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Tenniken-Zunzgen: Umweltzertifikat «Grüner Güggel»

Der lange Weg zur Nachhaltigkeit

von Noemi Harnickell
min
26.01.2024
Am 14. Januar hat Tenniken-Zunzgen als erste Baselbieter Kirchgemeinde das Zertifikat «Grüner Güggel» erhalten. Was können Kirchgemeinden mehr für die Umwelt und den Klimaschutz tun?

Die Welt rings um die reformierte ­Kirche in Tenniken ist ständig im Wandel. Der Pfeifengras-Föhrenwald, der sich hinter dem schwarzen Kirchturm hangaufwärts erstreckt, zeigt sich mal in grüner Frische, mal im rot-orange-gelben Blätterkleid, mal karg, mal schneeverhangen. Im Mai blüht hier zartgelb die seltene Berg-Kronwicke, im Juli die Ästige Graslilie. Ein kleines Naturparadies, das selbst selten gewordene Insektenarten anlockt.
Diese Schöpfung zu bewahren, sei eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche, sagt Franziska Buonfrate. Sie ist Präsidentin der Kirchenpflege und war 2020 mitverantwortlich für den Anstoss, die Kirchgemeinde Tenniken-Zunzgen mit dem «Grünen Güggel», dem kirchlichen Label für Umweltmanagement, zertifizieren zu lassen.

Leitlinien und langfristige Zielvorstellungen definieren

«Wir können nicht nur darüber predigen, dass wir die Schöpfung bewahren müssen, ohne selbst aktiv zu werden», betont Buonfrate. Der Grüne Güggel wird vom Verein «oeku Kirche und Umwelt» vergeben. Der berät die Kirchgemeinden in Fragen rund um Nachhaltigkeit und Umweltschutz und bietet ihnen ein strukturiertes Vorgehen in ökologischen Projekten. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen sich die Gemeinden an einen vorgegebenen Zehn-Punkte-Plan halten. Dazu gehört zum Beispiel das Formulieren von Leitlinien, in denen die Kirchgemeinde ihre langfristigen Zielvorstellungen formuliert.
«Der Grüne Güggel ist sicher nicht der einfachste Weg zur Nachhaltigkeit für Kirchgemeinden», sagt Buonfrate. Aber der hohe Aufwand lohne sich: Der Grüne Güggel gibt Vorsätzen und Ideen Struktur und setzt erreichbare Ziele. Sowohl interne als auch externe Überprüfungsverfahren stellen eine Verbesserung der Umweltleistungen sicher und validieren diese im Vierjahresrhythmus neu.

Wir können nicht nur darüber predigen, dass wir die Schöpfung bewahren müssen, ohne selbst aktiv zu werden.

Frisches Regenwasser im alten Ă–ltank

Das grösste Projekt der Gemeinde Tenniken-Zunzgen war in den letzten beiden Jahren der Anschluss des Pfarrhauses an den Wärmeverbund. Zudem wurden Decke und Böden der Kirche isoliert und die Beleuchtung auf LED umgestellt. Im Zuge des Umbaus der Heizungen am Pfarrhaus wurde der Öltank jedoch nicht entfernt, sondern zu einem Regenwassertank umfunktioniert. In den Trink­wasserleitungen fliesst das gesammelte Wasser zwar noch nicht, aber mit den 8000 Litern lässt sich doch immerhin der Pfarr­garten bewässern. Buonfrate hofft, dass mittelfristig auch der Brunnen auf dem angrenzenden Friedhof daran angeschlossen werden und das Regenwasser zur Grabpflege verwendet werden kann. Aktuell fliesst in dem Brunnen nämlich Trinkwasser.

«Diese Erde ist uns geschenkt»

Die Umweltleitlinien der Gemeinde sind im kirchlichen Kontext verankert und suchen Antworten auf die Fragen, wo unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung liegt und welche Werte unser Handeln prägen. «Wir leben ­primär aus dem Empfangen», heisst es im Umweltbericht der Gemeinde von 2023. «In unserem ganzen Leben sind wir angewiesen – auf Gottes Güte, die Mitwelt und auf immer wieder neues Erkennen.» In diesem Sinne sei die Gemeinde zur Mitverant­wortung eingeladen, die Umwelt zu schützen und zu fördern. «Diese Erde ist uns geschenkt – uns allen zusammen», betont Gemeindepfarrer Ulrich Dällenbach in dem Bericht. «Und wenn sie leidet, leiden wir auch alle zusammen.»

Eine Win-win-Situation

Die Kirchgemeinde arbeitet unter anderem mit dem Natur- und Vogelschutzverein zusammen, um die Natur mit ihrer grossen Artenvielfalt rund um die Tenniker Kirche nicht nur zu schützen, sondern auch zu fördern. So wurde etwa im Dachstock der Kirche ein Fledermaus-Unterschlupf gebaut. Buonfrate sieht die Umsetzung der Klimaziele als Win-win-Situation für Kirche und Umwelt. Die neu isolierte Kirche verbraucht zum Beispiel weniger Energie und spart dadurch Kosten. Ausserdem hilft der Grüne Güggel nicht nur bei der internen Umstrukturierung, sondern setzt auch ein Zeichen nach aussen. Er rege zu Gesprächen an, aus denen kreative Lösungen wachsen könnten, meint Buonfrate. «Wenn man einmal ausrechnet, wie wenig Menschen am Sonntag in die Kirche gehen und wie stark die Kirche für sie geheizt wird, dann stellt man fest: Die Kirchgemeinde hat einen schlechten ökologischen Fussabdruck.» In der Kirche in Tenniken sitzen Kirchgängerinnen und Kirchgänger nun bei 16 Grad Frische. «Man muss die Jacke anbehalten», gibt Buonfrate zu. «Aber dafür tut man was fürs Klima.»

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