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«Urwalddoktor» Albert Schweitzer: Sein Todesjahr wird zum Lebensjahr

01.01.2016
Vor 50 Jahren ist Albert Schweitzer gestorben. Nun hat das Spital in Lambarene, wo der Theologe und Arzt wirkte, eine neue Geburtsklinik bekommen dank einer grosszügigen Spende aus dem Emmental.

Albert Schweitzer hatte einen borstigen Schnauzbart, war ein Menschenfreund und betrieb im afrikanischen Lambarene ein Spital. Das ist sogar jenen bekannt, die sonst kaum etwas über den legendären Theologen und «Urwalddoktor» wissen. Heuer jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. Im Lambarene-Spital wird das Gedenken an den Verstorbenen zugleich zur Feier des Lebens: Diesen Frühling hat hier die neue Geburtsklinik den Betrieb aufgenommen.
Möglich machte den Bau unter anderem eine grosse Spendenaktion aus dem Emmental. Diese bernische Randregion ist nicht gerade für wirtschaftliche Power und Finanzkraft, dafür aber für ihren Käse und ihre Schwinger bekannt. Dennoch: 200'000 Franken kamen laut «Berner Zeitung» zusammen, und weitere 800'000 Franken steuerte der Schweizer Hilfsverein für das Urwaldspital im Staat Gabun bei.

Der Urwalddoktor und der Bretzeli-König
Dass sich ausgerechnet das Emmental um das Wohlergehen des Schweitzer-Spitals kümmert, kommt nicht von ungefähr. Albert Schweitzer, der gebürtige Elsässer, pflegte zu mehreren Personen im Emmental freundschaftliche Beziehungen. Zum Beispiel zum «Bretzeli-König» Oscar Kambly, dem Gründer der gleichnamigen, heute schweizweit bekannten Biskuitfabrik. Oder zur Lehrerin Anna Joss in Kröschenbrunnen, die zur Unterstützung des Spitals regelmässig selbst angebautes Dörrgemüse nach Afrika schickte.
Auch anderweitig sind Lambarene und das Emmental verbandelt. Den Vorsitz über die Stiftung des Albert-Schweitzer-Spitals hat aktuell der Emmentaler Arzt Daniel Stoffel, und Präsident des Schweizer Hilfsvereins ist Fritz von Gunten, langjähriger Kulturpromotor im Gotthelf-Dorf Lützelflüh.

Zu Ehren des Gründers
Diese enge Verbundenheit der Berner Voralpenregion zum afrikanischen Wirkungsort Albert Schweitzers führte letzthin zu einer Initiative der Emmentaler Rotarier. Sie sammelten in der eigenen Region, aber auch schweizweit Geld für ein neues Geburtshaus am Spital in Lambarene. Nach einem Jahr Bauzeit ist die Klinik «Helene und Albert-Schweitzer-Bresslau» nun betriebsbereit. Offiziell eingeweiht wird sie am 4. September zum 50. Todestag Schweitzers.
Ein Gynäkologe, zwei Hebammen und zwölf Pflegende haben die Arbeit bereits aufgenommen. Das gesamte Spital beschäftigt 270 Personen und ist somit die grösste Arbeitgeberin in Lambarene.
Das erste Kind, das im neuen Geburtshaus das Licht der Welt erblickte, ist ein Bub. «Gemäss afrikanischem Brauch wurden der Mutter mehrere Namensvorschläge unterbreitet», sagt Fritz von Gunten, der diesen Frühling in Lambarene zu Besuch war. Die Wahl fiel sinnigerweise auf Albert.


Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».


Zum Bild: Die neue Geburtsklinik im Spital Lambarene ist bereits in Betrieb.
ZVg

Hans Herrmann / reformiert.info


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