News aus Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Zentralschweiz, Schaffhausen

«Bei uns zeigen sich die tödlichen Konsequenzen des Klimawandels»

min
29.03.2019
Die Taifune auf den Philippinen werden immer stärker, das Meer erwärmt sich und die küstennahen Böden versalzen. Bembet Madrid, langjährige Mitarbeiterin von «Fastenopfer» und Gast während der Ökumenischen Kampagne, erklärt, wie existentiell die Menschen auf den Philippinen vom Klimawandel betroffen sind.

Jugendliche protestieren in Europa, damit das Thema Klimawandel endlich auf die politische Agenda kommt. Eine gute Nachricht f√ľr die Philippinen?
Der Klimawandel ist f√ľr uns tats√§chlich ein existenzielles Thema. Wir geh√∂ren zu den Weltregionen, wo sich schon heute in ganz einschneidender und todbringender Konsequenz die Folgen der Erderw√§rmung zeigen.

Wie wird das auf den Philippinen konkret sichtbar?
Bei uns wechselt sich in einem immer schnelleren Rhythmus extreme Trockenheit mit sturzflutartigen, zerst√∂rerischen Taifunen ab. 2013 machte der Taifun ¬ęHaiyan¬Ľ Millionen von Menschen obdachlos. Damals wurden noch nie gemessene Windgeschwindigkeiten registriert von 350 Kilometer in der Stunde. Solche Katastrophen treffen arme L√§nder wie die Philippinen besonders stark. Denn hier fehlen oft Notfallpl√§ne, um die Bev√∂lkerung zu evakuieren. Dies sehen wir aktuell auch in Mosambik. Die Partnerorganisationen von Fastenopfer sind deshalb auch dabei, mit lokalen Komitees zusammen Pl√§ne auszuarbeiten, um im Falle einer erneuten Katastrophe Todesopfer zu vermeiden. Diese Risikominderung hat sich bew√§hrt.

Mit der Nothilfe aus der Schweiz wurden auch zerstörte Häuser wiederaufgebaut. Wie aber erging es den Anbauflächen der Kleinbauern nach dieser Katastrophe?
Grunds√§tzlich ist die Landfrage eines der gr√∂ssten Probleme auf den Philippinen. Wir haben von der spanischen Kolonialherrschaft das System der grossen Haciendas geerbt. Das meiste Land, und vor allem das beste Land, ist bis heute im Besitz der Grossgrundbesitzenden. Die Kleinb√§uerinnen und Kleinbauern m√ľssen sich mit k√ľstennahen und damit den Katastrophen st√§rker ausgesetzten Landst√ľcken begn√ľgen.

Aber nach der grossen Flut lässt sich auf den salzigen Böden nichts mehr anbauen.
Versalzene B√∂den werden uns als Resultat der verst√§rkten Taifune dauerhaft besch√§ftigen. Wir unterst√ľtzen deshalb B√§uerinnen und Bauern, die versuchen, salztolerante Reispflanzen zu z√ľchten. Einer unserer Bauern ist dabei ohne Universit√§tsstudium zum Agrarwissenschaftler geworden. Er experimentiert mit 350 neuen Sorten und scheint einen erfolgreichen Weg eingeschlagen zu haben.

Die Landbev√∂lkerung wird also nicht nur beraten und mit neuem Saatgut versorgt, sondern z√ľchtet selber neue Sorten?
Wir wollen, dass das Saatgut wieder in die Hand der Bauern kommt und ermuntern sie zu eigenen Z√ľchtungen. Sie sollen die alten, widerstandsf√§higeren Sorten wiederentdecken und sich damit unabh√§ngig von den Hybridsorten der Saatgutkonzerne machen, die obendrein die giftigen Spritzmittel liefern. Hybridreis und Pestizide verursachen grosse Kosten, so dass viele Familien tief verschuldet sind. Der √∂kologische Landbau ist deshalb auch ein Weg aus der Armutsfalle.

Zur√ľck zum Klimawandel: Viele Kleinbauernfamilien an der K√ľste leben gleichzeitig auch von der Fischerei. Wie wirkt sich der Klimawandel auf das Meer aus?
Viele Korallenriffe, die Heimat f√ľr die Fische sind, wurden durch die Erw√§rmung der Meere ausgebleicht und sind abgestorben. Immer st√§rker werden auch die Mangrovenw√§lder an der K√ľste abgeholzt. In unseren Projekten versuchen wir, die Mangroven wieder aufzuforsten.

Warum sind die Mangroven so wichtig?
Sie sind wie die Korallenriffe die Kinderstube f√ľr Fische, Krebse und Muscheln. Aber sie bieten auch einen nat√ľrlichen Schutz gegen die grossen St√ľrme. Zudem sind sie ein grosser CO2-Speicher. Wir versuchen den Fischern klar zu machen, welche Bedeutung die Mangroven f√ľr das √Ėkosystem haben. Und wir sensibilisieren sie, keine zerst√∂rerische Fischerei mit Dynamit zu betreiben.

Ein smarter Ansatz. Werden solche Projekte auch von der Regierung unterst√ľtzt?
Die Regierung ist auf prestigereiche Megaprojekte konzentriert. So finanziert beispielsweise China neue H√§fen im Zusammenhang mit dem Seidenstrassen-Projekt. Das zerst√∂rt das Land der Ureinwohner und der Staat ger√§t damit in eine immer gr√∂ssere Abh√§ngigkeit von China. Unklar ist, ob die Philippinen die eingegangenen Schulden jemals zur√ľckzahlen k√∂nnen.

Delf Bucher, reformiert.info, 29. März 2019

Unsere Empfehlungen

Die Teuerung trifft die Ärmsten

Die Teuerung trifft die Ärmsten

Die Teuerung der vergangenen Monate trifft insbesondere die weniger gut Verdienenden. Hilfsorganisationen wie das «Tischlein Deck dich» in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel verzeichnen eine so hohe Nachfrage, dass Grundnahrungsmittel fehlen. Nun springen eine Stiftung und eine Firma ein.
Teuerung trifft die Ärmsten

Teuerung trifft die Ärmsten

Die Teuerung der vergangenen Monate trifft insbesondere die weniger gut Verdienenden. Hilfsorganisationen wie das «Tischlein Deck dich» in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel verzeichnen eine so hohe Nachfrage, dass Grundnahrungsmittel fehlen. Nun springen eine Stiftung und eine Firma ein.
Ein Prozess mit Signalwirkung

Ein Prozess mit Signalwirkung

Die Anwältin Nina Burri ist Fachperson für Wirtschaft und Menschenrechte beim Hilfswerk der Evang.-ref. Kirchen Schweiz. Sie verfolgt den Prozess, den bedrohte Fischer gegen Holcim anstreben.