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Menschenrechtstag

75 Jahre Erklärung der Menschenrechte

von Tilmann Zuber
min
22.12.2023
Mit einer Feier gedachte Olten des 75. Jahrestags der Erklärung der Menschenr­echte. Nationalrat Felix Wettstein betonte, dass heute die soziale Ungleichheit die Menschenrechte bedrohe.

Am 10. Dezember 1948 verlas Eleanor Roosevelt vor den Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erkl√§rung der Menschenrechte. Es war ein erhebender Moment, der hoffnungsvoll in die Zukunft wies. Endlich konnte die Welt die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs hinter sich lassen. ‚Äď So die Hoffnung.

75 Jahre später in der Klosterkirche Olten: Anlässlich des Menschenrechtstags fanden sich rund 90 Besucherinnen und Besucher im Gotteshaus ein. Auffallend viele Migranten sassen in den Kirchenbänken. Als Gäste waren die Autorin Rebekka Salm, Nationalrat Felix Wettstein und der Journalist Itibar aus Aserbaidschan eingeladen.

Recht auf Staatsangehörigkeit

Rebekka Salm erinnerte daran, wie wenig man von etwas wisse, wenn man nicht davon betroffen sei. Das gelte gerade f√ľr die Menschenrechte und deren Verletzungen. Die wenigsten w√ľssten, dass dazu das Recht auf Meinungs- und Religionsfreiheit, das Recht auf Leben oder das Recht auf eine Staatsangeh√∂rigkeit z√§hlten. Trotzdem h√§tten heute 4,5 Millionen Menschen keinen Pass und k√∂nnten weder reisen noch w√§hlen. Umso dringlicher sei es, sich um die Menschenrechte zu k√ľmmern.

Das verdeutlichte der Bericht von Itibar. Der Journalist lebt heute als Fl√ľchtling in der Schweiz. In seiner Heimat Aserbaid¬≠schan gebe es keine Meinungsfreiheit. Die Herrscherfamilie Aliyev unter¬≠dr√ľcke jegliche Opposition. Der Staat verfolge Dissidenten und Journalisten, die Arbeit des Europarates und von Menschenrechts¬≠organisationen werde systematisch behindert. Itibar selbst wurde verhaftet und im Gef√§ngnis gefoltert. Mit Gewalt und Unterdr√ľckung wolle sich der Familienclan an der Macht halten, so Itibar. Und die Welt schaue tatenlos zu.

Ungleiche Verteilung

Felix Wettstein erkl√§rte, dass heute soziale Ungerechtigkeit die Menschenrechte gef√§hrde. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander, erkl√§rte der Nationalrat. Die ungleiche Verteilung des Reichtums bedrohe die Niederlassungsfreiheit und das Recht auf Wohlfahrt. Sozial Schwache k√∂nnten sich heute nicht mehr aussuchen, wo sie leben wollten. ¬ęDie hohen Krankenkassenpr√§mien treffen die √Ąrmsten am h√§rtesten. Und bei der Pisa-Studie schneiden die Kinder aus finanzschwachen Familien schlechter ab.¬Ľ Leider f√§nden diese Themen in Bundesbern wenig Beachtung, erkl√§rte Wettstein.

In Stille gedachten die Besucher der Opfer von Folter und Verfolgung und z√ľndeten vor dem Altar Kerzen an. Hinten in der Kirche lagen Petitionsb√∂gen zur Unterschrift auf. Die Aktion Christinnen und Christen gegen die Folter (ACAT) ruft da zum Protest gegen die Todesstrafe f√ľr Jugendliche in Saudi-Arabien auf.

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