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Ab 1. Juni offiziell: Fusion steht

01.01.2016
St. Johann und Münster haben sich zu einer Kirchgemeinde zusammengeschlossen. Kirchenstand und Mitarbeitende erhoffen sich von den Gemeindemitgliedern Flexibilität und den Mut, sich auf Neues einzulassen.

Die Schaffhauser Stadtkirchen St. Johann und Münster standen schon immer nah beisammen. Nun feiern die beiden Kirchgemeinden Hochzeit und laden am letzten Wochenende im Mai zum grossen Fest. Es setzt den Schlusspunkt eines Fusionsprozesses, der an der Volksabstimmung vom 9. Februar entschieden worden war. Ein Schlusspunkt, der Aufbruch bedeutet. «Wir wollen die Präsenz der Kirche im Alltag verstärken», sagt Walter Isler, Präsident der neuen Kirchgemeinde Schaffhausen-St. Johann-Münster. Durch die Fusion sei es möglich, Pfarramt, Sozialdiakonie und Mitarbeitende von administrativen und organisatorischen Aufgaben zu entlasten. «So bleibt mehr Zeit für seelsorgerische Aufgaben und für die Diakonie», sagt Isler. Dies sei in Zeiten des Umbruchs besonders wichtig.
«Wir möchten die Nähe zu unseren Mitgliedern aufrechterhalten und möchten auch neue Angebote entwickeln.» Ziel sei nicht, das gewohnte Bild der bisherigen Kirchgemeinden grundlegend zu verändern. Der neue Kirchenstand habe aber die Aufgabe, das Profil der Kirchgemeinde zu erarbeiten und sichtbar zu machen. Walter Isler ist optimistisch. «Der erste Schritt ist getan. Nun heisst es, die neue Struktur praktisch umzusetzen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt und neuen Schwung bringt.»

Anspruchsvoller Fusionsprozess
Auch für Felix Ott, Kirchenstandspräsident der Münstergemeinde ist der Zusammenschluss der beiden Stadtkirchen eine erfolgreiche Sache. «Die Vielzahl der Kirchgemeinden in der Stadt, ihre komplexe Organisation und das sich voneinander abgrenzende Denken und Handeln erstaunten mich immer sehr. Das war aber Antrieb, etwas zu ändern.» Der Fusionsprozess sei anspruchsvoll. «Überall ergeben sich neue Arbeitsabläufe. Alles will abgesprochen sein, bisher selbstständiges Handeln muss nun im Team erfolgen.» Das sei für die Betroffenen schwierig. «Die menschlichen Aspekte sind zweifellos die grösste Herausforderung an diesem Projekt.»

Verband fördert Autonomie
Beide Präsidenten betonen, dass der Zusammenschluss ohne den grossen Einsatz und das Verständnis der Mitarbeitenden nicht möglich gewesen wäre. Auch die Unterstützung durch den städtischen Kirchgemeindeverband sei eine tragende Säule gewesen. Mit dem Zusammenschluss von St. Johann und Münster haben zwei Verbandsgemeinden fusioniert. Die Kirchgemeinde Zwingli, ebenfalls Verbandsgemeinde, hatte vor einem Jahr ihrerseits Interesse an der Fusion bekundet.
Lässt sich daraus ableiten, dass der Verband Fusionen fördert? Beat Stöckli, Präsident des städtischen Kirchgemeindeverbandes, verneint dies. «Der Verband schützt die Autonomie der Kirchgemeinden durch seine Funktion als Dienstleister. Wenn Kirchgemeinden Vorteile in einer engeren Zusammenarbeit sehen, ist das ein Nebeneffekt, keinesfalls aber Hauptzweck des Verbandes.» Wenn sich jedoch ein Zusammenschluss ergebe, unterstütze der Verband die ihm angeschlossenen Kirchgemeinden mit professionellem Know-how immer mit dem Ziel, dass die Kirchgemeinden ihr Hauptaugenmerk auf das kirchliche Leben richten können. Und das verändert sich durch eine Fusion spürbar.

Mehr Freiwillige erwünscht
Auch der Bereich Sozialdiakonie, gemeinsam geleitet von Ruth Gehring und Ursula Schwarb, erfährt Veränderung. Das Zusammenführen von Freiwilligenteams sei anspruchsvoll. «Die einzelnen Gruppen werden grösser und müssen sich zuerst kennenlernen», sagt Ruth Gehring. «Dies kann schwierig sein, wenn unterschiedliche Gepflogenheiten herrschen. Wir müssen Kompromisse finden.» Eine grössere Kirchgemeinde benötigt auch mehr Freiwillige. Noch sind nicht alle Vakanzen abgedeckt.
Freiwillige müssen deshalb auf vielen Ebenen gesucht werden. Durch Mund-zu-Mund-Werbung, Inserate und auf der Website der Kirchgemeinde, die eine Seite für Freiwilligenarbeit mit Angeboten enthalte.

Bewährtes und offene Fragen
Das Pfarrteam, bestehend aus den drei Pfarrpersonen Beatrice Heyeck-Vögelin, Heinz Brauchart und Matthias Eichrodt, rückt durch den Zusammenschluss noch näher zusammen. «Ich freue mich auf die kollegiale Zusammenarbeit mit kompetenten Menschen, die ungefähr die gleichen Ziele haben wie ich», sagt Heinz Brauchart, der sich für die neue Kirchgemeinde und ihre Mitglieder besonders den jungen Mut zum Dabeibleiben und Mitmachen, Mut zu Kritik und Ehrlichkeit wünscht.
Beatrice Heieck-Vögelin freut sich, dass die langjährige Zusammenarbeit nun auch äusserlich zu einem Ganzen zusammengefügt wird. «Ich hoffe, dass wir die Gemeinde weiter aufbauen und neue Akzente setzen können.» Den Gemeindemitgliedern wünscht sie die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.
Für Matthias Eichrodt ist die Fusion «wie eine Heirat nach einer längeren Verlobungszeit». Äusserlich werde der Zusammenschluss am Hochzeitsfest Ende Mai sichtbar. Eichrodt erhofft sich viele Hochzeitsgäste und verrät ein kleines Geheimnis: «Der Kugelschreiber mit den Insignien der neuen Kirchgemeinde, den alle Festbesucher erhalten werden, lädt alle ein, die Geschichte der beiden Kirchgemeinden nun gemeinsam weiterzuschreiben.»

Adriana Schneider


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