Ein Leben im Dienst der Kirche
Wenn Thomas Kiener morgens zur reformierten Kirche in Neuhausen kommt, weiss er selten genau, was der Tag bringen wird. Zwar gibt es einen Wochenplan, doch vieles ergibt sich spontan. «Wenn ich am Ende der Woche zurückblicke, frage ich mich selbst, was ich alles gemacht habe», sagt er und lacht.
Seit 2018 arbeitet er mit einem Pensum von 70 Prozent als Mesmer – dem höchsten im Kanton. Zum Vergleich: Viele Mesmerinnen und Mesmer arbeiten nur mit 10 bis 20 Prozent. «Früher gab es deutlich mehr Mesmerstellen und grössere Pensen», sagt Kiener. Heute sei das Interesse an solchen Teilzeitstellen kleiner geworden.
Ein Beruf im Hintergrund
Der Beruf des Mesmers spielt im kirchlichen Alltag eine wichtige Rolle – auch wenn vieles unsichtbar bleibt. Vor einem Gottesdienst bereitet Kiener die Kirche vor: Er bereitet den Raum vor, die Liedtafeln, richtet die Technik ein, zündet Kerzen an, verteilt Gesangbücher und sorgt dafür, dass alles bereit ist.
Während des Gottesdienstes betreut er die Präsentation und die Technik. «Mit unserem Pfarrer funktioniert vieles über nonverbale Kommunikation», sagt er. «Man merkt, wenn jemand etwas braucht.» Nach dem Gottesdienst öffnet er Türen, verabschiedet Besucherinnen und Besucher, kümmert sich um die Kollekte und stellt die Kirche wieder für den nächsten Anlass bereit.
Auch Verantwortung gehört dazu. «Wenn jemand einen Schwächeanfall hat oder Hilfe braucht, muss ich reagieren können.» Während eines Gottesdienstes sieht er sich deshalb auch als Dienstleister. «Ich schaue, dass es den Menschen gut geht. Sie sollen sich wohlfühlen, wenn sie in unsere Kirche kommen.» Seine Haltung zur Arbeit beschreibt er mit einem Satz, der ihn seit seinem Einstieg begleitet: «Ich bin ein kleines Glied in einer grossen Kette, die gemeinsam ein grosses Ziel erreichen will.» Doch auch ausserhalb der Gottesdienste ist er präsent. Die Kirche ist tagsüber offen, viele Menschen kommen spontan vorbei. «Ich bin oft die erste Ansprechperson», sagt Kiener. «Manchmal wollen Leute etwas wissen, manchmal wollen sie einfach kurz reden.»
Der Weg zur reformierten Kirche
Aufgewachsen ist Thomas Kiener katholisch. Als Jugendlicher war er Ministrant und damit schon früh mit dem kirchlichen Dienst vertraut. Später wechselte er jedoch zur reformierten Kirche. Der Schritt hatte auch persönliche Gründe. «Meine Frau ist reformiert», erzählt er. Nach ihrer Scheidung wollte sie ein zweites Mal heiraten – doch in der katholischen Kirche sei das schwierig gewesen. «Das hat mich damals sehr beschäftigt.» Entscheidend wurde ein Gespräch mit einer reformierten Pfarrperson. «Es war ein intensives und sehr schönes Gespräch», erinnert sich Kiener. «Ich habe mich angenommen und aufgehoben gefühlt.» Dieses Erlebnis habe ihn stark geprägt und den Wechsel erleichtert.
Heute lebt er mit seiner Frau in Neunkirch. Auch beruflich wird sich ihre Verbindung zur Kirche noch verstärken: Seine Frau hat lange im Pflegebereich im Schichtdienst gearbeitet und wird künftig als sozialdiakonische Mitarbeiterin tätig sein. «Dann arbeiten wir gewissermassen beide in der Kirche», sagt Kiener mit einem Lächeln.
Sein persönlicher Glaube sei dabei etwas, was sich nicht einfach definieren lasse. «Für mich ist der Glaube etwas Überirdisches», sagt er. «Ich glaube an Gott, auch wenn ich nicht genau sagen kann, wer oder was Gott ist. Aber der Glaube gibt mir Halt.» Ein Kirchengebäude brauche er dafür eigentlich nicht zwingend. «Ich kann überall glauben – in der Badewanne oder auf einer Wiese.» Trotzdem seien Kirchen wichtige Orte der Begegnung. «Menschen brauchen Orte, an denen sie zusammenkommen können.»
Jubiläum und Blick in die Zukunft
Neben seiner Arbeit engagiert sich Kiener auch stark im Mesmerverband. Als Präsident der Sektion Schaffhausen, die derzeit 25 Mitglieder zählt (etwa ein Drittel davon ist bereits pensioniert), setzt er sich für Austausch und Weiterbildung ein. Zudem arbeitet er in der Schulungskommission mit, die unter anderem Grundkurse für neue Mesmerinnen und Mesmer organisiert. Das Jubiläumsjahr zum 75-jährigen Bestehen der Sektion wurde bereits am 28. Januar – genau am Gründungstag – mit einer Führung im Beringer Dorfmuseum eröffnet. Im Herbst folgt der Hauptanlass: eine Schifffahrt nach Stein am Rhein mit Besuch des Krippenmuseums und einem gemeinsamen Grillabend. Trotz der Herausforderungen blickt Kiener positiv in die Zukunft. Sein Wunsch ist klar: «Ich hoffe, dass wir wieder mehr Menschen für diese Aufgabe begeistern können.»
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