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Was hast Du, was ich nicht hab?

01.01.2016
«Erfolgreiche Evangelisation beginnt dann, wenn die Menschen anfangen, Fragen zu stellen», sagt Buchautor und Pfarrer Graham Tomlin an einem Podiumsgespräch.

Die Kirchen leeren sich. Eine Tatsache, die sich nicht abstreiten lässt. Auf die Frage, warum es die Kirchen nicht mehr schaffen, Menschen die Frohe Botschaft zu vermitteln, weiss der Londoner Pfarrer Graham Tomlin eine Antwort, die er in seinem Buch «Die provozierende Kirche» niedergeschrieben hat. «Was unterscheidet heute ein christliches Leben vom Leben aller anderen? nichts!»
Der christliche Lebensstil sei heute nicht mehr präsent, weil Religion zur reinen Privatsache geworden ist. Wenn aber das Christentum wieder eine gesellschaftliche Relevanz erhalten solle, müssten die Christen sich in ihrem Denken und Handeln von den anderen unterscheiden, erklärte Tomlin an einem Podium in der Gellertkirche.
Erst wenn christliches Leben sich von anderem unterscheidet, könne es andere Menschen zum Fragen provozieren, weil sie wissen möchten: «Was hast Du, was ich nicht hab?» Dann schlage die Stunde der Evangelisa­tion, wie schon Petrus geschrieben habe, «Seid immer bereit zur Verteidigung vor jedem, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung in euch» (1.Petrus 3,15).
Wie aber soll das geschehen? Kirchenratspräsident Lukas Kundert hat schon Mitte der 90er-Jahre zur Kenntnis genommen, dass die Kirchen von innen stark sein müssten, damit sie für andere attraktiv werden. «Das geht aber nur, wenn genügend Starke da sind, um den Schwachen zur Seite zu stehen. Und genau hier müsse man aufpassen, dass die Starken nicht überfordert würden, weil sie zu wenige sind.»
Dem Theologen Thomas Härry sind Tomlins Wege zu menschenzentriert. Er plädierte dafür, dass der christliche Mensch für andere zum Wegbegleiter werde, der aufzeige, wo Gott am Werk ist. Die Theologin Christina Aus der Au meinte, die Kirche müsse frecher werden, den Mut haben, anders zu denken. Für Pfarrer Roger Rohner ist wichtig, dass die Botschaft gelebt wird. «Wenn Gott für uns der Herr ist, dann sind wir davon befreit, selber Herr sein zu müssen. Das löst etwas aus, gibt uns Freiheit.» Eine Freiheit, die, so Thomas Härry, es uns erlaubt zu experimentieren und zu provozieren, selbst auf die Gefahr hin zu scheitern».



Graham Tomlin, Die provozierende Kirche, Gerth Medien, ISBN: 9783905789348, 19.80 Franken

Franz Osswald


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