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Kirche, Politik

Kirche, Politik und Bibel

01.01.2016
Auch wenn das Wort Politik in der Bibel nicht vor kommt, es gehört zum Kerngeschäft der Kirchen.

«... Aber es ströme wie Wasser das Recht, und die Gerechtigkeit wie ein unversieglicher Bach.»
Amos 5, 24. Zürcher Bibel 1980


Das Wort «Politik» kommt in der Bibel nicht vor. Soll ich daraus schliessen, dass fromme Leute sich aus dem heraushalten sollten, was wir heute «Politik» nennen? Nein. Denn auch Wörter, von denen man selbstverständlich annimmt, sie gehörten zum Kerngeschäft der Kirchen, kommen in der Bibel nicht vor: «Ethik» zum Beispiel, oder «Moral» oder «Religion».

Dass mir in biblischen Texten eine andere Sprache entgegenkommt als diejenige, die wir heute sprechen, ist manchmal lästig: Wie, zum Beispiel, soll ich mir die altmodischen Wörter «Sünde» oder «Frohlocken» in meinen Alltag hinein übersetzen? Was bedeutet es, dass Luther und Zwingli «Haus» oder «Geschlecht» sagen, wo wir heute eher von «Familie» sprechen? Ganz abgesehen davon, dass auch die alten Wörter aus der Reformationszeit Übersetzungen aus dem Hebräischen oder Griechischen sind? Und wie soll ich denn nun wissen, ob die Menschen aus biblischer Zeit sich für «politische» Fragen interessiert und engagiert haben, wenn sie das Wort nicht brauchten?

Für eine menschlichere Welt 
Die Distanz zwischen biblischer und heutiger Sprache hat aber auch Vorteile. Denn sie bringt mich dazu, mit anderen Wörtern zu umschreiben, was ich meine, wenn ich «Politik» sage. Geht es da um die Debatten im Nationalrat, um Parteiprogramme, Wahl- und Machtkämpfe? Geht es um die UNO, die NATO, die «Bilateralen»? All das kommt noch viel weniger in der Bibel vor.

Ich muss also einen Schritt zurücktreten und mich fragen: Worum geht es denn letztlich in Nationalratsdebatten oder bei der Klimakonferenz in Paris? – Um Macht, um Einfluss? Nein. Im Kern geht es bei aller Politik um die gute Gestaltung unserer gemeinsamen Welt, in Washington genauso wie in Wattwil, Betlehem oder Korinth. Das zum Beispiel könnten wir Frommen den Leuten, die sich «Politikerinnen» und «Politiker» nennen, wieder einmal deutlich sagen: Ob eure Partei die Wahl gewinnt, ist zweitrangig. Im Kern geht es in der Politik um etwas Anderes, nämlich darum, dass wir alle gemeinsam die Welt menschen- und weltfreundlich einrichten.

Der unversiegbare Bach
Und mit dieser Umschreibung der politischen Aufgabe wären wir dann wieder ganz nah bei der Bibel. Was, zum Beispiel, ist mit den Zehn Geboten gemeint? Geht es da nicht um eine Anleitung zur menschenfreundlichen Gestaltung unserer Welt? Und warum sollte Jesus meinen, dass «der Sabbat um des Menschen willen und nicht der Mensch um des Sabbat willen geschaffen ist», wenn es ihm nicht um unser aller Wohlsein ginge?

Für mich drückt der Prophet Amos sehr gut aus, wie sich GOTT selbst unser Zusammenleben vorstellt: nicht als eine Ansammlung von Schubladen, in die wir uns stecken, je nachdem ob wir gerade in der Kirche, zu Hause oder im Gemeinderat sitzen, ob wir gerade die Bibel, die Zeitung oder einen Liebesroman lesen. GOTT stellt sich unser menschliches Zusammenleben so vor: als einen einzigen Strom aus Liebe, Recht und Gerechtigkeit. Spielt es da noch eine Rolle, ob ich mein begeistertes Mittun in dieser einen grossen Bewegung «Politik» oder «Privatleben» oder «Religion» oder sonstwie nenne?

Text: Ina Praetorius, Wattwil | Bild: Lika Nüssli, St.Gallen – Kirchenbote SG, Januar 2016


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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