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Tanja Steger Hodel will David A. Weiss folgen

01.01.2016
An der Synode am Mittwoch, 17. Juni, wird das Präsidium des Synodalrats neu gewählt. Der jetzige Präsident, David A. Weiss, hatte im Winter seinen Rücktritt auf Ende August erklärt. Zurzeit einzige Kandidatin für das Amt ist Tanja Steger Hodel. Die 36-jährige Juristin aus Ebikon ist seit 2011 Synodalrätin und zuständig für das Ressort Recht.

Frau Steger Hodel, was sehen Sie als wichtigste Aufgaben der Kirche im Moment?
Der Gesellschaft und den Menschen Sorge zu tragen. Besonders in der heutigen hektischen Zeit von «Alles ist machbar», scheint es mir wichtig, eine Alternative zu bieten. Eine Ergänzung für Bedürfnisse, welche im Berufs-, Familien- und Freizeitalltag vielleicht zu kurz kommen.

Bei welchen Themen muss die Kirche öffentlich Stellung beziehen?
Zu Themen, die den Menschen und seine Werte ins Zentrum stellen. Zum Beispiel in Fragen betreffend Pränataldiagnostik, Palliativ-Care oder Asyl- und Flüchtlingsfragen. Diese Fragen sind gesellschaftlich und politisch brisant. Die Kirche soll die Gesellschaft in diesen Fragestellungen aktiv begleiten.

Was ist Ihnen als mögliche Synodalratspräsidentin wichtig?
Mein Anliegen ist es, dass sich die reformierte Landeskirche ein klares Profil gibt. Es soll keine Gleichmacherei entstehen, aber dennoch müssen wir als Luzerner Reformierte erkennbar sein. Ich bin davon überzeugt, dass dem Mitgliederschwund nur mit einem klaren Profil längerfristig entgegengewirkt werden kann. Doch dazu müssen wir wissen, wer wir sind, was wir tun und für was wir einstehen.

Um wen muss sich die Kirche in Zukunft besonders kümmern?
«Die Schwächsten der Gesellschaft» ist hier ein gern genannter Begriff. Ich frage mich, woran misst man die Schwäche? An den finanziellen Mitteln, welche einer Person zur Verfügung stehen oder an einer geringeren Bildung? Auch ein gebildeter und finanziell gut situierter Mensch kann sich in Umbruchphasen seines Lebens «schwach» fühlen. Oder ein Jugendlicher, welcher alles Materielle hat, jedoch «anderes» benötigt.
Auch diese Menschen sind auf Unterstützung angewiesen. Somit muss sich die Kirche auch künftig um alle Menschen unabhängig ihres Status kümmern.

Wie sieht es mit dem Dialog mit anderen Kulturen und Religionen aus?
Im Kanton Luzern übernimmt die Landeskirche eine aktive Rolle im interreligiösen Dialog, sei dies durch Veranstaltungen wie «Unter einem Dach», für den eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag oder in regelmässigen Treffen. Die Diskussionen gehen dahin, das Gemeinsame zu betonen und zu pflegen und nicht das Trennende. In einer Welt, wo immer häufiger verschiedene Kulturen und vordergründig religiöse Überzeugungen aufeinandertreffen, ist der Dialog zwingend notwendig.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube in Ihrem Alltag?
Der Glaube gibt mir Kraft und Halt in herausfordernden und schwierigen Lebenssituationen. In Krisen gibt er mir Hoffnung, dass am Ende einer dunklen Zeit immer wieder das Licht kommt.


Zum Bild: «Mein Anliegen ist es, dass sich die reformierte Landeskirche ein klares Profil gibt»: Tanja Steger Hodel.

Interview: Annette Meyer zu Bargholz


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