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Doris Brodbeck

Brücken bauen zwischen Kirche und Gesellschaft

von Carmen Schirm-Gasser
min
26.03.2026
Doris Brodbeck gestaltet seit über 20 Jahren kirchliche Kommunikation und ökumenische Zusammenarbeit – leise, beharrlich und mit viel Gespür für Menschen.

Es ist eine kleine Szene, an die sich Doris Brodbeck bis heute erinnert: Bei der Taufe ihres jüngeren Bruders besucht sie die Kinderhüte. Eine freundliche Frau kümmert sich um die Kinder – und hinterlässt Eindruck. So sehr, dass das Mädchen beim Anblick der Kirche wiederholt fragt, wann es wieder hingehen dürfe. Sonntagsschule, Jungschar, Gemeinschaft: Der Zugang zur Kirche wächst Schritt für Schritt. Später tauchen grössere Fragen auf. «Ich habe mich früh gefragt, was eigentlich sinnvoll ist im Leben – und was aus dem wird, was wir tun.» Die Antwort führt sie zur Theologie.

Ein Theologiestudium sei für sie nie bloss eine Berufsentscheidung gewesen, erzählt Brodbeck. «Ich wollte mich mit dem beschäftigen, was Gott mit mir vorhat.» Sprache, Geschichte und gesellschaftliche Entwicklungen interessieren sie ebenso wie Glaubensfragen. Besonders prägend wird die Kirchengeschichte. Sie erscheint ihr greifbarer als abstrakte Theorien: Menschen, die glaubten, zweifelten und Entscheidungen trafen – und deren Erfahrungen bis heute nachwirken. Ihr Studium absolviert sie hauptsächlich in Zürich, ergänzt durch ein Semester in Bern und Fribourg. Später promoviert sie zu konfessionellen Themen und Fragen der Frauenemanzipation. Die Begeisterung für das Fach bleibt. «Mir hat gefallen, dass ich in der Kirche Beruf und eigene Werte in Verbindung bringen kann.»

Ein anderer Weg als das Pfarramt

Nach ersten Stationen in Kirchgemeinden im Aargau, in Zürich und im Appenzellerland merkt sie: Das klassische Pfarramt entspricht ihr nur teilweise. Erwartungen an Rolle und Lebensform seien gerade damals noch konservativ gewesen. «In einer Fachstelle kann ich meine Stärken besser einbringen», sagt sie heute rückblickend. In Schaffhausen findet sie ihr berufliches Zuhause – an der Schnittstelle von Kommuni­kation sowie Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit (OeME). Zwei Arbeitsfelder, die sich zunehmend ergänzen.

Als Brodbeck ihre Arbeit beginnt, bedeutet kirchliche Kommunikation vor allem Texte schreiben, Sendetermine koordinieren und Medienkontakte pflegen. Heute sieht der Alltag anders aus. «Früher hatten die Medien mehr Kapazität für uns. Heute produzieren wir vieles selbst», sagt sie. Videos werden eigenständig aufgenommen, Radiobeiträge produziert, Inhalte online verbreitet. Die Medienlandschaft habe sich stark verändert – ebenso die Erwartungen an die Kirche. Trotz knapper Ressourcen sei es gelungen, präsent zu bleiben. Darauf ist sie ein wenig stolz: «Die Tür zu den Schaffhauser Medien ist offengeblieben – doch wir müssen selbst erzählen, was Kirche bewegt», sagt Brodbeck. Der Wandel habe die Arbeit anspruchsvoller, aber auch kreativer gemacht.

Ökumene beginnt  vor der Haustür

Auch die ökumenische Arbeit hat sich gewandelt. Während früher Projekte in Übersee im Zentrum standen, entstehen heute auch wichtige Begegnungen vor Ort. Ein Beispiel ist der Kontakt zur eritreisch-orthodoxen Gemeinde in Schaffhausen. Aus einer Sammelaktion entwickelte sich eine dauerhafte Beziehung. Räume werden gesucht, Begegnungen organisiert, Vertrauen wächst. «Unser Auftrag gilt Menschen», sagt Brodbeck. «Dies beginnt dort, wo Menschen miteinander leben.»

Eine besonders prägende Erfahrung war die Abstimmung über den Staatsbeitrag, den die Kirche bekommt. Die Unsicherheit habe viele Kräfte gebündelt. «Man hat gemerkt: Wir sind aufeinander angewiesen.» Kirchgemeinden, Landeskirchen und ökumenische Partner rückten enger zusammen. Zusammenarbeit wurde zur Notwendigkeit.

Wenn Brodbeck über Gleichstellung spricht, denkt sie weiter als nur an Geschlechterfragen. Es gehe ebenso um Menschen mit Beeinträchtigungen, um unterschiedliche Lebensformen oder kulturelle Hintergründe. «Kirche verpasst viel, wenn sie Menschen nur danach beurteilt, ob sie ins gewohnte Bild passen.» Offenheit sei keine Zusatzaufgabe, sondern Teil des kirchlichen Auftrags.

Glaube als Kraftquelle

Ihr eigener Glaube ist für sie kein starres System. Eher eine Haltung, die im Alltag trägt. «Manchmal vergisst man im Stress zu beten», sagt sie schmunzelnd. «Und wenn man sich wieder daran erinnert, ist oft schon die Hälfte des Problems gelöst.» Glaube schaffe Distanz zu Sorgen und eröffne neue Perspektiven – eine Quelle von Ruhe und Kreativität.

Privat ist Doris Brodbeck seit vielen Jahren eng mit dem Pfarrleben verbunden. Ihr Mann ist Pfarrer in Schleitheim; seit 2008 lebt das Paar dort. Damit gehört sie auch zur klas­sischen Rolle der Pfarrfrau – mit offenen Türen, ungewöhnlichen Tagesrhythmen und spontanen Begegnungen im Alltag. «Man ist oft einfach da, wenn man gebraucht wird», sagt sie. Diese Nähe zum Gemeindeleben ergänzt ihre berufliche Perspektive auf Kirche um eine sehr persönliche Erfahrung. Ausgleich findet sie beim Laufen oder auf dem Hugenottenweg. Unterwegs sein – das zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben.

 

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