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Serie «Tierisch»

Die tierischen YouTube-Stars aus Romanshorn

von Isabelle Berger/reformiert.info
min
09.10.2026
Im Turm der evangelischen Kirche Romanshorn-Salmsach brüten seit jeher Turmfalken. Seit fünf Jahren kann man sie im Live-Stream bei Brut und Jungenaufzucht beobachten.

Worauf sie wohl warten? Zwei Turmfalken sitzen an der Öffnung ihres Nistkastens hoch oben im Dach des Kirchturms der evangelischen Kirche in Romanshorn und mustern ihre Umgebung. Die feinen Daunen in ihrem ansonsten hell- und dunkelbraun gemusterten Gefieder bewegen sich dabei im Wind und verraten, dass es sich bei den Vögeln um Jungtiere handelt. 

 

Mit vier Wochen starten die Jungtiere ihre ersten Flugversuche und wagen die ersten Ausflüge. Nach ein paar Tagen verlassen sie dann das Nest endgültig. | Foto: zvg

Mit vier Wochen starten die Jungtiere ihre ersten Flugversuche und wagen die ersten Ausflüge. Nach ein paar Tagen verlassen sie dann das Nest endgültig. | Foto: zvg

 

Dann wechselt das Bild der Videokamera und zeigt den Nistkasten von innen. Drei weitere junge Turmfalken sind zu sehen. Einer davon hat noch besonders viel vom weissen Flaum und erst wenige Federn seines Jugendgefieders. Es könnte sich bei ihm um das jüngste der fünf Küken handeln, welche dieses Jahr geschlüpft sind. Das war am 2. Juni. 

 

 

Die Schlüpfdaten und auch, wann jedes Ei gelegt wurde, kennt Edith Lengacher, Mesmerin der evangelischen Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach, ganz genau. Zusammen mit dem Verein «Naturschutz Region Romanshorn» betreut sie seit fünf Jahren die Vögel und dokumentiert die Bruten. Anfang Jahr wird der Nistkasten geputzt und neu eingestreut. Und wenn die Jungen zwei Wochen alt sind, kommt ein Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach, um sie zu beringen, zu vermessen und zu wiegen.

 

Wenn die Jungen zwei Wochen alt sind, bekommen sie menschlichen Besuch: Ein Mirarbeter der Vogelwarte Sempach misst und wägt sie. | Foto: zvg

Wenn die Jungen zwei Wochen alt sind, bekommen sie menschlichen Besuch: Ein Mirarbeter der Vogelwarte Sempach misst und wägt sie. | Foto: zvg

«Tierisch» – Die Serie über Tiere in der Kirche

Fledermäuse im Kirchturm, Wildbienen im Pfarrhausgarten und Schafe auf dem Friedhof –Kirchengebäude und ihr Umschwung bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Manche sind von selbst eingezogen, für andere wurden gezielt Unterschlupf und Nahrungsangebote geschaffen. An einigen Orten sind so wichtige Hotspots der Artenvielfalt entstanden, die auch vom Kirchenpersonal und anderen engagierten Menschen gepflegt werden. In der Serie «Tierisch» stellen wir verschiedene Kirchen vor, in denen Tiere willkommen sind.

 

Seit zwanzig Jahren ist Lengacher für die Kirchgemeinde tätig. Schon immer hätten Turmfalken im Kirchenturm genistet, sagt sie. Irgendwann kam ihr die Idee, dass man Videokameras installieren könnte, um die Vögel beobachten zu können. Im Zusammenhang mit dem Erlangen des «Grünen Güggels», einem Umweltzertifikats für Kirchgemeinden, wurde ihre Idee dann umgesetzt und die Zusammenarbeit mit dem Naturschutzverein gestartet. 

 

Zudem werden die Jungen beringt. Damit lassen sich später Zugrouten und Todesursachen der Vögel nachverfolgen. | Foto: zvg

Zudem werden die Jungen beringt. Damit lassen sich später Zugrouten und Todesursachen der Vögel nachverfolgen. | Foto: zvg

 

Seither kann man von März bis Juli via YouTube in die tierische Kinderstube blicken. Dabei sieht man aber nicht nur Herziges und Schönes. Es sind auch Szenen zu sehen, die manche Leute verstörend finden. Es kommt vor, dass ein Jungtier stirbt, oder man sieht auch, wie die Eltern Mäuse und Eidechsen verfüttern. Manche Leute hätten dafür kein Verständnis, sagt Lengacher. Doch die meisten freuten sich über die Anwesenheit der Turmfalken. «Ich werde immer wieder auf der Strasse gefragt, wann wir die Kameras wieder einschalten.» 

 

Im März treffen die Turmfalken jeweils beim Nistkasten im Romanshorner Kirchturm ein. Das Männchen ist am grauen, das Weibchen am braunen Kopf erkennbar. | Foto: zvg

Im März treffen die Turmfalken jeweils beim Nistkasten im Romanshorner Kirchturm ein. Das Männchen ist am grauen, das Weibchen am braunen Kopf erkennbar. | Foto: zvg

 

Auch das Pfarrteam habe Freude an den Vögeln. «Im Gottesdienst wird jeweils erwähnt, wenn die Vögel zurückgekehrt sind, und für sie gebetet», sagt Lengacher. Sie selber würde sich freuen, wenn den Turmfalken mal ein ganzer Gottesdienst gewidmet würde.

 

Turmfalke (Falco tinnunculus)

Der Turmfalke ist vor allem für seine Jagdweise bekannt: Plötzlich stellt er sich im Flug gegen den Wind und verharrt dank dem Rüttelflug und dem breit gefächerten Schwanz erstaunlich lange an der gleichen Stelle, um nach Mäusen Ausschau zu halten. Obwohl Mäuse einen Grossteil seiner Nahrung ausmachen, ist der Turmfalke erstaunlich anpassungsfähig und brütet neben dem Kulturland auch in Städten und selbst im Hochgebirge. Er steht auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel der Schweiz und hat dort den Status «nahezu bedroht». Mehr zum Turmfalken auf der Website der Vogelwarte Sempach.

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