praktisch nicht mehr erkältet und und fühle mich topfit.»

Toni Schürmann, 21.6.2021, Kirchenbote

 


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