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Armeeseelsorge

Die Armee bietet seelsorgliche Betreuung für alle

von Marie-Christine Andres
min
10.11.2023
Mit mehr Mitarbeitenden und Partnerschaften mit anderen Religionsgemeinschaften geht die Armeeseelsorge auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten ein. Andersartiges zuzulassen, sei der Kern eines echten Dialogs, sagt Samuel Schmid.

┬źEs ist ein historischer Fakt, dass die Grundlage der Armeeseelsorge christlich gepr├Ągt ist┬╗, sagt Samuel Schmid. Der reformierte Theologe und Pfarrer hat viel Erfahrung: Er war unter anderem 25 Jahre als Armeeseelsorger im Einsatz und ist seit 2022 Chef Armeeseelsorge der Schweizer Armee. In dieser Funktion wirkt er am Ausbau seines Bereichs wesentlich mit. So sollen die Seelsorgenden von heute 171 auf 242 aufgestockt und auch nicht christliche Religionen einbezogen werden.

Kompetenzen erweitern

2020 nahm die Schweizer Armee erstmals Seelsorger mit freikirchlichem Hintergrund in Dienst. Ein Jahr sp├Ąter wurden Partnerschaften mit der F├Âderation islamischer Dachorganisationen Schweiz und dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund geschlossen. Im Fr├╝hling 2022 absolvierten dann die ersten Seelsorgenden mit j├╝dischem und muslimischem Hintergrund den Lehrgang von dreimal je einer Woche.

Die Öffnung für andere Religionen basiert auf Werten und einem Menschenbild, wie sie durch die christliche Tradition unseres Landes geprägt sind.

┬źUnser Auftrag war und ist es, die seelsorgliche Betreuung f├╝r alle zu gew├Ąhrleisten. Dazu wollen wir unsere Kompetenzen erweitern┬╗, sagt Schmid. Bei den meisten Kontakten zwischen Armeeangeh├Ârigen und Armeeseelsorgenden spiele die Konfession oder Religion zwar keine Rolle. ┬źAber manchmal wird es eben doch gew├╝nscht, mit einer Vertreterin oder einem Vertreter der eigenen Religion zu sprechen.┬╗ Etwa, wenn ein Katholik bei einem Priester die Beichte ablegen m├Âchte oder ein Imam f├╝r ein muslimisches Gebet gebraucht werde.

Gemeinsame Grundlage

┬źDie ├ľffnung f├╝r andere Religionen basiert auf Werten und einem Menschenbild, wie sie durch die christliche Tradition unseres Landes gepr├Ągt sind┬╗, betont der oberste Armeeseelsorger: auf Respekt, Toleranz, Freiheit und Gleichbehandlung. ┬źDazu m├╝ssen sich alle Partner der Armeeseelsorge bekennen.┬╗ Die religi├Âse Vielfalt sei, wie in der Gesellschaft als Ganzes, auch in der Armee gross. Dem m├╝sse dringend Rechnung getragen werden, ist Schmid ├╝berzeugt. ┬źDer interreligi├Âse Dialog braucht gegenseitiges Interesse, aber auch den Mut, zu seinen eigenen religi├Âsen Wurzeln zu stehen.┬╗ F├╝r ihn ist das muslimische Gebet w├Ąhrend der Pause einer milit├Ąrischen ├ťbung, das Anfang Juli 2023 f├╝r Schlagzeilen sorgte, ein sch├Ânes Lehrst├╝ck. ┬źDa sind Leute, die ihren Glauben sichtbar leben. Das d├╝rfen alle, soweit es der Dienstbetrieb erlaubt.┬╗

Dilemma aushalten

Echter Dialog zwischen den Religionen l├Ąsst Andersartiges zu, meint Schmid. Denn wer nur auf der Basis der Gemeinsamkeiten zusammenarbeite, sei pl├Âtzlich sprachlos. ┬źDass der interreligi├Âse Dialog letztlich in ein gewisses Dilemma f├╝hren kann, m├╝ssen wir aushalten. Aber in allem sind Respekt und gegenseitige Wertsch├Ątzung die Grundlage f├╝r ein bereicherndes Miteinander.┬╗

 

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