Aufarbeitung nach Rücktritt wegen Hass und Drohungen
Nach dem Rücktritt von Lea Blattner wegen Hass und Drohungen startet die EVP Schweiz einen Aufarbeitungsprozess. Eine unabhängige Anlaufstelle soll Betroffene künftig schützen.
Die EVP Schweiz und die abtretende Co-Präsidentin der Jungen EVP, Lea Blattner, haben einen gemeinsamen Aufarbeitungsprozess eingeleitet. Dieser soll Betroffene künftig besser vor Hass und Drohungen schützen und den respektvollen Umgang innerhalb der Partei stärken. Das gaben die EVP Schweiz und Blattner am Donnerstag in einer gemeinsamen Medienmitteilung bekannt.
Blattner hatte Mitte Januar ihren Rücktritt aus dem Co-Präsidium der Jungen EVP sowie aus weiteren Parteigremien auf den Frühling 2026 angekündigt. Als Grund nannte sie Hass und Drohungen, die sie seit ihrem Coming-out erhalten habe. Die EVP verurteilte daraufhin Hass, Drohungen und Anfeindungen in einer Stellungnahme klar.
Vor wenigen Tagen fand ein erstes persönliches Treffen zwischen Blattner und einer Vertretung der Parteileitung statt. Dabei wurde der Start des Aufarbeitungsprozesses vereinbart.
Unabhängige Anlaufstelle geplant
Die Partei will konkrete Massnahmen umsetzen: Geplant ist die Einrichtung einer unabhängigen Anlaufstelle für Mitglieder, die mit Hass, Drohungen, Diskriminierung oder belastenden Konflikten konfrontiert sind. Zudem sollen weitere Schritte geprüft werden, um das Umfeld innerhalb der Partei sicherer zu machen. Dabei werden auch externe Fachpersonen beigezogen. Die konkreten Details befinden sich noch in Ausarbeitung.
Keine eindeutige Zuordnung zu Parteimitgliedern
Laut EVP liegen derzeit nur noch vereinzelte Hassnachrichten vor, die überprüft werden konnten. Blattner hatte in den letzten Monaten den Schutz ihrer psychischen Gesundheit und ihrer persönlichen Sicherheit priorisiert. Auf Basis der vorliegenden Nachrichten gebe es keine Hinweise, die eine eindeutige Zuordnung zu Parteimitgliedern zulassen würden. Die Partei betont, dass dies dem aktuellen Kenntnisstand entspreche und nicht als Relativierung von Blattners Erfahrungen zu verstehen sei.
Gegen den Absender eines anonymen Drohbriefes hat Blattner mit Unterstützung der EVP Strafanzeige eingereicht. Die Ermittlungen laufen.
«Mir ist wichtig, dass aus meinen Erfahrungen konkrete Verbesserungen entstehen», wird Blattner in der Medienmitteilung zitiert. Die Aufarbeitung solle dazu führen, dass es sicherer werde, Verantwortung in der EVP zu übernehmen.
François Bachmann, Vize-Präsident der EVP Schweiz, erklärt: «Die EVP nimmt ihre Verantwortung ernst. Wir setzen alles daran, unsere Mitglieder gut zu schützen und ein respektvolles Miteinander auf allen Ebenen sicherzustellen.»
Aufarbeitung nach Rücktritt wegen Hass und Drohungen