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Lea Strickler

Die Jugendarbeit der Zukunft

von Noemi Harnickell
min
26.02.2026
Die Baselbieter Kirchgemeinden Rümlingen und Läufelfingen teilen sich seit letztem Jahr eine gemeinsame Jugendarbeiterin – engagiert über eine externe Stiftung. Was macht gerade dieses Modell so zukunftsfähig?

Lea Strickler ist die Antwort auf ein Problem, vor dem viele Kirchgemeinden derzeit stehen: begrenzte Stellenprozente, mangelnde Ressourcen und eine Lücke in der Jugendarbeit. Eine verheerende Ausgangslage für die reformierte Kirche, die mehr denn je beweisen muss, dass sie Raum für alle bietet. Auch für jene, die lieber Fussball spielen, als in der Kirche zu beten.

Die Baselbieter Kirchgemeinden Rümlingen und Läufelfingen haben sich in der Jugendarbeit zusammengeschlossen und über die Stiftung Jugendsozialwerk Sissach die soziokulturelle Animatorin Lea Strickler zu 25 Prozent für die Jugendarbeit angestellt. Strickler verbindet kirchliche und offene Jugendarbeit. Anstatt um die Bibel geht es bei ihr um Selbstwirksamkeit. Anstatt christliche Werte zu predigen, macht sie diese erlebbar.

Ich möchte, dass die Jungen selbst Verantwortung dafür übernehmen und ihre Rechte und Pflichten kennen.

Einmal pro Woche bietet Lea Strickler während zweier Stunden ein Programm für Kinder ab der 5. Klasse an. Mal ist es ein Kinonachmittag, mal Bräteln im Wald, mal wird Räuber und Polizei gespielt. In dieser Form ist die Jugendarbeit eine wichtige Ergänzung zum schulischen Religionsunterricht. «Es ist ein Angebot ohne Leistungsdruck», so Strickler.

«Kinder sollen ihren Glauben selbst entdecken»

Religiöse oder biblische Inputs sind bisher nicht Teil des Programms im Jugendangebot. Vielmehr sollen die Kinder christliche Werte wie Nächstenliebe selbst erfahren und reflektieren, was es etwa bedeutet, füreinander da zu sein. In diesem Rahmen plant Strickler auch, den Raum für Diskussionen zu öffnen und zu erfahren, welche Fragen sie beschäftigen: «Die Kinder sollen selbst eine Haltung entwickeln, ihren Glauben entdecken und daraus Kraft ziehen.»

Begleitung im Prozess der Selbstständigkeit

Selbst denken und selbst bestimmen: Das sind die Kernkompetenzen, die Lea Strickler bei den Jugendaktivitäten vermitteln will. «Die Jugendarbeit richtet sich nach den Bedürfnissen der Kinder», sagt sie. Gerade klärt sie mit den Gemeinden ab, ob ein paar Jugendliche, die gemeinsam eine Fussballmannschaft gegründet haben, bei schlechtem Wetter in der Turnhalle trainieren können. Allerdings muss sie garantieren können, dass die Halle sauber hinterlassen wird. «Ich möchte, dass die Jungen selbst Verantwortung dafür übernehmen und ihre Rechte und Pflichten kennen», sagt sie.

Die Jugendarbeit über eine externe Organisation zu regeln, ist eine attraktive Strategie für Kirchgemeinden. Im Fall von Lea Strickler stellt die Stiftung Jugendsozialwerk eine Vollkostenrechnung an die Kirchgemeinden und übernimmt den gesamten administrativen Aufwand. Auch das Material für sämtliche Aktivitäten wird von der Stiftung zur Verfügung gestellt. Dazu gehören unter anderem Autos und VW-Busse sowie Leinwände für Kinonachmittage und Musikanlagen.

Kirchliche Jugendarbeit für alle

Susanne Wernli, Sozialdiakonin in Rümlingen und Läufelfingen, sieht in dem Konzept eine grosse Zukunftsfähigkeit. Es gebe den Gemeinden die Möglichkeit, eine Person zu engagieren, die genau ins Profil passt. «Die Jugendarbeit steht allen Kindern offen – egal, ob sie einen kirchlichen Hintergrund haben oder nicht», sagt Wernli. «Wenn sie positive Berührungspunkte mit der Kirche haben, sinkt die Hemmschwelle, in die Kirche zu gehen.» 

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