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Religionen

Imam, Rabbiner, Diakon und Vorbeter erhalten Dialogpreis der Juden

Erstmals verliehen zwei jüdische Organisationen einen Schweizer «Dialogpreis». Das soll Austausch und Aufklärung fördern, sagen die Initianten.

Der neuen interreligiösen Auszeichnung verlieh am 29. Mai in Bern Bundespräsident Alain Berset durch seine Anwesenheit Bedeutung. «Wir leben in paradoxen Zeiten», sagte er in seiner Festrede. Einerseits hätten die Menschen die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und über Grenzen hinweg auszutauschen. Andererseits würden insbesondere über Soziale Medien Gerüchte und Unwahrheiten gestreut, so dass sich Intoleranz, Fremdenhass und Antisemitismus weiter ausbreiteten. «Wir dürfen nicht aufhören, die Aufklärung weiterzuführen» sagte Berset.

Verliehen wurde der erste «Dialogpreis Schweizer Juden» vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) und von der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS). Ausgezeichnet wurden Imam Muris Begovic (Schlieren ZH), Rabbiner Noam Hertig (Israelische Cultusgemeinde Zürich), der protestantische Diakon Maurice Gardiol und der jüdische Vorbeter Eric Ackermann von Genf. Der Preis ist mit zweimal 10‘000 Franken dotiert und soll für ein gemeinsames Dialogprojekt eingesetzt werden.

«DER Preis»
Für den ausgezeichneten Imam Muris Begovic ist der Preis «DER Preis, nicht irgendeiner», wie er auf Anfrage sagte. Dass er zusammen mit dem jüdischen Preisträger Noam Hertig bisher tatsächlich bedeutsame Arbeit geleistet habe, werde ihm nun erst bewusst.

Der Preis wirke auf zwei Arten: «Er zeigt einer breiten Öffentlichkeit, dass es so etwas überhaupt gibt und inspiriert vielleicht andere, Ähnliches anzustossen. Und für uns ist er eine grosse Unterstützung und wird uns dabei helfen, ein paar unserer vielen Ideen zu verwirklichen.»

Starkes Zeichen
Der ebenfalls ausgezeichnete Rabbiner Noam Hertig von der Israelischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) wertet den Dialogpreis als «starkes Zeichen» der beiden jüdischen Dachverbände, dass sie die Wichtigkeit des Dialogs nicht nur erkennen, sondern aktiv fördern – im Allgemeinen und den muslimisch-jüdischen Dialog im Speziellen.

Und es sei eine Bestätigung für ihn, dass kein Weg am Dialog vorbeiführe, sagte Hertig: «Für unsere Arbeit ist dieses Zeichen sehr wertvoll. Es zeigt auch unserem Umfeld, das uns unterstützt und unsere Arbeit überhaupt möglich macht, dass wir alle zusammen in die richtige Richtung steuern.»

Jahrelanger Austausch
Noam Hertig und Muris Begovic förderten seit Jahren den Austausch zwischen Juden und Muslimen, sagte FDP-Nationalrat Beat Walti, Co-Präsident der Parlamentarischen Gruppe gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, in seiner Laudatio. Die beiden leiteten auch die erste jüdisch-muslimische Dialogveranstaltung von SIG/PLJS und den muslimischen Dachverbänden KIOS und FIDS.

Auf Anfrage zu den Hintergründen des Dialogpreises sagte Jonathan Kreutner, Generalsekretär des SIG, der SIG engagiere sich schon seit Jahren für mehr Austausch, Aufklärung und Dialog zwischen den Menschen. «Mit der Preisverleihung wollten wir dieser Arbeit mehr Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit verschaffen und den Dialog nachhaltig stärken.» Eine weitere Ausgabe sei noch nicht konkret geplant, aber: «Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht das letzte Mal war.»

Der Abend «Dialogpreis Schweizer Juden» endete ganz im Sinne des Dialogs – während des Ramadans mit einem gemeinsamen Fastenbrechen von Muslimen, Juden und Christen.

Marius Schären, reformiert.info, 30. Mai 2018

Vorzeigeprojekt für Jugendliche
An der Verleihung des Dialogpreises präsentierte die Grüne Nationalrätin Lisa Mazzone auch das Projekt Likrat (aus dem Hebräischen «aufeinander zu»). Dabei werden jüdische Jugendliche in eine Schulklasse eingeladen und stellen ihr Judentum vor. Dank der Auseinandersetzung mit einer anderen Religion entsteht Sensibilisierung und Toleranz gegenüber dem Judentum und anderen Minderheiten. Das seit Jahren erfolgreiche Schweizer Dialog-Projekt wurde bereits ausgeweitet nach Deutschland, Österreich und Moldawien.