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Leben & Glauben

Hoffnung schimmert und Schatten weichen

26.04.2018
Das Musical «Hoffnungs­Schimmer» zeigt den Weg vom Dunkel ins Licht. Am 27. Mai kommt das Bühnenwerk nach Schaffhausen in die Zwinglikirche.

Die Menschen warten ungeduldig auf Jesus von Nazareth. Er erscheint und bahnt sich seinen Weg durch die aufgeregte Menschenmenge. Weit von ihm entfernt kämpft der blinde Bartimäus mit dunklen Schatten, die ihm den Weg zum Messias versperren. Dann erklingt die Stimme Gottes. Die Schatten weichen. Und Bartimäus packt seine Chance, zu Jesus zu gelangen. In einem Tenorsolo bittet Jesus seinen himmlischen Vater um Hilfe für Bartimäus. Dann folgt ein starker Moment: Jesus schenkt dem Blinden sein Augenlicht. Und Bartimäus beginnt zu sehen. 
Diese Szene ist das Kernstück im Musical «Hoffnungs-Schimmer», das die Geschichte des blinden Bartimäus nach Markus 10, 46-52 erzählt. Wiederum haben sich die beiden Akteure, Britta Schönberger, Pfarrerin und Librettistin, und Carlos Greull, Komponist, Regisseur und Schauspieler, im Auftrag der Reformierten Kirchgemeinde Rafz zusammengetan, um einen biblischen Stoff mit Projektchor, Tanzensemble, Musiker und Gesangssolisten auf die Bühne zu bringen. 
Nach der Tournee im Jahr 2016 mit dem Musical «Ursprung in die Liebe» heisst es nun «Bühne frei» für das Musical «Hoffnungs-Schimmer». Der Projektchor mit Mitgliedern zwischen 14 und 75 Jahren probt dafür bereits seit einem Jahr in der Kirche Rafz.

Brandaktuelle Geschichte

Vor einigen Wochen sind die Gesangssolisten dazugestossen. Der Zürcher Tenor Jürg Peter verkörpert die Figur von Jesus, die Schaffhauser Sängerin Adriana Schneider die Stimme Gottes. In die Rolle des Bartimäus schlüpft Carlos Greull, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet.  Ein Tanz-ensemble mit jugendlichen Tänzerinnen und einem Tänzer stellen die dunklen Schatten dar, die die Menschen plagen und von Gott fernhalten. Sie tanzen nach einer Choreografie des Schaffhauser Tanzartisten Donato Di Cesare.
Für Britta Schönberger ist die Geschichte des blinden Bartimäus brandaktuell. «Wir alle beginnen unser Leben blind im Dunkeln und erblicken das Licht der Welt.» Bartimäus ist als deutliche Figur gezeichnet, die ruft, fordert, bittet, klagt und dankt. «In uns allen löst Blindheit eine Urangst aus, ohne Licht ist unsere Existenz gefährdet. Der Blinde kommt uns nahe, wir können ihn verstehen», dazu die Pfarrerin. 
Jesus geht auf Bartimäus zu und öffnet ihm die Augen. «Licht fällt hinein. Das ist der Impuls für unseren «Hoffnungs-Schimmer». Er zeigt, dass Gott unablässig Leben hervorbringt und schenkt. Dadurch verliert die Finsternis ihren Schrecken», so Schönberger.
Bartimäus-Darsteller Carlos Greull ist selbst sehbehindert und kennt die damit verbundenen Probleme aus eigener Erfahrung. Um sich in den Blinden hineinzuversetzen, hat er von der ersten Bühnenprobe an mit geschlossenen Augen geübt. «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sehr schnell ein Sensorium entwickelt, wodurch man ohne zu sehen, die Menschen in der Umgebung wahrnimmt.» Als Komponist hat Carlos Greull versucht, die Stimmungen der Situationen und die Charaktere der Rollen zum Klingen zu bringen. «Die Musik ist aus dem Zusammenhang heraus leicht zu verstehen, ohne bloss gefällig zu sein», sagt er. 

Sehnsucht nach Erlösung

Die Autoren sind sich einig, dass es anspruchsvoll ist, einen biblischen Stoff ohne Pathos auf die Bühne zu bringen. Ganz besonders gilt das für die JesusFigur. Für seine Rolle beschäftigt sich der Tenor Jürg Peter intensiv mit -Jesus. «Jesus eine Stimme zu geben, ist eine sehr grosse Ehre und eine mystische Erfahrung für mich», sagt er und erläutert: «In vielen Menschen, auch in mir, schlummert eine tiefe Sehnsucht nach einer Erlöserfigur, einem Menschen nah bei Gott, welcher die Last der Menschen, ihre Irrtümer und Fehler und ihre Verlorenheit tragen hilft und einen Weg zum Guten vorlebt.» Infos und

Adriana Schneider / 26.04.18