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Der Playmobil-Luther – der Wachhund an meiner Seite

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04.11.2016
Martin Luther gibt es neuerdings auch als drollige Playmobilfigur. Sie macht sich sehr gut auf dem eigenen Schreibtisch.

Er sieht ein bisschen aus wie Harry Potter, der kleine Playmobil-Luther, der seit einiger Zeit meinen Schreibtisch bewacht: Schwarzer Gelehrtenumhang, eine schwarze Kappe auf dem Kopf. In der rechten Greifhand hält er eine Schreibfeder. Mit der Linken streckt er dem Betrachter eine frisch ins Deutsche übersetzte Bibel entgegen, als würde er sagen: «Lies!» Dabei steht drauf, was Luther berühmt gemacht hat. Die Bibelübersetzung ins Deutsche eben zum Selberlesen.

Auf 7,5 Zentimeter Länge hat Playmobil den großen Reformator geschrumpft. Die kleine Figur macht großen Wirbel. Die erste Lieferung nach drei Tagen vergriffen, das gab es bei Playmobil noch nie. «Wir hatten schon mit einem Erfolg gerechnet, aber nicht damit», staunt die Sprecherin des Herstellers. Das Luther- Plastikmännchen kostet normalerweise 2.39 Euro. Und nicht zu glauben: Im Internet wurde ein Exemplar zeitweise für bis zu 1000 Euro angeboten.

«...ich kann nicht anders»

Ich finde, der Playmobil-Luther ist richtig gut getroffen. Die Schreibfeder in seiner rechten Hand erinnert an die Macht des Wortes. Luther selbst war ein grosser und leidenschaftlicher Redner. Er nahm kein Blatt vor den Mund, trat für seine Überzeugung ein. Er lies sich nicht mundtot machen. «Ich stehe hier, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.» So beendete Luther seine Argumentation am Reichstag zu Worms. Das hätte ihn den Kopf kosten können.

Als in Paris das Satiremagazin «Charlie Hebdo» überfallen wurde, hielten die Menschen Stifte in der Hand, um genau dafür einzutreten: freie Meinungsäusserung! Luther hat vor bald 500 Jahren eine Reformation ausgelöst. Nicht mit Gewalt, sondern durch seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Zwingli trat zeitgleich in Zürich auf, nicht weniger überzeugend. Luther und Zwingli haben mit spitzer Feder eindrücklichen Predigten verfasst und mit überzeugenden Aktionen die Missstände in der damaligen Kirche angeprangert. Beide hatten erkannt: Gott will nicht Angst und Schrecken verbreiten, sondern frei machen. Gott will kein Geld zur Sündenvergebung, er will in dir Glaube stiften, in dem er dir gnädig ist, noch bevor du ihm zuliebe ein Werk tust. Das glauben zu können, dazu mussten die Menschen befähigt werden, indem sie die Heilige Schrift selbst lesen konnten. Deswegen übersetzte Martin Luther die Bibel.

Die Bibel in der linken Hand des Playmobil-Luthers fordert geradezu auf: «Glaub Dinge nicht nur vom Hörensagen. Lies selber! Mach dich kundig und prüfe, was du mit deinem Gewissen vereinbaren kannst.» Genau dafür steht mein Plastikmännchen: Ein einzelner Mensch kann die Welt verändern.

Dagmar Doll, Pfarrerin in der Kirchgemeinde Glarus-Riedern / 4.11.2016

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