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Politik

Regionale Armutskonferenz: Politiker diskutieren über Familienarmut

30.09.2016
Arme Familien sollen nicht von der Sozialhilfe abhängig sein. Darum lancieren die Caritas und ATD Vierte Welt eine Initiative für Ergänzungs-leistungen. Im Landratssaal in Liestal diskutieren Politiker darüber, wie sie Familienarmut verhindern wollen.

«Rund eine Viertelmillion Eltern und Kinder sind in der Schweiz von Armut betroffen. Bei Familien mit drei und mehr Kindern trifft es jede zwölfte, bei Alleinerziehenden jede sechste Familie.» Diese Zahlen erhob die Caritas für das Jahr 2015. Die Kosten für die Kinder seien ein Hauptgrund für die Armut von Familien. Gemäss dem Bund kostet ein Kind die Eltern jährlich rund 11 000 Franken. Alleinerziehende mit einem Kind müssen sogar 14 500 Franken ausgeben.

Jetzt wollen die Caritas beider Basel und ATD Vierte Welt Region Basel mit Unterstützung der Kirchen die Politik auf die Familienarmut aufmerksam machen. Am 17. Oktober, dem UNO-Welttag zur Überwindung der Armut, veranstalten sie im Landratssaal in Liestal eine regionale Armutskonferenz zum Thema «Familienarmut: Was können wir dagegen tun?».

Fehlende Lebenschancen
Zu einer guten Familienpolitik gehört gemäss Caritas, dass die Eltern Kinderbetreuung und Beruf vereinbaren, sich weiterbilden und ihre Kinder fördern können. Diese Möglichkeiten müssten auch armen Familien offenstehen, denen es oft an Lebenschancen und Perspektiven mangle.

«Wir wollen, dass Armutsbetroffene und sozial Ausgegrenzte von der Gesellschaft gehört werden und dass Politiker sensibler werden», sagt Claude Hodel von ATD Vierte Welt zum Ziel der Konferenz. Die Organisation setzt sich für Arme ein, indem sie ihre Interessen anwaltschaftlich vertritt und mit ihnen zusammenarbeitet.

Die Betroffenen sollen in Liestal selber zu Wort kommen und beteiligen sich an der Veranstaltung. «Die Konferenz soll nicht bloss eine Debatte unter Politikern und Fachleuten sein, sondern eine direkte Begegnung mit Armutsbetroffenen von Basel bis Lörrach», so Hodel.

Weg von der Sozialhilfe
Gleichzeitig lancieren Caritas und ATD Vierte Welt die Initiative «Ergänzungsleistungen für Familien». Wie eine Umfrage der Caritas gezeigt hat, betreibt «nur eine Minderheit der Kantone eine systematische Familienpolitik, die darauf abzielt, entweder Armut zu verhindern oder Armut zu bekämpfen».

Ergänzungsleistungen für Familien betrachtet das Hilfswerk als «zentrales Instrument zur Bekämpfung von Familienarmut». Denn Armut solle «verhindert und nicht bloss durch Zuschüsse der Sozialhilfe abgefedert werden». «Ergänzungsleistungen bringen Familien spürbare finanzielle Entlastung», erklärt Claude Hodel. Zum Beispiel wenn das monatliche Einkommen einer Familie mit zwei Kindern trotz Vollzeit-Job des Vaters und samt Kinderzulagen nicht mehr als 4900 Franken beträgt.

Landräte auf dem Podium
Regierungsrat Anton Lauber, Baselbieter Finanz- und Kirchendirektor, wird die Armutskonferenz eröffnen. Neben Kurzreferaten von Bettina Zeugin, Caritas beider Basel, und Carlo Knöpfel, Dozent an der Hochschule für soziale Arbeit in Basel, diskutieren auf dem Podium die Landrätinnen Marie-Therese Beeler, Sabrina Corvini und Regula Meschberger und die Landräte Jürg Wiedemann und Paul Wenger. Frank Lorenz, Co-Leiter Offene Kirche Elisabethen, moderiert die Veranstaltung.

Karin Müller / 30. September 2016

«Familienarmut: Was können wir dagegen tun?», regionale Armutskonferenz am UNO-Welttag zur Überwindung der Armut: Montag, 17. Oktober, 17–20.30 Uhr, Landratssaal, Rathausstrasse 2, Liestal


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